BundesligaGladbach rettet die Desaster-Saison

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Das Tor zum Klassenerhalt: Haris Tabakovic (links) jubelt nach seinem Siegtreffer gegen Dortmund.
Das Tor zum Klassenerhalt: Haris Tabakovic (links) jubelt nach seinem Siegtreffer gegen Dortmund. Lars Baron/Getty Images
  • Borussia Mönchengladbach rettet sich mit einem 1:0-Sieg gegen Dortmund am Sonntag vor dem Abstieg aus der Bundesliga.
  • Die Saison war ein Desaster mit Trainerwechsel nach drei Spielen, Sportchef-Entlassung nach fünf Spielen und zeitweise letztem Tabellenplatz.
  • Sportchef Rouven Schröder muss nun Personalkosten senken und das Businessmodell mit Potenzialspielern wieder etablieren.
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Bei Borussia Mönchengladbach lief in dieser Spielzeit vieles schief. Nun ist immerhin der Klassenerhalt geschafft – doch vor dem neuen Sportchef liegt eine Mammutaufgabe.

Von Ulrich Hartmann

Die Saison von Borussia Mönchengladbach hatte mit Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag des Vereins begonnen. Die Saison hätte dieses Jubiläums würdig werden sollen, doch sie wurde ein Desaster. Nach drei Spielen feuerte der Traditionsverein Trainer Gerardo Seoane; nach fünf Spielen trennte er sich vom Sportchef Roland Virkus; am achten Spieltag war Gladbach Tabellenletzter. Der beste (Tim Kleindienst) und der drittbeste Torjäger (Robin Hack) der vergangenen Saison verpassten die Spielzeit wegen Knieverletzungen, und den zweitbesten Torjäger (Alassane Pléa) der vergangenen Saison verkaufte man im Sommer nach Eindhoven. So kam es, dass in der aktuellen Spielzeit bislang nur zwei Klubs weniger Tore geschossen haben als die Gladbacher.

Am Sonntag haben sie die Saison mit einem 1:0-Sieg gegen Borussia Dortmund gerettet. Den umjubelten Treffer erzielte Haris Tabakovic in der 88. Minute. Dadurch haben die Gladbacher den Klassenerhalt auch rechnerisch geschafft. Vor dem Spiel hatten die Fans eine Choreografie aufgeführt, in der sie seltsamerweise daran erinnerten, dass die Stadt einst von Mönchen gegründet wurde. Wie auch immer: Vom Einfluss klösterlicher Werte (Bescheidenheit, Entschleunigung, Gebet) zeugte dieses Jahr auch Borussias Fußball.

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Der neue Trainer Eugen Polanski, 40, hat eine Vergangenheit als Gladbacher Spieler und wurde im September als Coach aus der U23 in die Profimannschaft befördert. Doch nachhaltig verbessern konnte er die Mannschaft nicht. Allenfalls stabilisieren. Von bislang 29 Ligaspielen gewann Gladbach unter ihm acht, remisierte zehn und verlor elf. Im Ligavergleich ist die Borussia bei Ballbesitz (47 Prozent), Passquote (83 Prozent) und Zweikämpfen zwar im soliden Mittelfeld, doch weist sie zwei Spieltage vor Saisonschluss die drittwenigsten Torschüsse und die drittschlechteste Laufleistung auf.

Das Gladbacher Businessmodell: Potenzialspieler finden und mit ihnen Mehrwert schaffen

Vor dem Spiel am Sonntag war der neue Sportchef Rouven Schröder, seit Oktober im Amt, beim Sender Dazn gefragt worden, ob Trainer Polanski in den finalen Saisonspielen wohl noch einmal explizit für sich werben müsse, und Schröder antwortete: „Wir wollen besser Fußball spielen, und wir möchten eine Entwicklung einleiten; nach der Saison setzen wir uns zusammen und werden sehen, wie die Dinge weiterlaufen.“

Ein relevanter Faktor für die Gladbacher Zukunft ist die Absenkung jener Personalkosten, die vor fünf Jahren durch den vorübergehenden Einzug in die Champions League ein wenig ausgeufert waren. Zudem würde sich der Klub gern wieder auf die zuletzt verloren gegangene Transferphilosophie zurückbesinnen, bei der talentierte Spieler geholt, entwickelt und irgendwann mit Gewinn weiterverkauft werden. Geschäftsführer Stefan Stegemann sagt: „Unser Businessmodell muss sein, Potenzialspieler zu finden und mit ihnen Mehrwert zu schaffen.“

Die erfolgreiche Umsetzung dieses Businessmodells bei gleichzeitiger Absicherung der Bundesliga-Zugehörigkeit und sukzessiver Orientierung in höhere Tabellenregionen obliegt Sportchef Schröder. Eine Mammutaufgabe, zu der der 50-Jährige vermutlich die Geduld und die mentale Kraft eines Mönchs benötigt.

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