Boxen Zu nachlässig

Die Nationale Anti-Doping-Agentur kritisiert die Standards im Boxen, nachdem der Weltverband WBA vorzeitig die Sperre von Manuel Charr, dem Weltmeister im Schwergewicht, aufgehoben hat. Zudem wurde ein Verfahren gegen Felix Sturm nicht eröffnet.

Von Benedikt Warmbrunn

Die Nationale Anti Doping Agentur Nada kritisiert den nachlässigen Umgang im Profiboxen mit Dopingvergehen. Im Berufsboxen fehle es "leider immer noch an einem von der Welt-Anti-Doping-Agentur anerkannten Dopingkontrollsystem mit vorschriftsmäßigen Sanktionen", teilte Nada-Justiziar und -Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer der SZ mit. Am Montag war bekannt geworden, dass die 8. Große Strafkammer am Kölner Landgericht abgelehnt hat, ein Hauptverfahren gegen den früheren Weltmeister Felix Sturm zu eröffnen. Am Dienstag verkündete zudem der Weltverband WBA, dass er die Sperre gegen den Schwergewichtsweltmeister Manuel Charr vorzeitig aufgehoben habe - und dem in Köln lebenden Libanesen eine Frist von 60 Tagen gesetzt habe, um seinen Titel gegen Fres Oquendo zu verteidigen. Charr, 34, waren im September die Anabolika Epitrenbolon und Drostanolon nachgewiesen worden.

Gegen Sturm, 39, hatte die Nada 2017 bei der Staatsanwaltschaft Köln eine Strafanzeige erstattet, nachdem dieser positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet worden war. "Aus unserer Sicht war ein strafrechtlich relevantes Verfahren nicht ausgeschlossen", sagt Mortsiefer. Das Landgericht folgte nun der Argumentation von Sturms Verteidiger Gottfried Reims, dass die nachgewiesene Menge "nicht dopingrelevant" sei. "Wir bedauern, dass das Hauptverfahren wohl nicht eröffnet wird", sagt Mortsiefer. "Wir sehen es auch weiterhin sehr kritisch, dass der Fall sportrechtlich vom internationalen Sportverband nicht nach den Vorgaben des Welt-Anti-Doping-Codes behandelt wurde." Gegen den Beschluss des Landgerichts hat die Staatsanwaltschaft eine sofortige Beschwerde eingelegt, um in den nächsten Tagen ihr weiteres Vorgehen zu prüfen.