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Bobsport:Auf dem Abstellgleis

Bobfahrer beim letzten Weihnachtskauf

Klubinterne Konkurrenz: Johannes Lochner (links) hat Manuel Machata aus dem WM-Team verdrängt.

(Foto: Stefan Matzke/sampics)

Obwohl er gerade ins beste Alter für einen Bobpiloten kommt, hat der frühere Weltmeister Manuel Machata offenbar keine große Zukunft mehr in dem Sport.

Von Joachim Mölter, Winterberg/München

So schlecht wie das Jahr 2014 für den Bobpiloten Manuel Machata zu Ende gegangen ist, kann 2015 schon kein gutes Jahr mehr werden. Der 30-Jährige aus Berchtesgaden muss es wohl schon jetzt als ein weiteres verlorenes Jahr in seiner Karriere abhaken. Denn die kommenden Weltcups werden ohne den früheren Gesamtweltcup-Gewinner stattfinden, ebenso wie die Weltmeisterschaften vom 23. Februar bis zum 8. März in Winterberg nun ohne den früheren Weltmeister übers Eis gehen werden. Eben dort in Winterberg hat Machata bei den deutschen Meisterschaften vor Silvester seine letzten Qualifikationschancen vergeben: Mit dem kleinen Schlitten, dem Zweier, trat er zum zweiten Lauf nicht mehr an, weil er nach dem ersten als Siebter schon hoffnungslos zurücklag; und im großen Schlitten, dem Vierer, wurde er tags darauf nur Fünfter, 0,75 Sekunden hinter dem siegreichen Maximilian Arndt. Eine Dreiviertelsekunde Rückstand - im Bobsport ist das eine dreiviertel Ewigkeit. "Es war alles für die Katz", stammelte Machata nach dem Rennen, "ich bin total am Ende."

Dabei hatte der Winter 2014/15 ein Neustart sein sollen für ihn. Nachdem Machata in der vergangenen Saison wie schon 2010 die Olympischen Winterspiele verpasst hatte, war er innerhalb des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) heftig in die Kritik geraten, weil er dem späteren Olympiasieger Alexander Subkow aus Russland seine Kufen verkauft hatte. Auf Betreiben des BSD-Vizepräsidenten Rainer Jacobus sollte Machata dafür gesperrt werden und eine Strafe zahlen. Die ganze Aufregung endete dann mit einem Freispruch für Machata und dem Rücktritt von Jacobus. Offiziell ist in die Affäre zu den Akten gelegt. Um mit der Vergangenheit abzuschließen, wechselte Manuel Machata im Sommer sogar den Verein: vom SC Potsdam - aus dem Einflussbereich des Berliners Jacobus - zum BC Stuttgart Solitude.

So wie es aussieht, scheint Manuel Machata trotzdem keine große Zukunft im BSD zu haben. Obwohl er mit seinen 30 Jahren erst ins beste Alter für einen Bobpiloten kommt, haben ihn die Jüngeren aufs Abstellgleis geschoben - weil sie ihre Bobs am Start schneller in Schwung bringen, was im BSD seit dieser Saison ein entscheidendes Nominierungskriterium ist.

Für die Weltcup-Serie sowie die WM sind jedenfalls die aktuellen Weltmeister Francesco Friedrich (24, Zweier) und Maximilian Arndt (27, Vierer) gesetzt. Hinzu kommt Junioren-Weltmeister Nico Walther, 24, der sich als neuer deutscher Meister im Zweier (vor Friedrich) und Zweiter im Vierer (hinter Arndt) für weitere internationale Einsätze empfahl. "Nico hat gezeigt, dass er in die deutsche Nationalmannschaft gehört", findet jedenfalls der Trainer Gerd Leopold, der den erkrankten BSD-Chefcoach Christoph Langen in Winterberg vertrat: "Er hat fahrerische Klasse bewiesen und auch am Start zugelegt. Die Rückstände zu Francesco Friedrich und Maximilian Arndt sind kleiner geworden."

"Wenn er sich gegen die Jungen nicht durchsetzt, muss man noch mal reden", sagt der Cheftrainer

Weil Arndt sich im weiteren Saisonverlauf auf den großen Schlitten konzentrieren will, ist zwar ein Platz frei geworden im Zweier-Kader für die WM. Aber den beansprucht nun ausgerechnet ein Klubkollege von Machata für sich - Johannes Lochner, ein Neffe des früheren Olympiazweiten Rudi Lochner, ebenfalls erst 24 und Dritter der Titelkämpfe von Winterberg. Cheftrainer Langen hat dem Emporkömmling jedenfalls einiges in Aussicht gestellt: Wenn er Mitte Januar beim Europacup in St. Moritz an seine bisherigen Leistungen anknüpft, darf er gleich im Schweizer Wintersportort bleiben und in der Woche darauf im Weltcup debütieren.

Dass Manuel Machata derart abgehängt werden würde, hatte vor der Saison auch Christoph Langen nicht geglaubt. "Mit seinem Team muss er sich eigentlich qualifizieren, bessere Leute haben wir nicht", hatte er gesagt und hinzugefügt: "Wenn er sich gegen die Jungen nicht durchsetzen kann, muss man sich vielleicht noch mal unterhalten." Das klang schwer danach, als würde er seinem einstigen Protegé womöglich sogar einen Rücktritt nahelegen.

Der von der Bob-Abteilung des BSD initiierte Generationswechsel schreitet voran. Thomas Florschütz, mit 36 Jahren der Älteste im Kader, trat in Winterberg gar nicht mehr an. Und die ehemalige Weltmeisterin Cathleen Martini, 32, bewahrte sich nur eine kleine Chance auf die WM. Als Zweite der Frauen-Konkurrenz muss sie am Sonntag in Oberhof noch einen Anschub-Test absolvieren, "wenn sie da eine Verbesserung nachweist, wird sie den dritten deutschen Bob pilotieren", sagte Leopold. Bei dem Test dürfen übrigens auch Machatas Anschieber mitmachen. Im Gegensatz zu ihrem Chef haben sie noch die Möglichkeit zur WM-Teilnahme.

© SZ vom 02.01.2015

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