Borussia Dortmund Das Millionen-Karussell fliegt den Dortmundern um die Ohren

Und nun? Schwer zu beschreiben, so multifaktoriell erscheint es. Klar ist, dass der BVB mit all dem Geld, den rund 400 Millionen Euro, die der Klub in den letzten Jahren aus Transfers einnahm, nicht allzu viel anfangen konnte. Erst Götze und Lewandowski, dann auf einen Schlag Hummels, Gündogan, Mkhitaryan, zuletzt Dembélé und Aubameyang: Wenn man so einen Aderlass erlebt, muss man mit den meisten Schüssen am Transfermarkt richtig liegen. Und man darf eben nicht glauben, zum Beispiel einen Hummels durch ein Nachwuchstalent ersetzen zu können, das eben kein neuer Hummels ist. Das Millionen-Karussell fliegt den Dortmundern schon seit einiger Zeit um die Ohren, auch schon im vorigen Jahr unter Thomas Tuchel.

Mario Götze sucht nach seiner Identität. Seine Begabung, im Dribbling die Gegner links wie rechts aussteigen zu lassen und ständig aufs Tor zu schießen: nicht mehr zu sehen - verschollen zwischen der Guardiola-Zeit in München, den Monaten unter Tuchel und einer inzwischen auskurierten Hormon-Erkrankung. Schürrle, Weigl, Dahoud - lauter Spieler, die man als Zukunft des deutschen Fußballs sah. Und jetzt?

Für Christian Pulisic boten englische Klubs noch im Winter 50 Millionen Euro und mehr. Für Maximilian Philipp, der in der Startphase der Saison fünf Tore erzielte, hat der BVB 20 Millionen gezahlt, Alexander Isak aus Schweden wurde als neuer Ibrahimovic gehandelt, Jadon Sancho als 17-Jähriger von Manchester City geholt. Jeder scheint für sich allein doch aufgeschmissen zu sein. Dem BVB scheint nicht nur ein Plan zu fehlen, ihm fehlen die gestandenen, die körperlich robusten Typen, wie sie der FC Bayern reihenweise hat.

Bundesliga Hat hier jemand Topspiel gesagt?
Bayerns 6:0 gegen Dortmund

Hat hier jemand Topspiel gesagt?

Wie eine Naturgewalt bricht der FC Bayern beim 6:0 über den BVB herein. Die Dortmunder hadern, die Bayern-Spieler klingen erstaunlich nüchtern - und erkennen noch "ein, zwei Schwächen".   Aus dem Stadion von Maik Rosner

Im Sommer könnten acht bis zehn Neue kommen

Borussia Dortmund hat sich verkalkuliert. So schlimm, dass ihnen das Schlimmste passierte: Mitleid vom FC Bayern. Thomas Müller, mit vielen Dortmundern von der Nationalelf bekannt, sagte: "Es tut einem auch ein bisschen weh, dass die Verunsicherung so zu spüren war."

Im Sommer werden sie vielleicht nicht alles über den Haufen werfen, trotzdem könnte es zum Austausch von acht bis zehn Spielern kommen. Damit wird sich dann aller Voraussicht nach auch Sebastian Kehl beschäftigen, als neuer "Leiter der Lizenzspieler-Abteilung". Kehl wird Zorc viel Arbeit abnehmen können, im täglichen Kleinkrieg mit den Profis von heute. Kehl hat von 2002 bis 2015 beim BVB gespielt, mehr Identifikation geht kaum. Er hat gerade eine Trainer-A-Lizenz gemacht; und Kehl ist ehrgeizig, bissig, mitreißend. Mit Sammer als Trainer und Zorc als Manager wurde er 2002 sogleich deutscher Meister.

Sehr wahrscheinlich hätten die Spielertypen Zorc, Kehl und Sammer dem BVB aus der aktuellen Krise helfen können. Mit Mentalitäts-Fußball, mit bisweilen auch mal mehr Willen als Talent. Am Ostersamstag konnte man hier und da sehen, dass einige BVB-Spieler mit den Bayern technisch durchaus mithalten konnten. Aber Fußball ist halt mehr, als mit dem Ball umgehen zu können. Das werden sie im nächsten Kader und mit dem nächsten Trainer erkennen und korrigieren müssen.

Bundesliga Der Stein, unter dem Peter Stöger sitzt

Borussia Dortmund

Der Stein, unter dem Peter Stöger sitzt

Die personellen Reformen beim BVB beginnen - doch der Trainer wirkt nach dem 0:6 in München nicht so, als würde er um seinen Job kämpfen.   Aus dem Stadion von Thomas Hummel