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Bob-WM:Die Grippe vom Königssee

In der Ruhe und der Abgeschiedenheit des Königssees, zu dem sich so viele Menschen hingezogen fühlen, scheinen sich auch Viren ganz wohl zu fühlen. Viren, die deutsche Bobfahrer befallen. "Wir verbrachten fast die gesamte Trainingswoche auf dem Zimmer", sagte Friedrichs Anschieber Thorsten Margis. Er bezog sich auf den Weltcup in Schönau Ende Januar, an dem sich sein Team schwach präsentiert hatte. "Seit drei Wochen plage ich mich jetzt damit herum", sagte Johannes Lochner dann bei der Weltmeisterschaft. Wieder war ein Deutscher krank am Königssee, wo er sich die Grippe möglicherweise auch eingefangen hat.

Er dachte in der Zwischenzeit schon, er hätte seine Erkrankung überstanden, "doch dann bin ich in der Nacht aufgewacht und es ging wieder von vorne los". Sie hielt sich hartnäckig - und war das Thema der ersten Tage der WM. Würde Lochner fit werden und um den Titel im Zweier mitfahren können? Er galt auf seiner Hausbahn ja als Favorit, nur war er plötzlich fünf Kilogramm leichter und kam etwas ausgemergelt daher. Fit wurde er nicht, am Ende erreichte er die Bronzemedaille. Und hustete nach jeder Fahrt kräftig im Zielbereich ab, bevor er Interviews mit belegter Stimme gab. Erst in der zweiten WM-Woche erreichte er wieder Normalform und siegte im Viererbob. Weil ihn seine Mama daheim mit bayerischer Küche aufpäppelte. Nicht nur krank werden sie also am Königssee, sondern auch gesund. Manchmal ist sie also auch heilsam, die Ruhe.

Fehlt dem Nachwuchs der Nachwuchs?

Den meisten dürfte an einem Sonntagmorgen schon einmal bewusst geworden sein: Nach jeder Party folgt der Kater. Gilt das auch für die deutsche Medaillenparty? 22, 24, 25, 26, 26, 26 - das sind die Altersangaben der Einzelmedaillengewinner Jacqueline Lölling, Tina Hermann, Axel Jungk, Walther, Lochner und Friedrich. Eigentlich verheißt eine solche Zahlenreihe ja eine positive Zukunft in Sportarten, in denen viel Erfahrung und eine genaue Streckenkenntnis für den Erfolg vonnöten sind. Und die aktuelle Athletengeneration scheint sich durch ein gutes fahrerisches Gespür auszuzeichnen.

Die Trainer treibt jedoch schon eine andere Frage um: Was kommt nach den Siegern von heute? "Es ist nicht einfach, junge Leute dazu zu begeistern, unseren Sport zu betreiben", sagt Skeleton-Trainer Müller. "Wir sind eine Materialsport. Du brauchst ein Gerät, das ist kostenintensiver als ein Fußball und eine Turnhose." Nach der Saison will er mit den Heimtrainern verstärkt Talente heranführen. Im Bob geschieht das schon: Bennet Buchmüller im Vierer und Richard Oelsner im Zweier belegten am Königssee allerdings lediglich die Plätze 20 und 25.

© SZ vom 28.02.2017/chge

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