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Brasilien vor der Fußball-WM:Nur die Reichen sind geblieben

Wortführer wie der Journalist Mehl, 31, wetterten frühzeitig gegen die Kosten von WM 2014 und Olympia 2016. In Brasilien herrschte noch Euphorie über den mittlerweile abgeflauten Wirtschaftsboom, da warnten vereinzelte Widerständler schon davor, dass außer der Fifa hauptsächlich private Unternehmen wie deren Werbepartner und der Baukonzern Odebrecht von den Großereignissen profitieren.

Kurz vor dem Konföderationen-Pokal im Juni 2013 machten dann erst Zehntausende gegen Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr von São Paulo mobil. Militärpolizisten reagierten brutal und schürten den Zorn erst recht. Bald demonstrierten Heerscharen Unzufriedener aus der Mittelschicht auch gegen Korruption, Geldverschwendung, Polizei, Politik, Fifa. "A gigante acordou", heißt es seitdem. Der Riese ist aufgewacht.

Es genügt nicht mehr, dass unter dem früheren Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva Millionen Brasilianer der Armut entkommen waren. Brasilien fragt sich, wozu es zwölf neue oder renovierte WM-Stadien braucht. Weshalb umgerechnet fast drei Milliarden Euro für das Spektakel ausgegeben werden, während neben den Arenen Schulen und Krankenhäuser verfallen und die Preise von Häusern und Wohnungen in absurde Höhen klettern.

Militärpolizei stellt martialisches Equipment zur Schau

Für den Fußball-Freund Mehl symbolisch ist das Maracanã, das früher ein Ort des Volkes war, an dem sich der reiche Süden und der arme Norden von Rio mischten. Nach dem Umbau sitzt auf der Tribüne bei wichtigen Terminen vornehmlich ein hellhäutiges, elitäres Publikum. Bezahlt wurde das privatisierte Heiligtum genauso wie andere Bühnen dieser WM mit Steuergeld.

Zwar sind die Kundgebungen derzeit viel kleiner als vor einem Jahr. Viele Bürger halten sich aus Angst vor Polizisten und Radikalen zurück, manche Vermummte wurden möglicherweise von der Staatsgewalt infiltriert. Aber am Wochenende jagte wieder eine Demo die nächste, zuvor hatte die Militärpolizei in Rio und São Paulo ihr martialisches Equipment ausgestellt.

Fußball-WM Fußball-WM 2014 Spielplan

Finale: Deutschland Argentinien

Fußball-WM 2014 Spielplan

Täglicher Spielplan zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien mit Gruppeneinteilung und allen WM-Spiel-Terminen.

Wenn die WM losgeht und Brasilien gut spielt, dann wird sicher trotzdem gefeiert. Auch Gustavo Mehl schaut sich die Spiele im Fernsehen an und unterstützt seine Elf. Aber er will zurück auf die Straße und "alle lächerlichen Fifa-Maßnahmen austricksen, die gegen unsere Kultur verstoßen".