Tennisturnier in MünchenZverev ist neugierig – auf sich selbst

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In München als Titelverteidiger in dieser Woche am Start: Alexander Zverev.
In München als Titelverteidiger in dieser Woche am Start: Alexander Zverev. Thibaud Moritz/AFP/dpa
  • Um einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen, hat Alexander Zverev sein Spiel aggressiver gestaltet.
  • Der 28-jährige Weltranglisten-Dritte ist Titelverteidiger bei den BMW Open in München.
  • Erster Gegner ist Miomir Kecmanovic, gegen den er in Acapulco im Februar verlor.
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Alexander Zverev spielt jetzt aggressiver, steht häufiger an der Grundlinie, sucht den schnellen Abschluss. Und ist gespannt darauf, ob er seinem großen Ziel auf diese Weise näherkommt.

Von Gerald Kleffmann, München

Am Samstagnachmittag stand Alexander Zverev noch in Monte-Carlo auf dem majestätisch am Mittelmeer gelegenen Tennisplatz, sein Halbfinale bei dem Turnier der Masters-Serie verlor er jedoch. Wieder bezwang ihn der kompromisslose Südtiroler Jannik Sinner, der sich dann im Finale gegen den Spanier Carlos Alcaraz durchsetzte und die neue Nummer eins der Welt ist. Zverev, enttäuscht von der achten Niederlage in Serie gegen den Italiener, hatte nicht viel Zeit zum Verarbeiten, schon an diesem Montagmittag schreitet er, umringt von fünf Sicherheitskräften, aus dem Klubhaus des MTTC Iphitos in München. Nichts Ungewöhnliches im Leben des Alexander Zverev.

Er ist bei den BMW Open, die aufgewertet wurden und seit vergangenem Jahr zur Kategorie der 500er-ATP-Veranstaltungen (der Sieger erhält 500 Weltranglistenpunkte) zählen, der Titelverteidiger und oberster Werbeträger. Nach einer Trainingseinheit mit dem früheren Profi Matthias Bachinger, den er für diese Woche als Hitting-Partner wie im Vorjahr gebucht hat, taucht Zverev im Medienzentrum auf, das sich, so ändern sich die Zeiten hier, nicht mehr auf der Anlage zu finden ist – sondern im benachbarten Max-Planck-Institut, nur einen halben Marathonlauf entfernt.

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So dreht sich für Tennisprofis das Hamsterrad auf der Profitour weiter, immer weiter. Zverev wirkt gut gelaunt, entspannt, in sich ruhend. Er strahlt sogar unterschwellig Neugierde aus, Neugierde auf einen Spieler, den er gut kennt. Wie sich wohl dieser Alexander Zverev in dieser Saison weiterhin entwickeln wird? Darauf ist er besonders gespannt.

28 Jahre ist Zverev inzwischen alt, und die große Aufgabe, die weiterhin ja ungelöst auf ihn wartet, ist das Erringen eines Sieges bei einem Grand-Slam-Turnier. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Weltranglisten-Dritte Anfang der Saison daher etwas Ungewöhnliches getan: Er ist über seinen eigenen Schatten gesprungen und befolgte das, was ihm seriöse Experten jahrelang als Rat herantrugen. Er, der 1,98 Meter große Hüne, möge doch sein Spiel aggressiver gestalten. Am Griffigsten formulierte ein gewisser Roger Federer diese Anregung, als er einmal sprach: „Ich sehe einen Spieler, der viel zu passiv und viel zu defensiv spielt, wenn es am meisten darauf ankommt.“

Zverev ist derzeit der weltweit beste Spieler – wenn es nur die Spaßverderber Sinner und Alcaraz nicht gäbe

Und siehe, Zverev steht inzwischen, wie er bei seinen erfolgreichen Teilnahmen in Indian Wells, Miami und Monte-Carlo bewies, viel häufiger näher an der Grundlinie, sucht den schnelleren Abschluss, auch mit seiner Vorhand, die meist im Schatten seiner glanzvollen Rückhand steht. Sogar Stopps mit der beidhändigen Rückhand streut er ein, ans Netz rückt er vor, sein Volley ist tatsächlich sehr vorzeigbar. „Ich habe in den letzten zwei Monaten sehr viel Tennis in meinen Knochen, was positiv ist. Das heißt, ich bin weit gekommen“, sagt Zverev mit einem Hauch Zufriedenheit. Aber restlos beglückt klingt er eben nicht, das kann er bei seinem Anspruch nicht sein, zumal bei dem Status quo: Zverev ist derzeit der weltweit beste Spieler – wenn es nur nicht die Spaßverderber Sinner und Alcaraz gäbe, die ob ihrer Dominanz in der Branche Sincaraz genannt werden, als seien sie ein einziges Wesen, das die anderen schikaniere.

„Ich verliere in diesem Jahr nur gegen die beiden“, sagte Zverev, später korrigierte er sich selbst kurz. Gegen Miomir Kecmanovic verlor er ja in Acapulco im Februar, das fiel ihm noch ein, in München ist der Serbe an diesem Dienstag sein Auftaktgegner. Aber in Summe liegt Zverev richtig: Der 24-Jährige aus Sexten und der 22-Jährige aus El Palmar sind es, die unbesiegbar erscheinen. So geht es für Zverev in dieser Phase darum, seine eigene Rolle in diesem ungleichen Dreikampf zu finden. Er klagt nicht darüber. Wenn man ihn richtig verstanden hat, sieht er sich nun eben selbst als der lauernde Dritte.

„Ich werde wahrscheinlich keine Rekorde brechen“, sagte er Ende März in Miami: „Eines der Dinge, die mir aber wirklich wichtig sind, ist, mein Spiel so zu verbessern, dass ich einen Grand Slam gewinnen kann. Ich fühle absolut, dass ich dazu in der Lage bin.“ Und so, als glaube er an die Kraft der selbsterfüllenden Prophezeiung, hatte er verkündet: „Ich fühle, dass es passieren kann – und auch passieren wird.“

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