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Bob-Trainer Manuel Machata:Machata konzentriert sich auf die Schlüsselposition

In seinem Plan kommen teure Investitionen erst später. Geld stünde ja genügend zur Verfügung, aber statt eine Armada der besten Bobs zu kaufen, konzentriert sich Machata erst einmal auf die Schlüsselposition: die künftigen Pilotinnen und Piloten. Am einfachsten wäre es, einen chinesischen Rodler umzuschulen, aber die gibt es natürlich auch nicht.

Machatas Lenker können auch nicht einfach auf Rallye-Pisten oder Motorrad-Strecken gecastet werden, denn Motorsportlern fehlt meist die Schnellkraft zum Anschieben eines Bobs, sie haben ja ein Gaspedal. Schnellkraft kann man kaum lernen, wie Machata sehr gut weiß, Lenken schon eher. Deshalb wird zunächst nach guten Sprintern in anderen Sportarten Ausschau gehalten. Fürs Bobfahren kommen drei in Betracht: Leichtathletik, Gewichtheben und Basketball.

"Helfer in China machen in diesen Wochen überall Werbung", sagt Machata. Den Kreis der Kandidaten will er dann auf rund 20 reduzieren und diese mit nach Nordamerika nehmen. Auf einfacheren Bahnen wie in Calgary setzt Machata die Besten in ihre ersten Gefährte, vermutlich Ein-Mann-Bobs, wo sie wohl vom Juniorenstart aus versuchen, erstmals die Ideallinie zu treffen, ohne zu stürzen.

"Sie müssen geil aufs Fahren sein"

Machata muss dann in den Vorführungen denjenigen ausfindig machen, der sich in sechs Jahren zum unerschrockensten und feinfühligsten Piloten entwickelt. Das ist nicht so einfach, sagt er. "Denn oft ist es so, dass die Guten schnell stagnieren, und die am Anfang Schwachen sind später top." Er müsse nach Gefühl entscheiden, sagt Machata, nach dem was er so im Weltcup beobachtet hat an Anfängern und Nachwuchsfahrern. Und ein Kriterium sei ja feststellbar, sagt Machata, eines, das er gut erkenne. Seine Anfänger dürfen "keine Angst haben, sie müssen richtig Lust auf Tempo haben. Auf Deutsch: Sie müssen geil aufs Fahren sein".

Bald wird in dem unberührten Land die erste Anschubbahn stehen und eine Eis-Strecke zum Trainieren. Die olympische Bob- und Rodelbahn in Yanqing, 75 Kilometer nordöstlich von Peking, muss spätestens im Winter 2021 fertig sein. Und wenn alles gut läuft, dann werden die Talente, die Machata nun aussucht und an den Lenkseilen weiterbildet, Fahrgefühl entwickeln, wie geplant andere schwächere Bobs hinter sich lassen und ihren Coach nicht enttäuschen, für dessen Stelle sonst womöglich ein anderer gecastet wird. Denn so schön es ist, ganz allein etwas Neues aufzubauen: Im Sport wird man eben doch regelmäßig an Leistungen gemessen, vor allem in China.

© SZ vom 05.11.2015

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