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Geldstrafe für Boateng:"Ich finde das traurig"

Medien: Boateng bleibt beim FC Bayern

Bayern-Profi Jérôme Boateng.

(Foto: Marius Becker/dpa)
  • Der FC Bayern verordnet Jérôme Boateng eine Geldstrafe, weil er sich "den Vorgaben des Vereins zuwider" von seinem Wohnort entfernt habe.
  • Boateng hatte nach eigenen Angaben seinen erkrankten Sohn in Leipzig besucht.
  • Der Vorfall belastet das angespannte Verhältnis zwischen Boateng und seinen Chefs weiter.

Die Regeln des zurzeit erforderlichen social distancing hat natürlich auch Jérôme Boateng verstanden. In der vergangenen Woche gratulierte er seinem Kapitän beim FC Bayern, Manuel Neuer, zu dessen 34. Geburtstag. Er ist dazu nicht bei Neuer vorbeigefahren, sondern er hat sich vorbildlich auf Instagram gemeldet, mit einem Foto, auf dem beide beim Fist Bump zu sehen sind. "You know only like this these days", hatte Boateng geschrieben: Du weißt, in diesen Tagen nur so.

Nur wenige Tage später geht es dennoch darum, wie gut Boateng, 31, die gegenwärtig erforderlichen Kontaktregeln verstanden hat. Vor allem aber geht es wieder einmal darum, wie nachhaltig zerrüttet das Verhältnis zwischen dem Verteidiger und seinen Chefs beim FC Bayern ist.

Am Dienstagmorgen war Boateng auf der A9 in Richtung München unterwegs, eigenen Angaben zufolge nach einem Besuch bei seinem erkrankten vierjährigen Sohn, der in der Nähe von Leipzig lebt. Unweit des Autobahnkreuzes Bayerisches Vogtland wurde er von einem Hagelschauer überrascht, sein Wagen geriet ins Schleudern, drehte sich und kam erst an der äußeren Leitplanke zum Stehen. Der Schaden an dem Sportwagen soll laut "TV Oberfranken" bei 25 000 Euro liegen, und weil Boateng offenbar mit Sommerreifen unterwegs war, droht ihm ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro. Zusätzlich verhängte der FC Bayern eine Geldstrafe, die der Klub Münchner Krankenhäusern spenden will. "Mit dieser Entfernung von seinem Wohnort handelte Boateng den Vorgaben des Vereins zuwider", hieß es in einer Mitteilung. In Zeiten der Ausgangsbeschränkung sehe sich der Verein "in einer Vorbildrolle".

Es war ein Satz, den der Klub nicht unabsichtlich gewählt haben dürfte. Schon lange stören sich die Oberen an Boatengs Freizeitgestaltung; dass er zu Modeschauen fliegt, dass er Brillenkollektionen entworfen hat. Boateng wiederum ist von den Chefs genervt, er findet deren Denkweise kleinlich, altmodisch und ungerecht. Der Unfall vom Dienstag dürfte also beide, Verein und Spieler, in ihren angestauten Empfindungen bestätigt haben. "Ich akzeptiere jede Strafe, wenn sie berechtigt ist", sagte Boateng der Bild. Er wisse, dass er die Chefs über die Fahrt hätte informieren sollen, aber er habe nur an seinen kranken Sohn gedacht: "Wenn es dafür dann eine Strafe gibt, dann Respekt. Ich finde das traurig", sagte Boateng.

Dass Boateng noch eine Saison in München bleibt, kann sich kaum einer vorstellen

Nun könnte diese Episode einfach nur die wechselseitige Enttäuschung auf beiden Seiten verstärken - wenn nicht wieder ein Transfersommer anstehen würde.

Seit zwei Jahren will Boateng den Klub verlassen, 2018 wäre er fast nach Paris gewechselt, 2019 fast nach Turin, und hätten sich im Herbst nicht so viele Bayern-Verteidiger verletzt, wäre er vielleicht im Winter endgültig gegangen, nach London zum Beispiel. Dass Boateng, dessen Vertrag 2021 endet, eine weitere Saison in München bleibt, kann sich kaum einer vorstellen - dass er selbst nun im Kicker darüber nachgedacht hat, zeigt wohl nichts anderes als seine Lust am Pokern.

Boateng sieht sich in der besseren Verhandlungsposition. Unter Trainer Hansi Flick hat er in der aktuellen Form gute Chancen auf einen Stammplatz, auch über den Sommer hinaus. Wenn sich der Verein aber in wirtschaftlich angespannten Zeiten Boatengs zweistelliges Millionengehalt sparen will, muss er ihn ziehen lassen, womöglich zu einem Preis weit unter Marktwert. Also redet Boateng ein bisschen über eine Vertragsverlängerung, um in dieser ewigen Pingpong-Partie das Bällchen wieder Vorstandschef Rummenigge zuzuspielen.

Boateng würde am liebsten weiterhin München im Sommer verlassen, und nach dieser Woche dürfte ihm selbst ein Fist Bump mit den Chefs zum Abschied schwerfallen.

© SZ vom 03.04.2020/chge
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