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Boxen:Kommt Tyson Fury jemals zurück?

Tyson Fury fällt gerne auf: Auch mit reichlich Speck für einen Profi-Boxer

(Foto: AFP)
  • Tyson Fury sagt seinen Rückkampf gegen Wladimir Klitschko zum zweiten Mal ab, im November 2015 hatte er ihm überraschend alle Titel abgenommen.
  • Er soll psychische Probleme haben, doch es läuft auch ein Dopingverfahren gegen ihn.
  • Wahrscheinlich ist, dass ihm bald die Titel aberkannt werden.

Von Saskia Aleythe

Zurückkommen. Wladimir Klitschko wünscht sich das, seit 303 Tagen schon, vielleicht ein bisschen weniger. Denn diese Niederlage gegen Tyson Fury im November vergangenen Jahres hatte ihn auch ohne K. o. so umgehauen, dass er sich erst einmal sammeln musste. Der Mann mit dem Beinamen "Dr. Steelhammer", bis dahin elf Jahre lang ungeschlagen, verliert alle seine Gürtel an eine britische Couch-Potato? Das saß. Einer wie Klitschko hadert aber nicht lange, am liebsten hätte er schon im Frühjahr seinen Rückkampf bestritten. Doch das Wünschen und das Trainieren ist seit zehn Monaten seine einzige Beschäftigung. Fury ist in Sachen Vereinbarungen sein härtester Gegner.

Der Kampf um den Rückkampf muss Klitschko anstrengender vorkommen als diese zwölf Runden im November vergangenen Jahres. Zum zweiten Mal hat der Brite nun den vereinbarten Termin abgesagt. "Ich bin total enttäuscht", sagt Klitschko ESPN, "ich bin in Topform und wollte mir die Gürtel zurückholen." Immer wieder ins Traingslager gehen, sich motivieren, das zehrt nicht nur an den Kräften, sondern auch an den Nerven.

Ob es jemals zu einem Rückkampf kommt? Das ist ungewiss bis unwahrscheinlich, Fury stehe in "absehbarer Zeit nicht zur Verfügung", heißt es aus dem Lager des Briten. An diesem - noch amtierenden - Schwergewichtsweltmeister gibt es immer mehr Zweifel. Nicht nur wegen seiner gesundheitlichen Verfassung. Er steht zudem unter Dopingverdacht, eine Sperre gegen ihn wurde bis zur Verhandlung Anfang November außer Kraft gesetzt.

"Er ist ein Gentleman"

Tyson Fury hing am Samstagabend in der Manchester Arena ab, er schaute sich den Kampf eines Freundes an. Das war bemerkenswert, nicht nur weil Gewichtsexperten eine Zunahme von 30 Kilogramm im Vergleich zum letzten sportlichen Auftritt des 28-Jährigen ausgemacht haben wollen und das dann doch arg viel ist für jemanden, der angeblich in kaum fünf Wochen wieder in den Ring steigen wollte. Sondern auch, weil sein Onkel und Trainer Peter Fury einen Tag zuvor die Absage des Kampfes mit der Begründung kommentiert hatte: Tyson Fury hätte mentale Probleme und befände sich deshalb in stationärer Behandlung.

Depressive Phasen sind im Leben von Tyson Fury keine Neuheit, er hat selber schon darüber geredet, bevor er im vergangenen Jahr seine Titel gewann. Peter Fury meint, dass eine Hexenjagd auf seinen Neffen betrieben würde, seit er gegen Klitschko gewonnen hat. Nun gehe es ihm so schlecht wie noch nie. "Tyson glaubte, ihm würde die Welt zu Füßen liegen, als er Weltmeister wurde", sagte der Trainer, "doch stattdessen hat ihn die Welt als Fußabtreter benutzt." Immer wieder war Fury danach durch Respektlosigkeiten aufgefallen, nicht nur gegenüber Klitschko. Er beleidigte Homosexuelle, er beleidigte Frauen, doch sein Trainer sagt: "Er ist ein guter Junge, ein Gentleman."

Völlig überraschend hatte Fury im vergangenen Jahr Klitschko alle seine Titel abgeknöpft. Er gewann einstimmig nach Punkten. Klitschko kam mit dem ungewöhnlich großen Gegner nicht zurecht, sein unorthodoxer Boxstil überrumpelte ihn. Diesen Überraschungsbonus hätte Fury in einem Rückkampf nicht mehr.

Darf man nun daran zweifeln, dass es tatsächlich eine psychische Krankheit ist, die ihn am Rückkampf hindert? Schon bei seiner letzten Absage hatte sich ja im Nachhinein alles etwas anders dargestellt. Er habe Knöchelprobleme, ließ man damals verlauten und strich den 9. Juli als vereinbarten Termin wieder aus dem Kalender. Anfang August meldete die britische Anti-Doping-Agentur (Ukad), dass Fury wegen einer verbotenen Substanz vorläufig gesperrt sei. Und zwar schon seit dem 24. Juni 2016: Dem Tag seiner Kampfabsage.

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