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BVB gegen Leipzig:Die Bilanz des Spitzenspiels lautet: Wow!

Bundesliga - Borussia Dortmund v RB Leipzig

Erst Held, dann tragische Figur: Dortmunds Julian Brandt (l.) beim Spiel gegen Leipzig.

(Foto: REUTERS)

In der Westfalenhalle wird regelmäßig der Zustand unterschiedlichster Branchen überprüft. Auf Reptilienmessen, Tabakmessen, Puppenmessen und Tortenmessen lässt sich stets der jeweilige State-of-the-Art begutachten. Die Fußballmesse findet hingegen in der Arena nebenan statt. Am Dienstagabend sollte das Duell zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig zeigen, auf welchem Niveau sich die Spitze des deutschen Klubfußballs zurzeit bewegt, und die Bilanz lautete: Wow! Die beiden Mannschaften lieferten sich ein grandioses Duell mit vielen dramaturgischen Wendungen. Diese Aufführung war ein unberechenbares Actionspektakel, das nach einer Dortmunder 2:0-Halbzeitführung am Ende nicht unverdient noch mit einem 3:3-Unentschieden endete.

Mit vier Pflichtspielsiegen nacheinander und 13 Treffern waren die Dortmunder ins Spiel gegangen, mit sechs Ligaspielsiegen nacheinander und 25 Treffern die Leipziger. Dass hier mindestens eine dieser Serien zu Ende gehen musste, war einerseits klar, andererseits aber auch nebensächlich, weil die Branche zurzeit vielmehr darauf äugt, wer sich in diesem engen oberen Tabellendrittel am ehesten für die Rolle des Titelfavoriten eignet. Die vorläufige Antwort lautet: Beide bleiben Kandidaten.

Die Dortmunder durften zunächst das Pressing üben, weil die Leipziger die ersten Ballstafetten übernahmen. Sie taten das gewiss auch aus Freundlichkeit, damit die Dortmunder Fans ihren Groll mit vielen Pfiffen abarbeiten konnten. Als die Zuschauer auf der Südtribüne merkten, dass ausgiebiger Leipziger Ballbesitz viel Luft zum Pfeifen erfordert, gingen sie in die Anfeuerung ihrer Dortmunder über.

Nach Sondierung der Leipziger Positionen formierte sich die Dortmunder Fünferkette zehn Meter hinter der Mittellinie. Von dort ließen sich nach Ballgewinnen am besten Steilpässe in den Rücken der Leipziger Abwehr spielen. Damit kontrollierte der BVB die erste Halbzeit. Leipzigs Torwart Peter Gulacsi musste drei Mal parieren: gegen Mats Hummels (15.), gegen Achraf Hakimi (21.) und gegen Jadon Sancho (23.). Aber die 23. Minute war noch nicht zu Ende, als Julian Weigl aus 20 Metern einen eigentlich aussichtslosen Flachschuss gen Tor jagte. Der Ball drehte sich, Gulacsi fiel zu früh zur Seite, wollte den Ball mit dem Bein parieren und jagte ihn aber bloß noch unter die Latte ins eigene Tor.

Ein Sahnestück der Ballbehandlung und Abschlussstärke

Das Gegentor setzte die Leipziger unter Stress. Nach vorne ging nichts, und hinten wurden sie durch ein schnelles Dortmunder Horizontalspiel auseinandergezogen wie Käsefäden, die irgendwann reißen. Eine dieser Lücken nutzte Julian Brandt in der 34. Minute zum 2:0. Aber diesmal waren kein Glück und keine Mithilfe erforderlich, Brandts Tor war ein Sahnestück der Ballbehandlung und Abschlussstärke. Bei Ballannahme bewegt er sich mit dem Rücken zum Tor, nahm ihn mit, drehte sich dabei um den Ball herum und mogelte sich so auf das Eleganteste zwischen den Abwehrspielern Dayot Upamecano und Mukiele hindurch, um frei vor Gulacsi satt einzuschießen. Ein absolutes Traumtor.

Es dauerte bis in die Nachspielzeit der ersten Halbzeit, ehe die Leipziger zu ersten Torchancen kamen. Der Torwart Roman Bürki vereitelte mit extremen Streck-Einlagen Kopfbälle von Yussuf Poulsen und Timo Werner. Mit diesen Szenen kehrte Leipzig ins Spiel zurück. Als nach der Pause gerade mal 80 Sekunden gespielt war, kam Bürki weit aus seinem Tor heraus, um einen langen Leipziger Ball zu klären. Er wollte ihn von dannen köpfeln, doch er legte Werner den Ball vor, so dass dieser nur noch ins leere Tor einschieben musste.

Man weiß, dass beim Fußball aus Helden schnell tragische Figuren werden können, und es dauerte nicht einmal zehn Minuten, ehe dies nach Bürki auch dem genialen Torschützen Brandt widerfuhr. Er legte in der 53. Minute Werner nämlich den Treffer zum 2:2-Ausgleich auf. Werner musste Bürki nur noch umlaufen und schob zu seinem nun schon 18. Saisontreffer ein. Dass dieses 45 Minuten lang ins Korsett gezwängte Spiel sich nach dem Wiederanpfiff längst entfesselt hatte, wurde sogleich mit dem Dortmunder 3:2 deutlich, das Jadon Sancho in der 55. Minute auf Vorlage von Marco Reus erzielte. Fortan mussten die Trainer Lucien Favre und Julian Nagelsmann ein bisschen leiden, weil in solch einem wilden Spiel nur noch wenig Kontrolle gewahrt werden kann.

Leipzig, mit Christopher Nkunku für Emil Forsberg im offensiven Mittelfeld, drängte zunehmend auf den neuerlichen Ausgleich, was den Dortmundern Räume und damit bessere Konterchancen eröffnete. Der nächste Treffer konnte nun auf beiden Seiten fallen, und er fiel: für Leipzig. Der eingewechselte Patrik Schick nutzte in der 78. Minute eine Orientierungslosigkeit in der Dortmunder Abwehr zu einem 3:3, das wie ein Gütesiegel wirkte.

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