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Brasilien Vierter bei der Fußball-WM:Chancenlos im Micky-Maus-Spiel

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Das zweite Tor, furchtbar leicht gemacht: Daley Blind (Mitte) schießt ein.

(Foto: AFP)

Das WM-Spiel um Platz drei sollte zur Umarmung der Seleção mit ihren Fans werden. Doch auch gegen die Niederlande setzt es für Brasilien eine völlig verdiente 0:3-Niederlage. Die Niederländer sichern sich Bronze - und gehen noch gnädig mit ihren Gegnern um.

Plötzlich war Neymar wieder da. Er lief erstaunlich rund, als er den Rasen von Brasília betrat, nach seiner fiesen Wirbelverletzung. Neymar winkte ins Publikum, dann nahm er ganz rechts auf der brasilianischen Ersatzbank Platz. Natürlich gänzlich ohne Chance, noch einmal eingesetzt zu werden, das hätten die Ärzte niemals erlaubt. Aber er war wieder dabei.

Neymar wollte seiner Mannschaft beistehen in diesem Spiel um Platz drei, damit Brasilien seine Heim-WM, für die es kein anderes Ziel als den Titel gab, mit einem kleinen Erfolgserlebnis abschließen würde. Es passte zur brasilianischen Gesamtbilanz, dass auch dieses Vorhaben fulminant misslang. Durch frühe Tore von Robin van Persie (3.) und Davey Blind (15.) sowie einem späten Treffer von Georginio Wijnaldum (90.+1) siegten die Niederländer 3:0 (2:0). "Wir entschuldigen uns beim brasilianischen Volk", sagte Kapitän Thiago Silva, "wir hatten einen Traum, den wir uns nicht erfüllt haben."

Das Spiel um Platz drei hat unter Fußballfreunden einen eher zweifelhaften Ruf. Auch diesmal wären Brasilianer und Niederländer die ersten gewesen, die eine Petition zur Abschaffung dieses Micky-Maus-Spiels unterzeichnet hätten. Die Logik: Zwei Verlierer aus den Halbfinals werden genötigt, vier respektive fünf Tage länger am Turniergeschehen teilzunehmen. Zweiter, Dritter, Vierter, das sei total egal, sagten die Brasilianer. Es wurde die schlechteste Möglichkeit, Platz vier.

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Der Empfang in Brasília war noch erstaunlich freundlich für die Seleção, die beim 1:7 gegen Deutschland eine Niederlage historischen Ausmaßes erlitten hatte. Am Ende waren die Spieler aus der Arena gepfiffen worden, diesmal gab es wieder Applaus, auch die Hymne wurde gemeinsam intoniert. "Brasil, Brasil", hallte es durch die Arena, wenn auch gedrosselter als bei den Spielen zuvor. Alles war auf Versöhnung programmiert.

Trainer Felipe Scolari war auch personell gewillt, ein anderes Gesicht seiner Mannschaft zu präsentieren. Sechs Änderungen hatte er für seine Aufstellung verfügt, Thiago Silva rückte für Dante in die Innenverteidigung, Maxwell ersetzte Marcelo, Paulinho spielte für Fernandinho. In der Offensive dann gleich drei Wechsel: Ramires, Willian und Jô für Bernard, Hulk und denim Halbfinale geschmähten Fred.

Spiele um Platz drei waren in der Vergangenheit häufig höchst kurzweilige Angelegenheiten, wenn die taktischen Zwänge nicht mehr allzu streng eingehalten wurden. Und auch die 2014er Auflage begann mit einem herrlichen Kuddelmuddel. Van Persie schickte Robben auf die Reise, Thiago Silva riss Robben notbremsig an der Strafraumkante zu Boden. Freistoß und Rot hätte das richtige Urteil lauten müssen. Der kuriose Schiedsrichter Djamel Haimoudi entschied auf Elfmeter und Gelb.

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Sei's drum, dachte sich van Persie und verwandelte sicher vom Punkt, rechts hoch oben ins Netz. Nach exakt drei Minuten lagen die Brasilianer hinten. Sie versuchten diesmal, Ruhe zu bewahren, nicht abermals in Panik zu verfallen wie gegen die Deutschen. Es dauerte nur zwölf Minuten, ehe sie das nächste Gegentor fingen.

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