Borussia Mönchengladbach:Launische Hochbegabte

SC Freiburg - Borussia Mönchengladbach

Gladbachs Marcus Thuram am Boden, der SC Freiburg dagegen obenauf nach dem Freitagsspiel.

(Foto: Ronald Wittek/dpa)

Zwei Platzverweise, kein Punkt: Gladbachs trüber Abend in Freiburg zeigt, wo das Hauptproblem liegt: Es fehlt an der Konstanz.

Von Christoph Ruf, Freiburg

Es war ein turbulentes Spiel, allein schon wegen der beiden Platzverweise gegen Mönchengladbach, die auch noch voneinander abhingen: Nach einer Stunde flog beim bitteren 0:1 in Freiburg Stürmer Alassane Pléa mit Gelb-Rot vom Platz. Anschließend sah Sportdirektor Max Eberl für einen Wutausbruch gegenüber dem Vierten Offiziellen glatt Rot - als erster Funktionär der Bundesliga seit Einführung der erweiterten Kartenregel. Die Worte "Du redest nur Scheiße hier!" sollen gefallen sein. Und die Behauptung, die Bestrafung Pléas, der nun im Topspiel gegen den FC Bayern fehlt, sei ein "Witz" gewesen. Dieser Meinung schloss sich Trainer Marco Rose an ("ein Witz in der Summe").

Pléa hatte in der ersten Halbzeit Gelb gesehen, weil er den Ball weggeschlagen hatte, später trat er Robin Koch eher tapsig auf den Fuß. Es war also eine harte Entscheidung, die Gladbach da traf. Den Lerneffekt für den zornigen Eberl gab es obendrauf, auch wenn der Borussia-Manager gewiss nicht zu den Ungehobelten der Branche gehört. Viel ärgerlicher als all das war aus Borussen-Sicht aber etwas anderes: Dieses Spiel hätte Gladbach, das zuletzt 2002 auswärts in Freiburg siegen konnte, nie verlieren dürfen.

Das 0:1 schmerzt mehr als Max Eberls historische rote Karte

Selten hat eine Gastmannschaft an der Schwarzwaldstraße solch einen starken Eindruck hinterlassen wie die Borussia im ersten Durchgang - ohne ein einziges Tor zu schießen. Immer wieder kamen Freiburgs Verteidiger gegen die ballsicheren Gegenspieler zu spät und kassierten gelbe Karten. Zum Teil lag dabei keine böse Absicht vor, sie waren einfach nur zu langsam. Es war also fast ein ungleiches Duell, das in der ersten Halbzeit aufgeführt wurde - mit vielen Chancen. Doch weder Pléa (17.), noch Florian Neuhaus (11./37.) trafen.

Warum es Gladbach nicht schaffte, aus der Überlegenheit mehr als nichts zu machen, blieb so rätselhaft wie die Frage, warum im zweiten Durchgang nichts mehr folgte. Das wohl größte Dilemma der Gladbacher Hochbegabten ist die fehlende Konstanz. Seit dem Neustart gelangen zwei klare Siege, die durch das Remis in Bremen (0:0) und die Heimpleite gegen Leverkusen (1:3) relativiert wurden. Auch in Freiburg geriet man in Rückstand, als der gerade eingewechselte Nils Petersen - der beste Tor-Joker der Ligageschichte - einen Freistoß von Grifo einköpfelte (59.). Dass Freiburg sehr viel Akribie für gute Standards verwendet, ist nichts Neues: "Wir hatten das so geplant", berichtete Petersen, "wir stellen ein paar Spieler ins Abseits, die hoffen, dass die Abseitslinie verschoben wird" - Gladbachs Defensive war so frei.

So gingen wertvolle Punkte im Ringen um die Champions League verloren: "Natürlich ist es jetzt im Endspurt, wenn man bestimmte Ziele verfolgt, und durch das Zustandekommen der Niederlage noch ärgerlicher", lautete das Fazit von Trainer Rose. Besser gelaunt war sein SC-Kollege Christian Streich: "Ich bin sehr glücklich, dass wir gegen einen so starken Gegner nicht unverdient gewonnen haben", sagte er. Und mit nun 41 Punkten wagte der immerzu vorsichtige Streich sogar die Prognose: "Jetzt steigen wir nicht ab."

© SZ vom 08.06.2020
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