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Boxen:Wembley erwartet den 50-Millionen-Euro-Kampf

Pose vor dem Kampf: Anthony Joshua und Wladimir Klitschko

(Foto: AFP)
  • Mit dem Boxkampf zwischen Anthony Joshua und Wladimir Klitschko lässt sich viel Geld verdienen.
  • Auch die Boxer profitieren: Klitschko bekommt 20 Millionen Euro Gage - so viel wie nie zuvor in seiner erfolgreichen Karriere.

Von Saskia Aleythe, London

Lennox Lewis war eigentlich nur zum Rahmenprogramm erschienen, blauer Anzug, Sonnenbrille mit kreisrunden Gläsern, doch wenn der ehemalige Schwergewichtsweltmeister eine Bühne be- und vor ein Mikrofon tritt, dann darf schon mal hingehört werden. 1200 Zuschauer waren zum Wiegen der Boxer Anthony Joshua und Wladimir Klitschko gekommen, und Lewis brachte das Publikum bestens in Stimmung. "Morgen treffen junge Beine auf alte Beine", sagte der 51-Jährige, "aber alte Beine merken manchmal erst im Ring, dass sie alt sind." Das Publikum grölte und feierte ihn für seine Kampfprognose: Anthony Joshua, ihr Mann aus dem Norden Londons, ist ja der mit den jungen Beinen.

Tausend Zuschauer beim Wiegen, Tausend beim öffentlichen Training: Seit Mittwochmittag läuft die intensive Kampfvorbereitung in Sachen Zuschauergewinnung über alle Kanäle und das recht erfolgreich. Klar, am Samstagabend geht es entweder um die sportliche Wiedergeburt oder das mögliche Karriereende von Wladimir Klitschko, aber auch: Um jede Menge Geld. 90 000 Zuschauer werden im Wembley-Stadion erwartet, doch sie machen nur einen Teil der geschätzten Einnahmen aus. Joshua gegen Klitschko, das soll ein 50-Millionen-Euro-Kampf werden.

Tatsächlich hat es in der Nachkriegszeit einen Box-Kampf gegeben, der mehr Zuschauer vor Ort versammeln konnte, 1993 in Mexiko-Stadt zwischen den Super-Weltergewichtlern Julio Cesar Chavez und Greg Haugen. 136 000 Zuschauer belagerten das Azteken-Stadion, doch auch mit 90 000 übertrifft der Kampf zwischen Klitschko und Joshua alles, was die Boxer bisher erlebt haben. "Wembley ist die Spitze, der Höhepunkt meiner Karriere", sagt Klitschko, seine größte Kulisse hatte er bisher 2009 mit 60 000 Zuschauern im Schalker Fußballstadion, damals siegte er gegen Ruslan Chagaev. Joshuas Statistik ist erst 18 Kämpfe alt, bei seinem letzten gegen Eric Molina vor fünf Monaten waren es immerhin 21 000 Zuschauer und immer noch ein Bruchteil von dem, was ihn nun erwartet. Durch die Ticketverkäufe in Wembley kommen die Veranstalter wohl auf zehn Millionen Euro.

Dass sich der Kampf ganz ohne Bad-Boy-Gepöbel und Skandale verkaufen ließ, spricht für den sportlichen Stellenwert und die hohe Popularität, die Joshua auf der Insel erreicht hat. Der Sender BBC One widmete ihm jüngst eine einstündige Dokumentation, ein beliebter Sportartikelhersteller sponsert ihn und pflastert die Straßen mit riesigen Plakaten, 13 namenhafte Sponsoren von Uhren- bis zum Autohersteller machen mit seinem Gesicht Werbung. Sein Promoter Eddie Hearn glaubt: "Wenn er gewinnt, wird er der größte Sportstar des Landes." Was nicht so übertrieben daherkommt: 2,2 Millionen Menschen folgen ihm schon vor dem Kampf auf Instagram und 1,5 Millionen auf Facebook.

Klitschko erhält die höchste Gage seiner Karriere

Enorme Einnahmen versprechen sich die Vermarkter von den Fernsehzuschauern: Pay-TV-Sender Sky überträgt den Kampf in Großbritannien, zur Pressekonferenz der Boxer am Donnerstag säumten Hunderte Mitarbeiter die Gänge im Hauptgebäude. Ringsprecher-Legende Michael Buffer gönnte man sich für die Anmoderation, die Boxer liefen mit ihrer Einmarschmusik zum Podium - es sollte nach großem Spektakel aussehen. Über 1,2 Millionen zahlende Kunden erhoffen sich die Vermarkter von dem Kampf, das macht bei dem Paketpreis von 25 Euro stolze Einnahmen von mindestens 30 Millionen. Und das wäre Rekord in der britischen Sportgeschichte: Die höchsten Abrufzahlen (1,2 Millionen) hält bis heute der Kampf zwischen Ricky Hatton und Floyd Mayweather im Jahr 2007.

"Ich freue mich, dass wir beide so viele Menschen weltweit zusammenbringen können, ohne uns verrückt verhalten zu müssen", sagt Joshua und das kleine Wörtchen "weltweit" steht dann auch gleich für ein paar weitere Milliönchen. In den USA wird der Kampf gleich von zwei Sendern übertragen, HBO und Showtime wollen ihn an die Zuschauer bringen. Das Land, in dem der Sport früher mit Kämpfern wie Muhammed Ali, Mike Tyson und Lennox Lewis eine Hochphase erlebte, musste in den vergangenen Jahren eine Krise durchmachen. Mit dem WBC-Weltmeister Deontay Wilder ist das Interesse in den Staaten aber wieder spürbar angestiegen.

Auch amerikanische Sender interessieren sich für den Kampf

"Das ist der bedeutsamste Vergleich im Schwergewicht seit mehr als einer Dekade", ließen die Sender verlauten, positiv auf die Verkaufszahlen dürfte sich auch die Zeitverschiebung auswirken: Wenn in London die Glocke zum ersten Mal schrillt, wird es etwa in New York erst nachmittags sein - da kann man schon mal reinschalten. Die internationalen Rechte - RTL bezahlte wohl etwa 4,7 Millionen Euro - sollen zusammen mit Merchandising und Sponsoring die 50 Millionen voll machen.

Bleibt festzuhalten, dass sich der Kampf freilich auch für die Boxer lohnt: Jeder der beiden soll eine Börse von 20 Millionen Euro bekommen, was auch für Klitschko die höchste Gage seiner Karriere bedeutet. Das soll man aber nicht als seine Motivation verstehen, auch mit 41 Jahren noch in den Ring zu treten gegen einen 14 Jahre jüngeren Konkurrenten. Klitschko sagt: "Geld ist nicht meine wichtigste Motivation." Sein Vermögen sollte ihn über die Dauer seiner Karriere von finanziellen Anreizen befreit haben. Was sich über Anthony Joshua so bestimmt nicht sagen lässt. Die jungen Beine könnte das schon schneller machen.

© sz.de/schma

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