Borussia gewinnt 2:0:Genervte Sieger

Borussia Mönchengladbach FC Augsburg 20 01 2018 Thorgan Hazard BMG jubelt nach seinem Tor zum

Höre ich da doch noch Jubel? Thorgan Hazard nach seinem Tor zum 2:0-Endstand. Das erste Gladbacher Tor hatte er per Eckball vorbereitet.

(Foto: imago)

Nach dem Erfolg gegen den FC Augsburg rückt Mönchengladbach auf Platz vier. Doch die zwischenzeitlichen Unmutsäußerungen auf den nicht ganz gefüllten Rängen erzürnen die Verantwortlichen.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

So richtig zufrieden sind sie bei Borussia Mönchengladbach noch nicht mit dem Echo, das sie in der Fußballwelt hervorrufen. Wer auf die Bundesliga-Tabelle schaut, entdeckte die Borussen am Samstagabend als viertplatziert in der Champions-League-Zone, weil sie den FC Augsburg mit 2:0 (1:0) besiegt hatten. Aber echte Begeisterung auf den Tribünen und in den Medien war keine zu erkennen. "Vielleicht kapiert irgendwann ja auch der Letzte, dass man sich jeden Sieg in dieser Liga hart erkämpfen muss", blaffte der Trainer Dieter Hecking, nachdem sich der Manager Max Eberl zuvor im TV-Interview schon über eine kritische Frage mokiert hatte.

Für eine offensiv maue zweite Halbzeit sollten sich die Borussen rechtfertigen - wollten das aber nicht. Gelegentliches Raunen und vereinzelte Pfiffe sowie die Saison-Minuskulisse von 42 000 Besuchern hatten diesen Sieg begleitet. "Die Mannschaft hat es richtig gut gemacht", lobte Eberl demonstrativ und zeigte sich ansonsten deutlich weniger streitlustig als nach einem 3:1 gegen Hamburg im Dezember, als die Fans noch vehementer geraunt hatten.

"Meine einzige Kritik lautet, dass wir das 2:0 früher hätten machen müssen", sagte Hecking nach diesem Sieg durch ein frühes Tor von Matthias Ginter (10.) und ein sehr spätes von Thorgan Hazard (90.). Die drei Punkte beförderten die Gladbacher trotz eines nur ausgeglichenen Torverhältnisses wenigstens für eine Nacht auf einen Champions-League-Platz. "Niemand kann erwarten, dass wir eine Mannschaft wie Augsburg hier aus dem Stadion schießen", sagte Ginter.

Ginter erzielt bereits sein viertes Saisontor

Die Gäste hatten in der ersten Halbzeit zu kämpfen. "Da haben wir ganz schwer rein gefunden", gestand später FCA-Trainer Manuel Baum. In der 9. Minute konnte Torwart Marwin Hitz einen Fernschuss von Michael Cuisance gerade noch über die Latte lenken, aber der daraus resultierende Eckball durch Hazard brachte Unglück. Die Augsburger waren aber auch selbst schuld, denn gleich drei Augsburger (Martin Hinteregger, Rani Khedira und Michael Gregoritsch) schafften es auf engstem Raum nicht, Ginter an einem Kopfball zu hindern, der vom Innenpfosten ins Tor flog. Für den Innenverteidiger, der im vergangenen Sommer von Borussia Dortmund gekommen war, war es bereits das vierte Saisontor.

Jeffrey Gouweleeuw erhielt in 28. Minute per Kopfball erstmals für Augsburg eine gute Gelegenheit zum Ausgleich, allerdings drückte er den Ball nach einer Ecke von Philipp Max dem Gladbacher Yann Sommer genau auf den Körper, so dass der Torwart leicht parieren konnte. Eine Minute später hätten die Gäste dezimiert werden müssen. Doch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zeigte sich gnädig und bestrafte einen Arm-Zupfer des letzten Manns Daniel Opare (am davoneilenden Raffael) nur mit Gelb. In der 38. Minute entschied Steinhaus bei einer weiteren kritischen Entscheidung erneut zugunsten der Augsburger. Nachdem Daniel Baier am eigenen Fünfmeterraum ausgerutscht war und dabei erst mit der rechten Hand und dann auch noch ausgiebig mit dem linken Arm den Ball touchiert und dadurch für den einschussbereiten Hazard blockiert hatte, entschied sich Steinhaus auch auf Nachfrage beim Videoassistenten nicht auf Elfmeter. "Mit ein bisschen Pech wären wir mit einem Platzverweis und einem 0:2 in die Pause", gestand Angreifer Michael Gregoritsch.

Augsburger Dominanz ohne Chancen

Baum wollte nichts riskieren und brachte nach der Pause Raphael Framberger für den rot-gefährdeten Opare. Den noch nicht wieder vollständig fitten Stürmer Alfred Finnbogason ersetzte er durch Jonathan Schmid. Die Augsburger übernahmen gegen nun erstaunlich defensive Gladbacher das Geschehen, kreierten aus ihrer Dominanz aber zu wenige Torchancen. Ja-Cheol Koo schloss in der 71. Minute nach hoher Hereingabe von Caiuby mal volley ab, drosch den Ball aber weit übers Tor. In der 79. Minute hatte der Venezolaner schon die erste Einschuss-Chance, verzog aber aus steilem Winkel. Erst ein Konter der Gladbacher in der 90. Minute brachte das 2:0 durch Hazard, der vorher drei Chancen ausgelassen hatte.

"Mit unserer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit bin ich zufrieden", sagte Augsburgs Trainer Baum. "Mit ein bisschen Glück hätten wir hier einen Punkt mitnehmen können." Aus der Bahn werfen wird die Niederlage die Augsburger aber kaum. "Wir stellen jetzt nicht alles in Frage", machte Gregoritsch klar. Diese Debatte schien sich kurioserweise eher im Umfeld von Borussia Mönchengladbach abzuspielen.

© SZ vom 21.01.2018
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