Brasilien:Wenige Spieler stehen in der Tradition des legendären Sócrates

Ronaldinho, Rivaldo und Cafú sind nicht die einzigen Fußballer, die sich für Bolsonaro einsetzen: Felipe Melo (Palmeiras) zählt dazu, Lucas Moura (Tottenham Hotspur) ebenfalls. Auch die aktuellen Nationalmannschaftsstürmer Neymar Jr. und Gabriel Jesús unterstützten Ronaldinhos Tweet mit einem "Gefällt mir". Und der frühere, zweimalige Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi ließ sich mit Bolsonaro ablichten. Nur wenige Sportler haben sich hingegen zum Gegner Bolsonaros bekannt. Es gibt nur noch wenige Spieler, die in der Tradition des legendären Sócrates stehen, der einst als Spieler von Corinthians São Paulo gegen die Militärdiktatur ankämpfte, und sich als links verstehen. Juninho zählt dazu, aber auch Paulo André, der von Corinthians nach China abgeschoben wurde, nachdem er eine Art Spielergewerkschaft (Bom Senso) gegründet hatte. Stürmer Paquetá erlitt ein ähnliches Schicksal: Er wurde in dieser Woche von Flamengo Rio de Janeiro zum AC Mailand verkauft. Just nachdem er sich für Bolsonaros Gegenkandidaten Fernando Haddad ausgesprochen hatte.

Derweil steht Barça unter Druck - medial und seitens der Fans. So sehr, dass es keine Überraschung wäre, wenn das Thema am Samstag bei der Mitgliederversammlung zur Sprache kommt, die vor dem Spitzenspiel der spanischen Liga zwischen Barcelona und Tabellenführer FC Sevilla anberaumt ist.

Die Zeitung Sport meldete dieser Tage bereits unter Berufung auf die Vereinsführung, dass man Ronaldinhos Engagement für den Klub herunterdimmen werde. Offen verstoßen will der Verein Ronaldinho nicht, weil er zu viele Verdienste hat. Unter anderem führte er den Klub 2006 zum Champions-League-Titel. Aber: Es ist zu spüren, dass Ronaldinhos politisches Engagement Barça ein Dorn im Auge ist, weil der Klub in einer diametral entgegengesetzten politischen Tradition steht.

Unter anderem wurde ein Vereinspräsident, Josep Sunyol, 1937 im spanischen Bürgerkrieg von Truppen des späteren faschistischen Diktators Francisco Franco getötet, der Klub zeitweise unter Zwangsverwaltung gestellt. Auch vor diesem Hintergrund schließt Barça drastische Maßnahmen nicht aus. Vereinssprecher Vives sagte, man habe "noch nicht entschieden", ob man auf Ronaldinho als Botschafter verzichten wird. Auch er weiß: Die Kritik wächst von Tag zu Tag. "Welche Werte exportiert Ronaldinho, der vom Klub bezahlt wird? Die Werte Barças oder die von Bolsonaro?", fragte Sport am Freitag. Die Zeitung hätte auch fragen können: Wie präsentabel ist Ronaldinho noch?

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