Bob-WM:In einer anderen Liga

Bobsleigh and Skeleton World Championships 2021

Erfolgsgespann: Pilot Francesco Friedrich (rechts) und sein Anschieber Alexander Schüller

(Foto: Matthias Rietschel/Reuters)

Mit dem Sieg im Zweier auf seiner Heim-Bahn in Altenberg krönt sich Francesco Friedrich zum alleinigen Rekord-Weltmeister.

Francesco Friedrich klopfte auf seinen Schlitten, reckte den Daumen in die Höhe - und dachte dann wehmütig an die fehlenden Fans. "Schade, dass keine Zuschauer hier sein können", sagte der neue und alte Weltmeister im Zweierbob, nachdem er auf seiner Heimbahn in Altenberg zu seinem insgesamt zehnten WM-Titel gerast war. Der Sachse aus Oberbärenburg darf sich nun alleiniger Rekordweltmeister nennen, er übertrumpfte den legendären Italiener Eugenio Monti, der vor rund 60 Jahren neun WM-Titel geholt hatte.

"Es war ein Wahnsinns-Jahr bis jetzt", schwärmte Friedrich nach einer wahren Machtdemonstration. Für Bob-Verhältnisse schier unglaubliche 2,05 Sekunden betrug sein Vorsprung nach vier Läufen auf seinen Teamkollegen Johannes Lochner und dessen Anschieber Eric Franke. Junioren-Weltmeister Hans Peter Hannighofer raste mit Christian Röder zu Bronze und machte den deutschen Dreifachsieg perfekt. "Besser geht es nicht", fand Bundestrainer René Spies. Während Hannighofer "einfach sprachlos" war über sein WM-Debüt, haderte Lochner am ZDF-Mikrofon mit der Dominanz des unaufhaltsamen Friedrich: "Es wird schon langweilig hinter dem Franz. Wir wissen leider nicht, wie wir ihn besiegen können. Sonst würden wir es ja machen." , sagte der Stuttgarter.

Niemand beherrschte bei schwierigen äußerlichen Bedingungen am Wochenende den Schlitten so gut wie der Doppel-Olympiasieger Friedrich. "Er fährt in einer anderen Liga", sagte Spies. Bereits zur Halbzeit betrug Friedrichs Vorsprung 0,88 Sekunden, am Sonntag baute er ihn aus. Mit seinem Anschieber Alexander Schüller attackierte er in allen vier Läufern den drei Jahre alten Startrekord des am Ende auf Rang zehn platzierten Kanadiers Justin Kripps (5,11 Sekunden), im letzten Durchgang stellte ihn das Duo schließlich ein.

Allein am Start nahm Friedrich seinen schärfsten Konkurrenten in den vier Durchgängen insgesamt rund eine halbe Sekunde ab, dennoch haderte Friedrich sogar. "Wir hätten gern die 5,10 in Angriff genommen, aber wir haben noch ein paar Jahre, in denen wir das schaffen können", sagte er. Der Perfektionist will immer besser werden, und der 30-Jährige ist noch lange nicht am Ende. Mit einem Sieg am kommenden Wochenende im Vierer könnte der frühere Zehnkämpfer als erster Pilot zum vierten Mal in Serie im großen Schlitten WM-Gold gewinnen.

Das große Ziel bleiben aber die Olympischen Spiele, denen Friedrich "alles unterordnet", wie er selbst sagt. Die einzige große Bestmarke, die Friedrich noch fehlt, sind die vier olympischen Goldmedaillen, die der Thüringer André Lange bereits gewonnen hat. Bereits in einem Jahr könnte der sächsische Rekordjäger in Peking mit Lange gleichziehen.

Bei den Frauen brachten sich die 23 Jahre alte Kalicki und die ein Jahr jüngere Nolte mit Silber und Bronze schon für die Olympischen Winterspiele 2022 in Stellung. Denn im innerdeutschen Vierkampf um drei Startplätze für Peking bleibt in jedem Fall ein Weltklasse-Team auf der Strecke. "Es ist schon jetzt ein ständiger Konkurrenzkampf. Dieser treibt aber auch voran", sagte Cheftrainer Spies.

Nach vier Läufen hatte Kalicki mit ihrer Anschieberin Ann-Christin Strack am Samstag 0,35 Sekunden Rückstand auf die siegreiche Kaillie Humphries aus den USA. "Ich bin voll zufrieden, wir haben gezeigt was wir können. Kaillie ist hier einfach zu stark", meinte Kalicki, die ihren Coup aus dem Vorjahr mit Platz zwei hinter der zweimaligen Olympiasiegerin wiederholte. Die Junioren-Weltmeisterin Nolte holte mit ihrer Anschieberin Deborah Levi ihre erste Medaille bei den Frauen.

Im Gegensatz zu den Jungen patzten diesmal die Etablierten. Stephanie Schneider, die Weltcup-Gesamtsiegerin von 2020, nahm in den ersten zwei Läufen fast jede Bande mit, obwohl sie nach vielen Extra-Trainingseinheiten vor den Titelkämpfen betont hatte: "Die Bahn und ich sind Freunde geworden." Völlig von der Rolle ist derzeit Olympiasiegerin Mariama Jamanka, die mit Anschieberin Vanessa Mark Sechste wurde, vor allem wegen ihrer unsauberen Fahrlinie.

© SZ vom 08.02.2021 / sid, dpa
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