Süddeutsche Zeitung

Borussia Dortmund:Isak ist teurer als Zlatan

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Vor sieben Monaten ist in Nizza eine schwedische Fußball-Ära zu Ende gegangen. Zlatan Ibrahimovic hat an der Côte d'Azur mit 34 Jahren letztmals für die schwedische Nationalmannschaft gespielt. Das frühe Aus bei der Europameisterschaft und Ibrahimovics damit einhergehender Rücktritt haben Schweden erschüttert. Doch inzwischen schöpft man neue Hoffnung, und diese Hoffnung hat einen Namen. Sie heißt: Alexander Isak.

Vor 16 Tagen hat bei einem Test der Schweden in Abu Dhabi die neue Ära begonnen, Isak wurde mit 17 Jahren und vier Monaten erstmals im Nationalteam eingesetzt. Vier Tage später schoss er im zweiten Spiel bereits sein erstes Tor. Isak ist jetzt der jüngste Nationalmannschafts-Torschütze in der schwedischen Fußballhistorie, und überhaupt steckt der junge Mann bereits dermaßen voller weiterer Rekorde, dass man sich fragt, warum der Stürmer aus Solna und Sohn eritreischer Eltern am Wochenende eigentlich einen Vertrag bei Borussia Dortmund unterschrieben hat und nicht bei einem Klub wie Real Madrid, bei dem er zuvor auch schon heftig als Zugang gehandelt worden war.

Diese Entscheidung könnte im weitesten Sinne mit einem anderen skandinavischen Riesentalent zu tun haben: mit dem Norweger Martin Ödegaard. Dieser war vor zwei Jahren mit gerade mal 16 Jahren vom norwegischen Erstligisten Strömsgodset IF aus Drammen zu Real Madrid gewechselt und hat seither derart vergeblich um Einsätze in der prominenten Real-Mannschaft gekämpft, dass die Madrilenen ihn vor wenigen Tagen an den niederländischen Klub SC Heerenveen verliehen haben. In den Niederlanden, bei Ajax Amsterdam, hat vor 16 Jahren zwar auch der große Zlatan Ibrahimovic reüssiert, allerdings war sein Wechsel zu Ajax damals freiwilliger und direkter Natur.

Isak nimmt sich Dembelé zum Vorbild

Wenn man in allzu jungen Jahren zu Real Madrid wechselt, dann droht man, wie es so schön heißt, den zweiten Schritt vor dem ersten zu gehen und auf die Nase zu fallen. Statt sich also Ödegaard zum Vorbild zu nehmen, folgten Isak und sein serbischer Berater Vlado Lemic lieber dem Beispiel des Talents Ousmane Dembelé. Der 19-jährige Franzose ist im vergangenen Sommer von Stade Rennes zu Borussia Dortmund gewechselt und in Thomas Tuchels Elf bereits jetzt Stammspieler und Leistungsträger. Die Gefahr für Dembelé, vom BVB an einen niederländischen Klub verliehen zu werden, ist gleich Null.

Die Branche rechnet vielmehr damit, dass der französische Angreifer später mal zu einem spanischen Topklub wechselt. Insofern ist Isaks Entscheidung für Dortmund vergleich- und nachvollziehbar. Der BVB etabliert sich gerade als Anlaufstation für internationale Talente auf deren perspektivischem Weg zu noch größeren europäischen Topklubs; auch der 19-jährige Türke Emre Mor hatte sich im vorigen Sommer ja für den BVB entschieden.

Isaks Referenzen sind schon jetzt erstaunlich

Würden Real, Barcelona oder Manchester City bei Talenten wie Isak jetzt schon ernst machen, dann hätte der BVB kaum eine Chance. So aber profitiert die Borussia - erst fußballerisch und dann auch finanziell. In Zeiten, in denen Talente immer früher ins Blickfeld solventer Klubs geraten, kann solch eine Strategie ein sogenanntes Win-Win-Modell sein. Der BVB betätigt sich als früher Vogel, und Isak kann der großen Fußballwelt im westfälischen Ausbildungs-Camp auf schon recht hohem Niveau beweisen, was er alles drauf hat.

Dabei sind die Referenzen des 1,90 Meter großen Stürmers schon jetzt erstaunlich: Anfang April 2016 kam Isak für Solna erstmals in der obersten schwedischen Liga zum Einsatz; er war damals 16 Jahre und sechs Monate alt. In der 50. Minute erzielte er bei seinem Debüt direkt den Siegtreffer. Bis zum Saisonende im November kam er beim Meisterschaftszweiten auf insgesamt 24 Einsätze und zehn Treffer, anschließend wurde er zum besten Newcomer der Liga gewählt.

Isak soll den BVB etwa zehn Millionen Euro kosten

Seit Montag gilt er nun auch noch als teuerster schwedischer Fußballexport der Geschichte. Bislang war das Ibrahimovic, der 2001 für 8,5 Millionen Euro von Malmö FF zu Ajax Amsterdam wechselte. Isak soll den BVB ungefähr zehn Millionen Euro kosten. Wie lange der Vertrag in Dortmund läuft, verrät der börsennotierte BVB überraschend nicht. Die Verlängerung mit dem 18 Jahre alten US-Amerikaner Christian Pulisic datierte der Klub am Montag dagegen präzise auf das Jahr 2020, den Vertrag mit Isak hingegen nannte er nur: "langfristig".

Bezahlen kann der Klub die Ablöse für den Schweden vermutlich mit jenem Geld, das er dem Vernehmen nach für den Verkauf seines Stürmers Adrian Ramos zum chinesischen Klub Chongqing Lifan erhält. Beide Summen sollen sich ähneln. Perspektivisch indes erscheint der Spielertausch für den BVB äußerst vorteilhaft, zumal ein Abschied des Stürmers Pierre-Emerick Aubameyang in absehbarer Zeit droht.

Bevor es aber ernst wird mit diesem Abschied, feiert Dortmund jetzt zunächst einmal die Rückkehr seines besten und beim Publikum so beliebten Torschützen. Am Wochenende ist Aubameyang mit Gabun beim Afrika-Cup ausgeschieden.

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SZ vom 24.01.2017/chge
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