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Boxen:Mit Köpfchen

Charity Fight Night im Stanglwirt

Nur ein Knockout hat ihm gefehlt: Alem Begic.

(Foto: Jens Hartmann/Jens Hartmann)

Der Münchner Profiboxer Alem Begic, 32, besiegt den Amerikaner John Rene und gewinnt seinen ersten großen Titel.

Die erste Runde war vorbei, die zweite, die dritte, die vierte, und weil Alem Begic in all diesen Runden nicht getroffen worden war, ahnte er es langsam: Dieser Abend würde der Abend werden, auf den er so lange hingearbeitet hatte. Der Abend, an dem er sich endlich wie ein richtiger Champion fühlen darf.

Begic, 32, ist Profiboxer, er gehört also einer Branche an, deren Vertreter gewöhnlich mit einem überirdischen Selbstbewusstsein gesegnet sind. Viele Boxer halten sich für Ausnahmeerscheinungen und daher für unzerstörbar. Begic jedoch gehört einer Minderheit unter den Boxern an, zu den Boxern, die nachdenken, die sich hinterfragen, die sich manchmal auch zu sehr hinterfragen. Diese Boxer aber haben einen Vorteil: Sie sind fleißig, sie sind im Ring nicht kopflos, und sie sind bereit dazuzulernen.

Der Dienstagabend war für den Münchner Begic der Abend, an dem er gemerkt hat, wie viel er in seiner Karriere bereits gelernt hat. In Going bei Kitzbühel besiegte er den Amerikaner John Rene nach Punkten, er hält nun den International Light Heavy Weight Title des Verbandes IBO - einen von vielen Titeln im Berufsboxen, aber auch einen, den viele genutzt haben, um sich für größere Kämpfe zu empfehlen. Und Begic glaubt, dass er nach dem Kampf vom Dienstag sich nicht mehr verstecken muss in der internationalen Spitze seiner Gewichtsklasse, dem Halbschwergewicht.

Der Kampf zuvor, im September, war der erste in seiner Karriere, den Begic nicht gewann. Er boxte zu passiv, nicht entschlossen genug, es war ein Unentschieden, aus dem er viel mitgenommen hat. In der Vorbereitung auf seinen Kampf gegen Rene stellte er die Ernährung um, er trainierte mit mehr Sparringspartnern. Und als er dann im Ring stand, war er eines nicht mehr: passiv. "Ich habe von Beginn an das Tempo und den Druck bestimmt", sagt Begic, "ich musste nur aufpassen, dass ich mir keinen Konter fange."

Rene ist der erste Rechtsausleger, gegen den er als Profi geboxt hat, ein robuster, unorthodoxer Gegner, der Begic nur in die Augen schaute. "Ich wusste, dass ich mehr Chancen bekommen werde, je länger der Kampf dauert", sagt Begic, "und ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich meinen Gegner auch nur einmal habe kommen lassen." In den letzten zwei Runden suchte Begic den Knockout, vergeblich.

Aber für einen Boxer, der bereit ist weiter dazuzulernen, kann das auch ein Anreiz sein, weiter an sich zu arbeiten.

© SZ vom 12.12.2019