Christina Hammer Die Frau, die das Boxen verändern will

18 Kämpfe, 18 Siege - aber zuletzt stand sie ein Jahr lang nicht mehr im Ring: Christina Hammer (links) will nun ihre Karriere beschleunigen.

(Foto: imago/Christian Schroedter)

Christina Hammer glaubt, dass das Frauenboxen erst durch sie in der Mitte der Gesellschaft ankommen könnte - weil ihr Auftritt ästhetischer als der ihrer Vorgängerinnen sei.

Von Benedikt Warmbrunn

Die Geschichte, wie aus einem verzweifelten Talent wieder eine selbstbewusste Kämpferin wurde, beginnt knapp über der Gürtellinie. Der Bauch ist eine der empfindlichsten Körperregionen im Boxen, ein Schlag auf die Leber, schon ist der Atem weg, und mit dem Atem die Kraft des ganzen Körpers, und mit der Kraft das Ego. In diesem Sport, in dem die kleinste Schwäche den Atem rauben kann, ist der Bauch aber auch eine Körperregion zum Einschüchtern. Wenn sich bei jedem Atemzug die Muskeln zusammenziehen, wenn der Gegner sieht, dass der Schlag abprallt und die Luft geht weiter rein und raus.

Es war also ein Zeichen an alle Konkurrentinnen dieser Welt, als Christina Hammer im Frühjahr in den sozialen Netzwerken schrieb: "Damn I got my abs back!", und dazu stellte sie ein Foto, auf dem jeder einzelne verdammte, zurückgekehrte Bauchmuskel zu sehen war.

Die Geschichte der wiedererstarkten Profiboxerin Christina Hammer, 25, beginnt also mit ihrem Bauch. Sie setzt sich fort in Unterschleißheim, wo sie an diesem Freitag erstmals seit 14 Monaten wieder kämpfen wird, erstmals für ihren neuen Promoter, den Münchner Alexander Petkovic und dessen Partnerin Nadine Rasche. Enden soll diese Geschichte in dem Land, in dem das Boxen sich ständig präsentiert wie ein dauerangespannter Waschbrettbauch. Enden soll sie in den USA.

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"Ich möchte das Frauenboxen verändern, ich möchte es in die Mitte der Gesellschaft führen", sagt Hammer. Harald Pia, ihr Manager, sagt: "Jede Trendsportart braucht ihre Galionsfigur."

"Wenn kleine Mädchen boxen, dann sieht das immer blöd aus"

Hammer und Pia glauben, dass sie am Anfang einer Bewegung stehen, am Anfang der Begeisterung von Frauen fürs Fitnessboxen. Sie denken an Michelle Obama, die First Lady der USA, die regelmäßig am Sandsack trainiert. Sie denken an die Models von Victoria's Secret, die mit Boxhandschuhen über den Laufsteg stolziert sind. Sie denken aber nicht an bekannte deutsche Boxerinnen wie Regina Halmich, Ina Menzer oder Susi Kentikian.

Die drei haben Weltmeistertitel gewonnen, sie waren im Fernsehen zu sehen, aber das zählt für Hammer nicht. Für sie zählt, dass keine von ihnen größer als 1,68 Meter ist. "Und wenn kleine Mädchen boxen", sagt die Mittelgewichtlerin, selbst 1,80 Meter groß, "dann sieht das immer blöd aus." Wenn sie aber im Ring stehe, findet sie, sei das ästhetischer, nicht nur ein schnelles Getrommel, sondern fließende, wuchtige Schläge.

Hammer weiß, dass sie mit dieser Einstellung provoziert, dass sie vielleicht manche verschreckt. Aber sie weiß, wo ihre Geschichte enden soll, und sie will keinen Umweg gehen. "Auch ich habe nicht ewig Zeit."