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Boxen: Ali gegen Frazier:Vier Fäuste in der Nacht

Vor vierzig Jahren machten Joe Frazier und Muhammad Ali einen New Yorker Boxring zum Mittelpunkt der Welt. Boxen wurde plötzlich Pop - und Ali ging zum ersten Mal in seiner Karriere zu Boden.

Bertram Job

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Quelle: AP

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Vor vierzig Jahren machten Joe Frazier und Muhammad Ali einen New Yorker Boxring zum Mittelpunkt der Welt. Boxen wurde plötzlich Pop - und Ali ging zum ersten Mal in seiner Karriere zu Boden.

Text: Bertram Job

Von der Kleinstadt Canastota hoch oben im US-Bundesstaat New York würde niemand sprechen, wäre hier nicht der Sitz der International Boxing Hall of Fame. Für ein paar Dollar kann man in dem liebevoll betriebenen Museum durch das Weltgedächtnis des Showsports flanieren, es gibt alte Fotos und Plakate zu bestaunen, Handschuhe mit und ohne Kampfspuren. Und den ausgedienten Ring, der von 1925 bis 2007 in New York Citys Madison Square Garden aufgebaut wurde, wann immer da ein Boxabend stieg. In diesen Tagen ist der Eintritt sogar frei in Canastota. Auf diese Weise soll an das bemerkenswerteste Duell erinnert werden, das je in dem Seilgeviert stattfand.

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Vor vierzig Jahren, am 8. März 1971, schaute die ganze Welt auf den grell erleuchteten Ring. Darin standen Joe Frazier, der Champion im Schwergewicht, in smaragdgrün bis goldgelb glänzenden Shorts, sowie sein Herausforderer Muhammad Ali in einer purpurroten Samthose mit weißen Streifen. Und der Unparteiische Arthur Mercante Sr., der zwischen den farbigen Kontrahenten so unscheinbar wirkte wie ein Kellner.

Frazier

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"Kampf des Jahrhunderts" - das ist inzwischen eine abgewetzte Etikette geworden, mit der zwischen Las Vegas und Wuppertal jeder dritte Boxabend zum sensationellen TV-Ereignis hochgejazzt wird. An jenem 8. März aber hätten die Veranstalter dieses Label nicht mal gebraucht. Wer immer sich nur einen Deut für die Spektakel der Preisboxer begeisterte, wusste um die außerordentliche Brisanz dieser Nacht. Der Vergleich führte zum ersten von insgesamt drei Malen die zwei dominanten Schwergewichte dieser Zeit zusammen. Zwei vormalige Olympiasieger, zwei unbesiegte Profis, zwei Schwarze - und doch in ihrem Auftreten so unterschiedlich wie es nur ging.

Ali

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Muhammad Ali (31 Siege) war mit seinem Sieg über Sonny Liston 1964 zunächst einhelliger Champion geworden; sein flexibler Stil und sein Charisma hatten das weltweite Interesse am Boxsport belebt. Seine Weigerung, den Wehrdienst abzuleisten, führte 1967 jedoch zu einer dreieinhalbjährigen Zwangspause. Der konvertierte Muslim, der den Sinn des Vietnam-Kriegs in Frage stellte, hatte danach zwei Aufbaukämpfe gewonnen - achtbare Widersacher, keine absoluten Größen. Skeptiker zweifelten, ob der selbst ernannte Greatest of 'em all den Rost der Inaktivität ganz abgeschüttelt hatte.

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Joe Frazier (26 Siege) wirkte seinerseits kaum aufzuhalten. Der bullige Profi aus Philadelphia hatte sich in Alis Abwesenheit als unbestrittener Silberrücken im Schwergewicht etabliert. Sein Abbruchsieg über Jimmy Ellis hatte 1970 die Titel der Verbände WBC und WBA wiedervereinigt. Doch Smokin' Joe spürte, dass er erst mit einem Triumph über den Rückkehrer Ali zum volkstümlichen Champion avancieren würde. Frazier brauchte Ali so wie Ali Frazier brauchte: Das war das ideale dramatische Szenario für eine historische Begegnung, die schon vorab alle möglichen Bestmarken sprengte.

Fallen Butterfly

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760 Pressevertreter wurden akkreditiert, TV-Sender aus der halben Welt und Tausende US-Kinos waren in einer Live-Übertragung zugeschaltet. Beide Boxer erhielten Rekordbörsen von je 2,5 Millionen US-Dollar. In dieser Nacht, als der Globus um vier Fäuste rotierte, wurde Boxen plötzlich Pop. "Nie zuvor hatten so viele Menschen auf ein einzelnes Ereignis gewartet", sollte Ali-Biograf Thomas Hauser später verzeihlich übertreiben. Dabei ballte sich Prominenz in bedrohlicher Dichte am Ring. Frank Sinatra schoss Fotos für den Bericht in Time Life den Norman Mailer schreiben würde. Die Sängerin Diana Ross und der Schauspieler Dustin Hoffman versuchten vergeblich, sich in die Pressereihen zu quetschen.

Joe Frazer, Muhammad Ali

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Und anders als heute hielt dieser Kampf dem enormen Hype stand - auch wenn er für die meisten nicht wie erhofft ausging. Ali war auch diesmal flink auf den Beinen und deckte den Titelverteidiger mit schnellen Führhänden und Kombinationen ein. Doch er musste deutlich mehr einstecken als je zuvor. Weil der hin- und herpendelnde Frazier (links im Bild) sich in ihn hineinwühlte, als gelte es, einen Tunnel voranzutreiben, und weil er immer wieder mit seinem zerstörerischen linken Haken durchkam. "Ich wollte diesen Job erledigen", sagte Frazier später, "und nichts hätte mich davon abhalten können."

Ali Frazier

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Einer dieser Haken schüttelte Ali in Runde elf so heftig durch, dass der sich nur mühsam in die Pause retten konnte.

ALI FRAZIER

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Als es in Runde 15 erneut an seinem Kinn einschlug, stürzte der Herausforderer zum ersten Mal in seiner Profikarriere zu Boden und musste sich anzählen lassen. Spätestens da war das hochklassige Duell entschieden.

FRAZIER DURHAM

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Die drei Punktrichter gaben am Ende acht, neun bzw. elf Runden an Frazier, der sich damit auch für die verbalen Herabsetzungen durch seinen Gegner revanchieren konnte. Und der diese Animosität bis heute so gründlich pflegt wie einen alten Cadillac, der mit jedem Jahr in der Garage wertvoller wird. Dabei haben die beiden Boxer, die inzwischen 69 (Ali) und 67 (Frazier) Jahre alt sind, bestens aneinander verdient. Bis 1975 sollten sie sich noch zwei Mal gegenseitig ausbeulen, beide Male siegte Ali.

© SZ vom 08.03.2011/sueddeutsche.de/jüst
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