Borussia siegt 2:1:Tumult am Tor

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Bor. Mönchengladbach - Hertha BSC

Gewinnen allein reicht nicht: Gladbachs Spieler (u.a. Torwart Sommer und Kapitän Lars Stindl) diskutierten nach dem Schlusspfiff mit Fans.

(Foto: Ina Fassbender/dpa)

Trotz des Erfolgs dank eines Gladbacher Ibrahimovic-Doubles herrscht am Niederrhein gedrückte Stimmung. Nach vier sieglosen Spielen und 70 schwachen Minuten pfeifen die Fans ihr Team aus, was zu einem nachhaltigen Disput führt.

Am Ende dieses ereignisreichen Samstagnachmittags in Mönchengladbach war Dieter Hecking äußerst genervt. Der Trainer der Borussia schimpfte in den Katakomben auf die Anhänger: "Wenn einige wenige Fans meinen, nach dem Spiel unseren Torwart anzugehen, finde ich das sehr, sehr bedenklich. Das hat bei uns im Borussia-Stadion nichts zu suchen", sagte Hecking. Keeper Yann Sommer hatte sich die Häme von der Tribüne zuvor nicht gefallen lassen und den Tumult ausgelöst. Christoph Kramer, Matthias Ginter und Lars Stindl versuchten zu schlichten, doch die aufgebrachte Menge ließ sich nicht mehr beruhigen.

Die schwachen Leistungen der Rückrunde - und dazu zählten auch die ersten 70 Minuten gegen Berlin - haben am Niederrhein ihre Spuren hinterlassen. Nach vier sieglosen Spielen in Folge wusste Hecking genau, "was hier los gewesen wäre", wenn der eingewechselte Thorgan Hazard die Partie mit seinem Doppelpack (75./79., Foulelfmeter) nicht gedreht hätte. "Langsam und behäbig" sei das Spiel seiner Elf gewesen, wie so häufig in den letzten Wochen. "Dass Leichtigkeit und Selbstverständnis fehlen, wissen wir auch so. Dafür brauchen wir keinen Pfiff", sagte Hecking verstimmt.

Kramer: "Momentan sind alle Fans Anti-Videobeweis, Anti 50+1"

Die Fans hatten ihrem Unmut bereits zur Pause Luft verschafft. Nach dem elften Saisontreffer des Berliners Salomon Kalou (40.) drohten die Europapokalträume der Gladbacher endgültig zu platzen. Umso enttäuschter war Herthas Nationalspieler Marvin Plattenhardt über den Ausgang der Partie: "Über weite Strecken hatten wir alles im Griff. So dass wir in der zweiten Hälfte mit 2:0 oder sogar 3:0 in Führung gehen müssen." Auch Herthas Coach Pal Dardei befand: "Hier war mehr drin. Aber etwas schön zu reden bringt nichts." Stattdessen ließen die Gäste gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit vier gute Chancen liegen und ermöglichten der Borussia damit das Comeback.

"Es war ein Sieg des Willens, darüber freuen wir uns riesig", sagte Stindl und schickte eine Botschaft an die verärgerten Fans: "Für die Art und Weise brauchen wir uns nicht zu entschuldigen." Christoph Kramer versuchte dagegen, Verständnis für die aufgebrachten Anhänger aufzubringen. "Momentan sind alle Fans Anti-Videobeweis, Anti-50+1, da sind viele Aggressionen und viele Pfiffe drin, davon darf man sich nicht beeinflussen lassen", sagte er: "Der Fan hinter dem Tor trinkt auch ganz gerne mal ein Bierchen und dann ist es schwer, in fünf Minuten nach dem Spiel eine vernünftige Lösung zu finden."

Die fand nur Matchwinner Hazard, der sich aus den Diskussionen heraushielt und seinen Doppelpack lieber mit seinen beiden Töchterchen feierte. Dass er zunächst zum ersten mal diese Saison nur Ersatz war, hatte der Belgier da längst abgehakt. "Zlatan (Ibrahimovic, d.Red.) kam in Los Angeles auch von der Bank und hat zweimal getroffen", sagte Hazard: "Ich sage nicht, dass ich Zlatan bin, aber es ist ein ähnliches Szenario." Immerhin einer war an diesem Nachmittag im Borussia-Park guter Laune.

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