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Borussia Dortmund auf Rang zwei:Zum Fürchten

Wie selbstverständlich ersetzt Borussia Dortmund den verletzten Nationalspieler Mario Götze und ist nun seit 13 Partien ungeschlagen bei nur drei Unentschieden. Zwar will beim Titelverteidiger niemand vom Meistertitel reden, doch die Gegner sprechen von einer "gnadenlosen Entschlossenheit" der Borussen.

Freddie Röckenhaus

Kevin Großkreutz sagt ungefiltert das, was er nach guten Spielen immer zu sagen pflegt. Er haue eben immer alles raus, er spiele halt in einer geilen Truppe, sie seien eine verschworene Gemeinschaft, man werde sehen, was man am Ende dafür bekomme.

Borussia Dortmund - TSG 1899 Hoffenheim

Ein Fall für zwei: Shinji Kagawa und Kevin Großkreutz prägen das Dortmunder Spiel.

(Foto: dapd)

An diesem Nachmittag allerdings wurde ein bisschen genauer hingehört als sonst, denn die Art und Weise, in der der Erz-Dortmunder im Zusammenspiel mit dem Japaner Shinji Kagawa die Abwesenheit des verletzten Mario Götze vergessen machte, verblüffte doch. Beim Dortmunder 3:1 gegen die TSG Hoffenheim düpierte das Duo der Dauerrenner die gegnerische Abwehr, dass es mitunter zum Fürchten aussah. "Ich versuche, mich immer zu verbessern", flüsterte Großkreutz nachher in die Mikrophone, "und ich denke, das gelingt mir auch."

Kagawa und die Kilometer

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw schien das durchaus zutreffend zu sein. Beispielsweise vor dem 3:0 - wie Großkreutz vor Kagawas Tor zuerst den exakt richtigen, kreuzenden Laufweg wählte und dann den Japaner mit einem Hackentrick in Schussposition brachte, das ließ die überschwängliche Spielweise des BVB aus der Meistersaison wieder aufleuchten. BVB-Präsident Reinhard Rauball meldete sich ausnahmsweise mal mit einer Einzelkritik zu Wort: "Was Kevin Großkreutz heute gespielt hat, das war überragend. Genau wie letzte Woche schon in Hamburg."

In drei Spielen mussten die Dortmunder bisher den noch wochenlang wegen einer Schambein-Entzündung krankgeschriebenen Götze ersetzen, dreimal nahm der BVB mit seinen Ersatz-Regisseuren Großkreutz und Kagawa die Gegner auseinander - Freiburg (4:1), Hamburg (5:1) und nun Hoffenheim (3:1). Kagawa (zwei) und Großkreutz erzielten am Samstag auch alle drei Tore.

Großkreutz überrascht dabei zunehmend häufiger mit technischen Kabinettstückchen, mit filigranen Doppelpässen oder mit frechem, millimetergenauem Durchstecken des Balles im engen gegnerischen Strafraum. Löw, der Großkreutz zumindest nicht ganz oben auf der Liste stehen hat, durfte nach dem Spiel bekannt geben, dass er "vier bis fünf BVB-Spielern" gute Chancen auf eine EM-Nominierung einräume. Dafür kommen Götze, Hummels, Bender, Schmelzer und auch wieder Großkreutz in Frage.

Götze macht Urlaub

Großkreutz arbeitet sich im Laufschritt heran an die Rolle des Herausforderers auf Linksaußen, wo Podolski (derzeit verletzt) und Schürrle (derzeit formschwach) gesetzt sind. Großkreutz hingegen war, nach drei Kurz-Einsätzen im Jahr 2010, bei Löw abgemeldet.

Eindrucksvoller noch kam Spielkamerad Kagawa daher. Der 22-Jährige spulte ein Großteil seiner über zwölf Kilometer Laufleistung beim Pressing bei gegnerischem Ballbesitz ab.

"Was wir in dieser Hinsicht heute geboten haben", sagte selbst der an sich eher kritische Trainer Jürgen Klopp beeindruckt, "das war schon außergewöhnlich." Auch Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski wollte mit dem, "was Großkreutz und Kagawa da abziehen", die meist hilflos wirkende Defensive seiner Mannschaft entschuldigen. Kagawa selbst bescheinigte sich, derzeit sogar noch besser zu spielen als im Herbst 2010, ehe er von einem Mittelfußbruch gestoppt wurde: "Ich denke, ich habe mich weiterentwickelt. Wir entwickeln uns hier alle weiter."

Ab in den Urlaub!

Mario Götze, der auf der Tribüne im Block der Spielerfreundinnen saß, wird von Klopp unterdessen "in Urlaub" geschickt. Die Verletzung des 19-Jährigen wird auch als Reaktion auf die Doppel- und Dreifach-Belastungen, auch durch zusätzliche Nationalmannschafts-Einsätze, interpretiert. "Er wird im Laufe seiner Spielerkarriere wahrscheinlich nicht so oft Urlaub machen können", scherzte Klopp. Götze selbst sagte, er wolle "vielleicht in die Sonne fliegen".

Grundsätzlich mag sich in Dortmund - trotz der jüngsten Gala-Vorstellungen - niemand zum Eingeständnis höherer Ambitionen verleiten lassen. "Die Bayern sagen ja selbst, dass sie Meisterschafts-Favorit sind", befand Großkreutz, ohne die Miene zu verziehen, "und dann wird das auch so sein." Hinter verschlossenen Kabinentüren hört sich das anders an. Vor der "gnadenlosen Entschlossenheit", die Stanislawski den BVB-Spielern attestierte, kann der Konkurrenz nun wieder bange werden.

Seit 13 Spielen ist Dortmund jetzt ungeschlagen, bei nur drei Remis. Und bis auf den Nachbarn Schalke müssen in der Rückrunde noch alle Mannschaften der oberen Tabellenhälfte in Dortmund antreten.

© SZ vom 30.01.2012
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