bedeckt München
vgwortpixel

Borussia Mönchengladbach:Siegen und mahnen

Nach Spielende: Trainer Coach Marco Rose Borussia Mönchengladbach im Gespräch Diskussion mit Alassane Plea Borussia Mönc

Kuschelalarm: Gladbachs Trainer Marco Rose und Torschütze Plea (l.) sowie dessen Mitspieler Marcus Thuram.

(Foto: Michael Weber/imago images)

Dank starker Zugänge, zu denen auch ein Vermittler der Denkweise des Trainers Marco Rose gehört, baut Gladbach seine Auswärtsserie aus.

Wer die Liste mit den bisherigen Mönchengladbacher Auswärts-Auftritten dieser Saison durchblättert, der kann nicht gerade die ganz großen Gegner identifizieren. Sandhausen im DFB-Pokal, das war die erste Reise-Station, in der Liga standen danach Mainz, Köln und an diesem Wochenende die TSG Hoffenheim an. Aber große Gegner hin, große Gegner her, die Bilanz dieser Spiele kann sich doch sehen lassen: Alle bisherigen Auswärtsspiele gewannen die Borussen, und so ist dieser beste Auswärts-Start in der Liga seit 38 Jahren der maßgebliche Grund dafür, dass die Mannschaft mit 13 Punkten in der Spitzengruppe der Liga rangiert. "Eine logische Erklärung" habe er für den Kontrast zwischen Heim- und Auswärtsauftritten nicht, sagte Trainer Marco Rose nach dem 3:0 in Sinsheim: "Aber natürlich freut mich so eine Serie auch."

Verteidiger Lainer ist eine Art Vermittler von Roses Denkweise

Rose gab sich zufrieden. Bei aller Kritik, die er sonst immer übe, sei nun der richtige Moment, um seine Spieler zu loben. "Wir sind ohne Gegentor geblieben, haben drei Tore geschossen und unsere Punktebilanz verbessert. Heute bin ich sehr glücklich", sagte er. Aber er ergänzte das dann um die Bemerkung, dass es noch Dinge gebe, die er "sachlich aufarbeiten" wolle: "Der mahnende Zeigefinger des Trainers muss sein. Wir müssen dran bleiben, wir müssen hungrig bleiben."

Der mahnende Aspekt kam nicht von ungefähr. Es war ja lange ein ausgeglichenes Spiel gewesen. Zwei Minuten vor dem Pausenpfiff erzielte Alassane Plea nach raffinierter Vorarbeit von Stefan Lainer und Marcus Thuram die Führung. Nach Thurams schöner Einzelleistung, der einen Fehler von Robert Skov nutzte, war die Partie quasi entschieden (65.). Und neben dem 3:0 durch Florian Neuhaus (83.) hätten die Gladbacher noch genug Möglichkeiten gehabt, den zwar bemühten, aber zu harmlosen Gastgebern eine noch herbere Schlappe beizubringen. Mit nur fünf Zählern aus sechs Spielen hängt die TSG nun im Tabellenkeller fest, und am nächsten Spieltag steht das Auswärtsspiel beim FC Bayern an. Der Umbruch im Sommer nach dem Trainerwechsel von Julian Nagelsmann zum Niederländer Alfred Schreuder erweist sich als schwieriger als gedacht.

In Gladbach hingegen läuft es nach dem Trainerwechsel - Marco Rose kam aus Salzburg für Dieter Hecking - deutlich besser. Der 43-Jährige, an dem auch die Hoffenheimer interessiert waren, steht für einen aggressiven Offensivfußball, dessen Implementierung allerdings noch nicht so fortgeschritten ist, wie sich der Trainer das wünscht. Das zeigte unter anderem die 0:4-Heimpleite zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase gegen den Wolfsberger AC, aber für 13 Punkte reichte es in sechs Bundesliga-Spielen trotzdem. "Es ist schön, wenn man Spiele gewinnt und immer noch Potenzial hat, um besser zu werden", sagte Manager Max Eberl.

Der Umbruch in Gladbach funktioniert womöglich auch deshalb besser als in Hoffenheim, weil die Zugänge beginnen, das Niveau zu heben - und im Sommer nur eine Stammkraft (Thorgan Hazard) den Klub verließ. Gegen Hoffenheim gehörten Rechtsverteidiger Lainer und Stürmer Thuram zu den besten Akteuren der Gäste. Manager Eberl wollte zwar keinen Spieler herausheben, aber die besondere Rolle Lainers, der im Sommer mit Trainer Rose aus Salzburg kam, stellte er dann doch heraus. "Stefan weiß natürlich am besten, was Marco will", sagte Eberl. Der abgeklärt und spielstark auftretende Lainer, 26, wirkt durch die längere Zusammenarbeit mit dem Trainer auch als eine Art Vermittler von Roses Denkweise in der Kabine.

Der neue Mittelstürmer Breel Embolo, 22, wiederum suchte in der ersten Halbzeit noch zu oft die richtigen Laufwege - in der Offensive wie in der Defensive. Nach der Pause agierte der aus Schalke gekommene Schweizer aber deutlich verbessert, hatte im Abschluss allerdings Pech. Und immer besser in Fahrt kommt Thuram, der sich als wuchtiger Vollstrecker und technisch begabter Vorbereiter erwies. Der Franzose, 21 Jahre jung und vom Erstliga-Absteiger Guingamp verpflichtet, hat nun schon seinen dritten Treffer in der Liga erzielt.

Die prominentesten drei Zugänge der Borussia zeigten in den wenigen Wochen schon, was sie draufhaben. Und bei allen hat man das Gefühl, dass sie es noch besser können.