Boxen:Ende Legende

Boxen: Das Auge für den Konter: Yordenis Ugás, links, besiegt Manny Pacquiao in Las Vegas klar nach Punkten.

Das Auge für den Konter: Yordenis Ugás, links, besiegt Manny Pacquiao in Las Vegas klar nach Punkten.

(Foto: John Locher/AP)

Manny Pacquiao, der vielfache Weltmeister in sieben Gewichtsklassen, wollte es in der Nacht auf Sonntag noch einmal wissen - und hat verloren. Wie geht es nun weiter für die Box-Ikone?

Von David Pfeifer

Eine der unverbrüchlichen Wahrheiten der Kampfkünste stammt vom großen Box-Gelehrten Sylvester Stallone: "Du kannst die Zeit nicht besiegen. Die Zeit bleibt ungeschlagen." Stallone hat diese Zeilen in "Rocky Balboa" gesagt, dem sechsten Teil der Saga, in dem der viel zu alte Boxer noch einmal in den Ring steigen möchte. Der 42 Jahre alte, echte Ex-Champion Manny Pacquiao, Weltmeister in sieben Gewichtsklassen, stieg nun Samstagnacht noch einmal durch die Seile in Las Vegas. Er lieferte einen guten Kampf, sah fit und schnell und stark aus, die Kombinationen kamen flüssig, eigentlich wie früher, doch die Zeit konnte auch er nicht besiegen. Sein Gegner, der Exil-Kubaner Yordenis Ugás, WBA-Weltmeister im Weltergewicht, hatte damit allerdings schon auch etwas zu tun.

Manny "Pacman" Pacquiao, als "True Icon of Boxing" im Ring angekündigt, boxte stark, aber nicht mehr so aggressiv wie früher. Und Ugás kontert exzellent. Gleich in den ersten zwei Runden fing er den wie immer vorwärts marschierenden Pacquiao ab, indem er Schläge seinerseits mit Treffern beantwortete. Die Zeit, sie nimmt den Boxern nicht den Mut oder die Kraft, sondern die Geschwindigkeit. Manchmal nur den Bruchteil einer Sekunde, den die Faust zu lange braucht, um wieder zurück in der Deckung zu sein. In diesen Bruchteil kann der Gegner einen Konter platzieren, wenn er das Auge dafür hat. Ugás hat es.

Man musste genau hinsehen, um die Feinheiten zu erfassen, denn beide Kämpfer waren sehr gut. Ugás, auch schon 35, und Pacquiao, stehen seit mehreren Jahrzehnten im Ring und haben ihre Kampfkunst in dieser Zeit so verfeinert, dass es eine Freude ist, ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Sie boxten vielseitig, konzentriert, präzise.

Boxen: Politik ist, auch Niederlagen wie Siege aussehen zu lassen: Manny Pacquiao verlässt am Samstag den Ring - bald könnte er Staatsoberhaupt der Philippinen sein.

Politik ist, auch Niederlagen wie Siege aussehen zu lassen: Manny Pacquiao verlässt am Samstag den Ring - bald könnte er Staatsoberhaupt der Philippinen sein.

(Foto: John Locher/AP)

Ugás wurde in der Mitte des Kampfes ermahnt, nicht tief zu schlagen. In Pacquiaos Ecke erkannte man vermutlich, dass diese tiefe Rechte, die gelegentlich mal auf dem Gürtel landete, geeignet war, dem alten Champion die Luft für die späten Runden aus dem Körper zu hauen. Pacquiao nahm den Ellbogen nun häufiger runter, um die Rippen zu schützen, doch von der sechsten Runde an zeigten sich erste Spuren in seinem Gesicht. Wohingegen Ugás sich in seiner Deckung einigelte, wenn die Attacken von Pacquiao kamen, die gefürchteten Serien, an deren Ende seine Gegner früher häufiger mal die Hallendecke sahen und ausgezählt wurden.

Ob er für das Präsidentenamt kandidieren werde? "Ich weiß es nicht", sagt Pacquiao: "Es ist sehr viel komplizierter als Boxen."

Im letzten Drittel des Kampfes traf Ugás zunehmend ansatzlos, also nicht mehr in eine Aktion Pacquiaos hinein. Pacquiao versuchte weiterhin zu dominieren, doch Ugás traf genauer und holte sich die Runden. Seine Rechte schlug nun auch immer wieder mal am Kopf seines Gegners ein, und in der Rundenpause sah man in einem Schnitt ins Publikum, wie Frau Pacquiao die Augen zusammenkniff. Die letzten, sogenannten Championship-Rounds boxten die beiden dann hart, aber etwas ruhiger zu Ende. Ugás' Augenpartie war nun ebenfalls geschwollen. Er zeigte noch ein paar unnötige Mätzchen, nahm die Hände aber rasch wieder hoch, wenn eine Serie des Pacman kam. Denn gefährlich war Pacquiao natürlich auch noch in der letzten Runde seines mutmaßlich letzten Kampfes.

Ugás siegte klar nach Punkten, und Pacquiao ist zu klug, um sich deswegen zu beschweren. Noch im Ring sagte er, seine Beine seien schwer gewesen, die Kommentatorin fragte, ob das "Vater Zeit" gewesen sei, der ihm da in die Quere gekommen war, "42 Jahre alt und trotzdem noch die volle Distanz gegangen", sagte sie, und das Publikum in der Halle spendete Sonderapplaus.

"Werden sie als Präsident der Philippinen kandidieren?" wurde Pacquiao noch gefragt, wie jeden Tag, seit Monaten. "Ich weiß es nicht, es ist eine sehr viel kompliziertere Arbeit als Boxen", antwortete er. Auch ob dieser sein letzter Auftritt im Ring war, wollte er nicht abschließend beantworten - ein Diplomat hält sich alle Türen offen. Pacquiao will seine Kandidatur erst kommenden Monat verkünden. Für einen Profi-Boxer mag er mittlerweile zu alt sein, für einen Präsidenten wäre er mit 42 Jahren noch sehr jung.

© SZ/sjo/and/jkn
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