Brasilien Ronaldinho lächelt für den ultrarechten Kandidaten

Ronaldinho findet Jair Bolsonaro gut - und sagt das öffentlich.

(Foto: imago)
  • Ronaldinho hat sich mit weiteren brasilianischen Weltmeistern von 2002, Mittelfeldspieler Rivaldo, 46, und Rechtsverteidiger Cafú, 48, vor den Karren des ultrarechten Politikers Jair Bolsonaro spannen lassen.
  • Für Ronaldinho könnte das Konsequenzen in seiner Funktion als Botschafter des FC Barcelona haben.
  • Der Widerstand im Klub gegen den einstigen Champions-League-Sieger wächst.
Von Javier Cáceres

Wenn es je einen Fußballer gab, der in der legitimen Nachfolge des legendären brasilianischen Außenstürmers Mané Garrincha stand, dann Ronaldinho. So wie der Weltmeister von 1958 und 1962 war auch Ronaldinho "o alegria do povo", die Freude des Volkes. Wie Garrincha vermochte es Ronaldinho, den Fußballanhängern ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, mit Finten, Toren und manchen Eskapaden, die bei Garrincha freilich derart überhand nahmen, dass seine Leber kollabierte, als er nicht mal 50 Jahre alt war. Ronaldinho, 38, sorgt nun für Schlagzeilen, die nicht wenigen seiner Anhänger das Lächeln von einst gefrieren lassen.

Ronaldinho hat sich mit weiteren brasilianischen Weltmeistern von 2002, Mittelfeldspieler Rivaldo, 46, und Rechtsverteidiger Cafú, 48, vor den Karren des ultrarechten Politikers Jair Bolsonaro spannen lassen, dem der Sieg bei der Stichwahl um Brasiliens Präsidentschaftsamt kaum mehr zu nehmen ist. Umfragen sehen ihn mit nahezu 60 Prozent vorn. Unmittelbar vor dem ersten Wahlgang teilte Ronaldinho in einem Sozialnetzwerk ein Foto, auf dem er im kanariengelben brasilianischen Nationalmannschaftstrikot mit der Rückennummer "17" zu sehen war - der Chiffre Bolsonaros. "Für ein besseres Brasilien, dem ich Frieden, Sicherheit und jemanden wünsche, der uns die Freude zurückgibt", schrieb Ronaldinho. Sein früherer Nationalmannschaftskollege Juninho Pernambucano, 43, nennt Bolosonaro aus nachvollziehbaren Gründen einen "Faschisten" - und ist über seine früheren Spielkameraden entsetzt: "Wie könnt ihr nur, Brüder?", fragt er.

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Gute Frage. Einst galt Ronaldinho weniger als gesellschaftspolitisch denn an Geselligkeit interessiert; seit geraumer Zeit lässt er - wie Rivaldo - mehr als nur Sympathien für Gruppen erkennen, die den finanzstarken und sowohl medial wie auch politisch immer einflussreicheren, reaktionären evangelikalen Kirchen Brasiliens nahestehen. Gleichwohl vermengten sich Unglaube und Überraschung, als die Wellen, die Ronaldinhos Engagement für Bolsonaro schlugen, gegen den Mittelmeerstrand von Barcelona brandeten, wo Ronaldinho von 2003 bis 2008 spielte und eine spektakuläre Ära begründete.

Bolsonaros Mittel gegen Armut und Verbrechen: Sterilisation

Weil Ronaldinho seit gut anderthalb Jahren als Botschafter des Klubs arbeitet - in Kreisen der Vereinsführung wird von einem sechsstelligen Honorar geraunt - und wie Rivaldo auch Zugpferd der "Legends"-Mannschaft ist, sah sich Barça zu einer Reaktion gezwungen. "Wir respektieren die Meinungsfreiheit und auch die Worte Ronaldinhos", sagte Vereinssprecher Josep Vives. Doch er betonte auch: "Unsere Werte stimmen mit den Worten dieses Kandidaten nicht überein."

Die Worte Bolsonaros haben es fürwahr in sich. So sehr, dass der britische Economist, wahrlich kein Bolschewistenblatt, in ihm die Gefahr verkörpert sieht, "das Überleben der Demokratie im größtem Land Lateinamerikas in Gefahr zu bringen". Das fußt auf einer ganzen Latte von Perlen Bolsonaros: Der chilenische Diktator Augusto Pinochet "hätte mehr Menschen töten müssen", sagte er einmal; ein anderes Mal fand er, "das Problem der brasilianischen Militärdiktatur" sei gewesen, "dass sie mehr gefoltert als getötet hat". Mal trug Bolsonaro ein T-Shirt, auf dem zu lesen war, dass "die Menschenrechte der Dung für Verbrecher" seien; dann wieder warf er einer linken Politikerin an den Kopf: "Ich werde Dich nicht vergewaltigen, Du hast es nicht verdient." Denn: Sie sei "zu hässlich". Seine Töchter, behauptete Bolsonaro, würden keine Schwarzen heiraten, weil sie wohlerzogen seien; seine Söhne sähe er "lieber tot als schwul". Seine Mittel gegen Armut und Verbrechen: Sterilisation.