Borussia Dortmund:Auf Götze lastet großer Druck - auf Schürrle eher weniger

Seit ein paar Wochen nun ist Schürrle in einem neuen Biotop, bei seinem alten Förderer Thomas Tuchel, der ihn schon vor Jahren in der A-Jugend des FSV Mainz zum Mitglied der Bruchweg Boys (mit Lewis Holtby und Adam Szalai) heranzog, die dann kurz die Bundesliga rockten. Und so war Schürrles bemerkenswerteste Szene des Pokal-Abends nicht sein Tor und auch nicht die Kombination aus erlittenem Fausthieb und anschließendem Vier-Stiche-Cut, sondern der Moment seiner Auswechslung. Auffallend lange stand er da am Seitenrand mit seinem Trainer, beide lachten und schäkerten wie zwei Lausejungen, die verbotenerweise in der Nacht ins Trierer Nordbad gegenüber dem Stadion eingestiegen waren. Schürrle so eng mit Mourinho? Oder mit Wolfsburgs Trainer Hecking? Schwer vorstellbar.

Es hat nicht wenige gewundert, dass der BVB für einen zuletzt schwächelnden Nationalspieler die klubinterne Rekord-Ablöse von 30 Millionen Euro abrief. Zumal die Personaldichte im offensiven Mittelfeld mit gestandenen Größen Marco Reus, Shinji Kagawa und Adrian Ramos, dem auch gegen Trier nicht eingesetzten FC-Bayern-Rückkehrer Mario Götze sowie den vielversprechenden Zugängen Ousmane Dembélé und Emre Mor ohnehin immens ist. Aber Tuchel hat seinen früheren Schützling in seinem Kader gewollt.

Tuchel wollte Schürrle mit Vehemenz

Rein rechnerisch gibt es jetzt drei Dutzend Möglichkeiten, wie sich Dortmunds Mittelfeld-Offensive künftig anordnen lässt. Und Stratege Tuchel wird all den Fußball-Mathematikern sicher beweisen wollen, dass er noch ein paar Optionen mehr kennt, bedingt auch durch den Faktor Schürrle: "Wir wollten ihn unbedingt, weil es kaum einen Offensivspieler gibt, der sich so sehr über die Defensive definiert und so ein kleines Ego hat."

Schürrles Ausgangslage ist gar nicht schlecht. Die Trainer haben eine klare Vorstellung davon, was sie von ihm erwarten können, mehr als bei Dembélé, 19, oder Mor, 19. Andererseits lastet auf Schürrle öffentlich weniger Erwartungsdruck als auf Götze. Er muss jetzt nur noch zeigen, dass er in neuer Umgebung unter vertrautem Trainer die durchwachsenen Jahre wirklich hinter sich lassen kann. Und das nicht nur in Trier, sondern an exponierteren Orten - wie am Samstag, wenn es zum Liga-Auftakt gleich gegen seinen früheren Klub Mainz geht.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB