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Brasilien vor der WM:Augen zu und durch

Protest gegen die WM im eigenen Land: Demonstranten im brasilianischen Bundesstaat Amazonas

(Foto: AFP)

Während sich die brasilianische Elf zielstrebig auf die WM vorbereitet, herrscht im Land Chaos. Nur noch 52 Prozent der Brasilianer stehen hinter dem Turnier. Die Fifa steckt in einem Dilemma.

Der Weltverband Fifa drängt und droht und winselt, er pocht auf die Uhr und auf all die unerledigten Dinge im WM-Land Brasilien, 99 Tage vor dem Eröffnungsspiel in der Arena de São Paulo (12. Juni); auch dort wird längst gegen den Uhrzeiger gearbeitet. Brasiliens Fußball indes hat die wirklich wichtigen Themen und Termine im Blick. Also diesen Mittwoch, wenn die Seleção von Nationaltrainer Felipe Scolari ihr letztes für die WM-Kaderauslese relevantes Testspiel gegen Südafrika in Johannesburg austrägt - und vor allem den 7. Mai.

Dann steigt ein Riesenspektakel vor 5000 Gästen im Showpalast Vivo Rio im Zentrum Rio de Janeiros. Scolari wird hier seinen WM-Kader bekanntgeben, die 23 Akteure seines Vertrauens.

Wer zur ersten Garnitur zählt, lässt sich beim Freundschaftsspiel in Südafrika am besten auf der Reservebank ablesen. Dort werden die Innenverteidiger David Luiz und Thiago Silva, der Kapitän, erwartet, während die Kollegen Dante und Dede ein letztes Mal vorspielen dürfen. Aber nicht, um die Platzhirsche aus der Stammformation zu vertreiben, sondern um sich den Job als Zweitbesetzung zu sichern.

Dasselbe gilt für Maicon und Maxwell - hinter den gesetzten Außenverteidigern Dani Alves und Marcelo. Hingegen wird der Münchner Quer- und Wiedereinsteiger Rafinha als krasser Außenseiter gehandelt, obwohl er nun eine Last-Minute-Chance im Soccer-City-Stadion erhält. Gegen hoch motivierte Südafrikaner übrigens, die erstmals nach dem Tod Nelson Mandelas antreten und zu Ehren der nationalen Ikone deren Nummer auf den Trikots tragen wollen: 466/64. In Zelle 466 auf der Gefängnisinsel Robben Island war Mandela ab 1964 eingesperrt gewesen.

Im Mittelfeld der Seleção gilt eine späte WM-Berufung des Senioren-Duos Kaká und Ronaldinho als unwahrscheinlich; sie sind nicht mehr dabei. Und in der Offensive sind neben Neymar (FC Barcelona), dem Hoffnungsträger des ganzen Landes, die Mittelstürmer Fred und Jô gesetzt, zudem Hulk von Zenit Petersburg am rechten Flügel.

Im Falle Freds zeigt sich die Männertreue, die Felipe Scolari gern gegenüber verdienten Spielern pflegt. Der Torjäger hatte zu Brasiliens Triumph beim Confederations Cup 2013 fünf Treffer beigesteuert. Danach versank Fred in einem tiefen Loch, er stieg mit dem Traditionsklub Fluminense Rio de Janeiro sogar aus der ersten Liga ab. Verhindern könnte seine Nominierung trotzdem nur noch eine Verletzung.