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Boxen:Meister des Schönen

Fight Night Profi Boxen München Internationale Deutsche Meisterschaft BDB Howe der Löwe Bebrah; Howik Bebraham

„Manchmal wollte ich auch genießen, wie schön meine Schläge landen“: Howik Bebraham.

(Foto: Stefan Bösl/imago)

Bebraham boxt gegen den Russen Papasov um die Chance auf einen WM-Kampf. Der Münchner hat sich so ge­zielt wie nie zuvor vorbereitet.

Die vielleicht größte Schwäche des Boxers Howik Bebraham ist seine Vorliebe für das Schöne. Ein Boxer darf ästhetisch kämpfen, keinem ist das so eindrucksvoll gelungen wie Muhammad Ali, der in seinen besten Jahren ein Tänzer war und kein Kämpfer. Aber auch im Boxen ist das Schöne vergänglich, das hat selbst der große Ali gespürt, als er nicht mehr schnell genug war, als er sich auf Ringschlachten einlassen mussten, am Ende auf ein paar zu viel. Selbst das Schöne funktioniert im Boxen nur, wenn es mit Härte gepaart wird, mit Gnadenlosigkeit.

"Ich bin einer, der schön boxen will. Ich will die Atmosphäre genießen, ich will den Leuten eine gute Unterhaltung liefern, ich will ihnen auch etwas für die Augen bieten", sagt Howik Bebraham, 27, dann spricht er über seine vielleicht größte Schwäche: "Warum sollte ich also einen Kampf schnell beenden müssen?"

Elfmal stand der Leichtgewichtsboxer bisher als Profi im Seilgeviert, zwei Kämpfe hat er vorzeitig gewonnen. Er hätte sich ein paar seiner 76 Runden sparen können, doch er wollte nicht auf den Knockout drängen. "Manchmal wollte ich auch genießen, wie schön meine Schläge landen", sagt Bebraham. Er will kein Prügler sein, er will demonstrieren, dass er jeden Schlag beherrscht, aus jedem Winkel, egal, wie viel Druck der Gegner macht. Er sagt allerdings auch: "Ich weiß, dass ich nicht immer so weitermachen kann."

An diesem Samstag (22 Uhr, Sky Sport News HD) tritt Bebraham in Braunlage gegen den Russen Fedor Papasov an, es geht um den Interkontinentaltitel des Weltverbandes International Boxing Organization (IBO) - und darum, wer den IBO-Weltmeister Emmanuel Tagoe aus Ghana herausfordern darf. Für Bebraham ist es der erste Kampf, in dem er zeigen muss, dass er mehr ist als nur ein Mann der Schönheit.

Seit seinem Profi-Debüt im Herbst 2015 hat der Münchner, der zuvor ein knappes Jahrzehnt lang einer der erfolgreichsten deutschen Amateurboxer war, sich bundesweit in der Branche Respekt erboxt, indem er weitgehend auf das sonst übliche Vorgehen beim Karrierestart verzichtet hat: Er stand nicht anderen Anfängern gegenüber, sondern hauptsächlich erfahrenen Kämpfern. Gegen sie testete er, wie weit er mit seinem Repertoire und seiner Vorliebe für das Schöne kommt. Gegen Papasov und dessen Routine aus 22 Profikämpfen muss er diese Strategie anpassen. "Bisher konnte ich den Augenblick auskosten", sagt Bebraham, "jetzt muss ich zeigen, dass ich auch nachsetzen kann, dass ich auf einen schönen Schlag sofort zwei oder drei weitere Treffer folgen lassen kann."

Mit seinem neuen Trainer, dem Augsburger Alexander Hahn, hat sich Bebraham daher so gezielt wie nie zuvor auf ein Duell vorbereitet, stundenlang haben sie sich Aufzeichnungen von den bisherigen Kämpfen des Russen angeschaut. Papasov schlägt mit beiden Fäusten hart, Bebraham hat daher daran gearbeitet, seine Hände nicht baumeln zu lassen wie er es sonst gerne gemacht hat, "ich muss immer beide Fäuste oben haben, seine Schläge ausbalancieren und dann kontern. Papasov schlägt so hart, weil er mit seinen Attacken in einen hineinstürmt - aber er hat keine Beinarbeit, ist nicht beweglich, und das muss ich bestrafen." Der erste Konterschlag soll Papasov erschüttern, der zweite und der dritte sollen ihm die Energie rauben und auch die Lust auf weitere Attacken. "Bisher habe ich lieber 20 Mal schön getroffen, dadurch konnten sich die Gegner teilweise etwas erholen", sagt Bebraham, "aber Papasov schlägt so hart, wenn er mich einmal schwer trifft, können auch sofort die Lichter aus sein."

Auch sonst hat Bebraham in der Vorbereitung neue Reize gesetzt. Er hat seinen Ernährungsplan konsequenter eingehalten (kaum Kohlenhydrate, viele Steaks, abends lediglich einen Eiweißshake). Er hat in einer Höhenkammer in Schwabing Ausdauerläufe absolviert, eine Stunde lang, zweimal in der Woche. Er war beim Physiotherapeuten, dreimal in der Woche. Nichts hat er unversucht gelassen. Howik Bebraham weiß, dass einer, dessen größte Schwäche die Vorliebe für das Schöne ist, nur an sich selbst scheitern kann.

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