Der Bremer Fußballspieler Victor Boniface hat in den vergangenen Wochen einige Mehrzeiler gepostet und mit dieser Kunstprosa die Fußballszene komplett verwirrt. Beim Doppelpass, dem TV-Treffen stets ratloser Koryphäen, beugte sich Stefan Effenberg über das schriftstellerische Gesamtwerk des „Big Vic“ genannten Stürmers und mahnte: „Das ist schon schräg.“ Wobei ein Exeget, der nah am Text bleibt, hinter allem Schrägen durchaus ein Muster erkennen kann. „Selbst wenn der Regen den Regenschirm vergisst, können Fische kein Fahrrad fahren, weil Mond und Brot nicht dasselbe W-Lan nutzen“, hat Boniface zuletzt getextet – und damit eine Weisheit des Großdenkers Andreas Brehme paraphrasiert: „Das Unmögliche möglich zu machen, wird ein Ding der Unmöglichkeit.“
Beim vollmundigen Boniface läuft’s, wenngleich deutlich wortreicher, aufs Gleiche raus. Das Unmögliche wäre hier, einem Fisch das Radeln beizubringen. Doch selbst, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind (Regen vergisst Regenschirm) – das Unmögliche wird nie eintreten, weil die Gesamtsituation es nicht zulässt: Mond und Brot nutzen nun mal nicht dasselbe W-Lan. Schon in einem früheren Boniface-Poem tritt diese Konstellation zutage, das Unmögliche bleibt unmöglich auch hier: „Selbst, wenn eine Tomate nicht rot ist, kann eine Kuh keine Schlange sein, weil Kartoffeln und Yamswurzeln keine Geschwister sind.“
Legt man bei der Suche nach dem Realen im Surrealen nun Wort für Wort unter die Lupe, verdichten sich Boniface’ Werke zu Einkaufszetteln und weiten sich zugleich zu Speisekarten, denn aus den Ingredienzien Karotte, Tomate, Yamswurzel, Kartoffel, Fisch und Brot kann jeder Koch was zaubern. Offenbar hatte Victor Boniface einen knurrenden Magen, als er schrieb, was er schrieb. Schließlich wird er – Fotos belegen es – nicht ohne Grund Big Vic genannt. Die Bremer haben ihm inzwischen eine Ernährungsberaterin zur Seite gestellt, eine gute Idee. Denn auch im Spiel gegen Heidenheim wurde ganz real sichtbar, worum es geht: den Dichter dichter ans ideale Wettkampfgewicht zu bringen.

