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Breel Embolo:Flucht über das Dach

Breel Embolo: Polizeibeamte haben ihn fliehen sehen

(Foto: AFP)

Puzzleteil einer wilden Nacht: Wer sagt die Wahrheit über das Treiben des womöglich unverantwortlich lebenslustigen Breel Embolo? Trainer Marco Rose stinkt die Diskussion.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Verglichen mit den Unwägbarkeiten des Lebens bietet der Fußball geradezu eine tröstliche Ordnung. Zum Beispiel glaubwürdige Zahlen wie diese: Borussia Mönchengladbach hat sein finales Spiel der Bundesliga-Hinrunde mit 1:0 gegen Werder Bremen gewonnen und besitzt jetzt 28 Punkte. Das sind zwei weniger als jene 30, die sich der Trainer Marco Rose vor der Saison für die ersten 17 Spieltage zum Ziel gesetzt hatte. Soweit alles Fakt!

Was eher nicht Fakt ist, sind weiterhin die Erkenntnisse über die wilde Nacht von Samstag auf Sonntag, in der Gladbachs Stürmer Breel Embolo am Baldeneysee in Essen als Teilnehmer oder auch nur am Rande einer unzulässigen Party von der Polizei identifiziert worden ist. Polizei- und Medienberichte suggerieren, dass der 23-Jährige einer von acht Männern war, die sich in einem Restaurant früh um halb drei mit 15 Frauen umtrieben und dass er dann übers Dach wohl Reißaus nehmen wollte vor den plötzlich anrückenden Ordnungshütern. "Das ist doch alles nur Hörensagen", verurteilt der Trainer Rose noch am Dienstagabend die skurril klingende Vermengung von Fakten und Gerüchten, doch die Essener Polizei hat diese Darstellung am Mittwoch bestätigt. Embolo hatte seinem Klub gegenüber behauptet, er habe an keiner Party teilgenommen, sondern in der anliegenden Wohnung eines Freundes Basketball geschaut, als plötzlich die Polizei auftauchte. In diese Wohnung aber haben ihn die Beamten übers Dach selbst fliehen sehen. Jetzt wird es nachträglich noch einmal eng für den Fußballer.

Am Freitag gegen Dortmund soll Embolo zum Kader gehören

Die juristischen Details müssen Embolos Anwälte klären, denn dem Fußballprofi droht womöglich eine Anzeige wegen Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung. Vereinsintern wird außerdem zu klären sein, ob Embolo seinen Vorgesetzten die Wahrheit erzählt oder eine Lüge aufgetischt hat. Ein langwieriges moralisches Verfahren würde sich Rose als fußballerisch verantwortlicher Cheftrainer für den Moment gerne ersparen, weshalb er bereits beschlossen hat, dass Embolo am Freitagabend beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund "wieder dabei sein" wird. Das heißt, dass er zum Kader gehören soll.

Zuvor könnte Embolo, der am Mittwoch bereits wieder mit der Mannschaft trainiert hat, aber noch ein mannschaftsinterner Prozess gemacht werden. "Wir werden hart mit ihm ins Gericht gehen", kündigte der Torwart Yann Sommer an, einer der älteren und allgemein respektierten Spieler, der wie Embolo Schweizer ist. "Breel hat sich da einen großen Fauxpas erlaubt, er weiß aber selbst, dass das einfach nicht geht." Man werde den Kollegen dann jedoch auch bestärken und unterstützen, sagt Sommer, "denn Breel ist eigentlich ein super Typ".

Der Trainer ist genervt von den Entgleisungen dringend benötigter Stürmer

Super Typen benötigen die Gladbacher sowohl für den sportlichen Erfolg als auch fürs Image, denn so eine Fußball-GmbH lebt von beidem. Wenn der Trainer Rose sagt, dass man die Hinrunde unter Berücksichtigung der in hoher Frequenz bestrittenen Spiele und bezüglich der Erfolge in der Champions League und des DFB-Pokals (jeweils Einzug ins Achtelfinale) "sehr ordentlich hinbekommen" habe, dann meint er damit auch, dass die Borussia Werbung für sich hat machen können. Auch mit den 28 Punkten in der Bundesliga ist er nicht komplett unzufrieden, weil der Kontakt zu den Champions-League-Plätzen zumindest gewahrt bleibt.

Was Rose hingegen wurmt, das sind die unnötigen Entgleisungen dringend benötigter Stürmer wie Marcus Thuram (nach Spuckattacke im Spiel gegen Hoffenheim bis zuletzt gesperrt) und Embolo (gegen Bremen nicht im Kader wegen besagten Verstoßes gegen die Coronaregeln) und die damit einhergehenden Kollateralschäden in der öffentlichen Wahrnehmung. Dass sich zwei relevante Stürmer durch Dummheiten selbst außer Betrieb setzen und der Mannschaft in einer wegweisenden Saisonphase fehlen, ist die eine Seite. "Es ärgert mich aber auch deshalb, weil wir ein gutes Bild abgeben wollen", sagt Rose. Auch ihn selbst könnten die Ereignisse belasten, wenn nämlich der Eindruck entsteht, er habe seine Spieler nicht im Griff.

Da markiert das offizielle Rückrunden-Eröffnungsspiel gegen Borussia Dortmund am Freitagabend (20.30 Uhr, ZDF) vor einem Millionenpublikum eine gewichtige Chance zur Rehabilitierung, denn sowohl Thuram nach Ende seiner Sperre als auch Embolo im Falle negativer Coronatests könnte dann wieder mitspielen. Für die Borussia ergibt sich zudem die tabellarische Gelegenheit, mit einem Sieg an Dortmund vorbeizuziehen.

In diesem turbulenten Januar, in dem der integrativ wertvolle Sportdirektor Max Eberl ausgerechnet eine selbstgewählte Auszeit im Gebirge verbringt, haben die Gladbacher aus vier Bundesligaspielen immerhin zehn Punkte geholt und sich damit alle Optionen für die Rückrunde gewahrt. Mit einem 1:0 gegen Leipzig und einem 3:2 gegen Bayern München haben sie in der Hinrunde über spektakuläre Auftritte in der Champions League hinaus zudem bewiesen, dass sie gegen Topteams eher zu Spitzenleistungen neigen. Das wäre diesmal noch dringlicher als sonst.

© SZ/pps/ska
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