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Borussia Dortmund:Reifenwechsel während der Fahrt

Borussia Dortmund v DSC Arminia Bielefeld - Bundesliga

Der Schmerz ließ nach - spätestens, als der Elfmeter für das Foul an Marco Reus (in Gelb) zum 2:0 für Dortmund gegen Bielefeld führte.

(Foto: Marius Becker/Getty)

Obwohl Edin Terzic kaum Zeit zum Üben hat, schreitet Dortmunds positive Entwicklung auch beim 3:0 gegen Bielefeld voran. Doch nun folgen drei Härtetests in acht Tagen.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Wer kein Publikum hat, der macht sich eines. Und so posierten Gio Reyna, Emre Can, Erling Haaland und Torschütze Jadon Sancho nach dem 2:0 vor einem der wenigen Fotografen am Spielfeldrand, alle in Denkerpose und in Bestlaune - ein Bild, ganz offensichtlich für Twitter & Co., so sind halt Fußballer heutzutage. Sancho durfte zudem am Samstag seinen 50. Assist im 99. Ligaspiel feiern, und Borussia Dortmund sammelte schnell ein 3:0 (0:0) gegen Arminia Bielefeld ein, bevor es in eine englische Woche geht, die es für den BVB und seine jungen Ulknudeln in sich haben wird.

Mats Hummels, 32, der seit Wochen nicht müde wurde zu erläutern, dass Dortmund nach dem Trainerwechsel von Lucien Favre zu Edin Terzic "auf dem Wege der Besserung" sei, obwohl die Ergebnisse zunächst nicht dafür sprachen, gab nach dem leichten Sieg gegen die Arminia diesmal eher den Warner: "Wir merken, dass es in den letzten Spielen besser geworden ist. Aber es ist noch wesentlich mehr drin."

Diesmal genügte es, bei Bielefelds einziger großer Torchance durch Sergio Cordova (43.) ein wenig Glück zu haben, und ansonsten die bessere Ordnung und das weit höhere spielerische Potential zu nutzen. Allen voran ging Sancho, der Mo Dahouds 1:0 (48.) feinfüßig vorbereitete, das 2:0 (58.) vom Elfmeterpunkt selbst erzielte, und das 3:0 (81.), vollendet über Haaland und den Tordebütanten Reinier, einleitete. Seit Terzic den BVB übernommen hat, findet Sancho zu guter Laune zurück, selbst für Defensivsprints steht der 20-jährige Engländer zur allgemeinen Verwunderung zur Verfügung. "Er hat in den letzten Monaten viel gearbeitet, ob im Kraftraum oder auf dem Platz", lobte der Kollege Hummels, "gerade offensive Spieler müssen manchmal erst lernen, dass Arbeit sich immer auszahlt."

Hummels wollte als elder statesman der Mannschaft aber auch sagen, dass ein gutes Spiel gegen Bielefeld kein Anlass zum Überschwang ist. Die nächsten Tage halten andere Kaliber bereit - und mehrere Weichenstellungen für eine Saison, die vor ein paar Wochen schon als verkorkst galt. Jetzt aber geht es binnen acht Tagen um hohe Einsätze: Dienstags spielt Dortmund im Pokal-Viertelfinale bei Mönchengladbach, dem Klub von Marco Rose, der im Sommer den Job von Terzic übernimmt. Am Samstag gastiert der BVB dann beim FC Bayern, wo diesmal von Gipfeltreffen zwar keine Rede sein kann angesichts von 13 Punkten Rückstand der Borussen, wo es aber um Big-Points für Champions League-Plätze geht. Und nochmal vier Tage später erwartet Dortmund im Achtelfinale des aktuellen Königswettbewerbs den FC Sevilla, mit einem 3:2 aus dem Hinspiel in Andalusien im Rücken.

Im Pokal wäre ein Erreichen des Halbfinales, durch einen Sieg bei derzeit stagnierenden Gladbachern, eine riesige Chance auf einen Titel. Die Konstellation ist günstig wie selten, weil die Bayern durch ihr Aus in Kiel nicht mehr im Lostopf ist. Wer das Viertelfinale in Gladbach gewinnt, hat beste Finalaussichten, angesichts der Gegner, die noch im Rennen sind. In der Champions League und im Pokal könnte Dortmund bis Mai zudem so viel Geld verdienen, dass sich die Corona-Verluste abmildern und Spielerverkäufe gestrichen werden könnten.

Die Defensive wirkt weniger störanfällig, das hohe Pressing klappt besser, junge Spieler reifen.

Auf Fragen, welche Bedeutung das Duell mit Rose für ihn persönlich habe, wollte sich Terzic nach dem Bielefeld-Sieg nicht einlassen. Gegen seinen künftigen Cheftrainer anzutreten, spiele "gar keine Rolle", behauptete Terzic, der sich nach Roses Ankunft wieder als Assistent einreihen soll und diese Zurückstufung bereits angenommen hat. Sein Team allerdings hat zuletzt auch bei den Ergebnissen eine Trendwende geschafft, drei weitere Siege in den nächsten acht Tagen wären sogar mehr als das. Zuletzt hatte Terzic via Nebensatz darauf hingewiesen, dass die weitreichende Umstellung und Modernisierung des BVB-Fußballs quasi im Vorbeilaufen stattfinden müsse. Eine Art heißer Reifenwechsel während der Fahrt, denn seit Favres vorheriger Assistent Terzic nach dem elften Spieltag die Leitung übernahm, gab es keine Vorbereitungsphase für einen Systemwechsel.

Um so erstaunlicher ist, dass die Defensive nicht mehr so störanfällig wirkt, das hohe Pressing inzwischen besser klappt, und dass junge Spieler wie Sancho, Bellingham und zuletzt auch Dahoud klar verbessert wirken. Terzic hat ferner die kurze Verletzungspause von Stammtorwart Roman Bürki genutzt, um dessen drei Jahre älteren Konkurrenten Marwin Hitz ins Tor zu rotieren. "Wir wollen hier eine transparente Leistungskultur. Wer gute Leistungen bringt, soll belohnt werden. Marwin hat es gut gemacht, also spielt er", erläuterte Terzic den Tausch. Gegen Bielefeld hatte Hitz wenig zu tun. Gegen Gladbach, Bayern und Sevilla wird das wohl anders aussehen.

© SZ/mok
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