GolfDer Spätblüher will in die Champions-Galerie

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Am ersten Tag lief noch nicht alles nach Plan, Matthias Schmid benötigte fast schon erwartungsgemäß etwas Zeit, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen.
Am ersten Tag lief noch nicht alles nach Plan, Matthias Schmid benötigte fast schon erwartungsgemäß etwas Zeit, um sich an die Bedingungen zu gewöhnen.
Christian Kolbert/Imago
  • Bei den BMW Open in Eichenried ruhen die deutschen Hoffnungen auf Matthias Schmid, der kürzlich bei der PGA Championship den geteilten vierten Platz belegte.
  • Der 28-jährige Regensburger will dem bisher einzigen deutschen Sieger Martin Kaymer folgen, der 2008 in Eichenried triumphierte.
  • Bundestrainer Ulrich Eckhardt sieht Schmid als „Spätblüher“ und „Stehaufmännchen“, der Zeit braucht, sich an neue Bedingungen zu gewöhnen.
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Bei den BMW International Open ruhen die deutschen Hoffnungen auf Matthias Schmid. Der Regensburger Golfprofi schrammte kürzlich knapp an einem Major-Titel vorbei und will in Eichenried dem einzigen deutschen Sieger Martin Kaymer folgen.

Von Ralf Tögel

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Wahrscheinlich wusste Matthias Schmid ganz genau, dass er sich einen kleinen Fauxpas geleistet hatte. Wenn er durch das Klubhaus in Eichenried laufe, so berichtete der Golfprofi, dann sehe er immer die Bilder von Bernhard Langer und Martin Kaymer an der Wand – und verspüre den dringenden Wunsch, „dass ich auch gerne dazugehören würde“. Der 28-Jährige bezog sich auf die Porträts der Sieger, das Konterfei von Langer allerdings ist dort nicht zu finden. Fünfmal ist Langer bei den BMW International Open Zweiter geworden, ein Turniersieg blieb ihm verwehrt. Vor zwei Jahren nahm der Anhausener im Alter von 66 endgültig Abschied von Eichenried, die Münchner Open waren sein letztes Turnier in Europa.

Schmid, den alle Matti rufen, meinte etwas anderes: Langer, der 1985 und 1993 das US-Masters gewonnen hat, und Kaymer (PGA Championship 2010 und US Open 2014) sind die einzigen beiden Deutschen, denen Siege bei einem der vier Major-Turniere gelangen, der Höchsten aller Weihen im professionellen Golfsport. Und in diesen exklusiven Klub möchte auch Matti Schmidt einziehen.

Dass er das Zeug dazu hat, trauen ihm nicht nur viele Fachleute zu, er hat es erst kürzlich eindrucksvoll bewiesen. Im Mai sah er auf dem Aronimink Golf Course in Newtown Square, Pennsylvania, lange wie der Sieger der PGA Championship aus, an Loch 14 wähnte er sich noch in Führung. Doch als er auf das Leaderboard schaute, musste er mitansehen, dass der spätere Sieger Aaron Rai mit einer überirdisch guten letzten Runde vorbeigezogen war. Schmid belegte letztlich den geteilten vierten Platz. Ein herausragendes Ergebnis, aber eben kein Major-Sieg. Für die BMW International Open nun, dem von Schmid geschätzten Heimturnier, hat der Regensburger ein klares Ziel formuliert: „Das ist eines von den klassischen Turnieren auf der European Tour und für mich das beste. Es ist nicht wie bei einem klassischen PGA-Turnier, da spiele ich um Punkte. Hier geht es nicht um die Top-Ten, sondern nur um den Sieg.“

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Eine selbstbewusste Ansage für eine schwere Aufgabe. Denn die Konkurrenz auf dem 18-Loch-Platz nahe München ist traditionell erstklassig. Allen voran der achtmalige LIV-Tour-Champion Joaquin Niemann aus Chile, die Spanier Eugenio Chacarra und Sergio García, der US-amerikanische Masters-Sieger Patrick Reed und der Österreicher Bernd Wiesberger wollen bei den drei Millionen Dollar Preisgeld ein Wörtchen mitreden. Natürlich ist auch Kaymer zu nennen – nach wie vor einzige Deutsche, dessen Porträt im Klubheim zu finden ist. 2008 triumphierte der mittlerweile 41-Jährige in seinem Heimatland, neben seinen Major-Siegen war Kaymer auch die Nummer eins in der Weltrangliste. Für das aktuelle Turnier hat er seine Ziele indes bescheidener formuliert: „Es geht darum, die richtigen Schläge zur richtigen Zeit zu zeigen, das hat ja schon einmal ganz gut geklappt.“ In jüngerer Vergangenheit, auf seiner Heimat-Tour, der LIV Tour, hatte Kaymer immer wieder mit Verletzungen an Schulter und Ellenbogen zu kämpfen. Er werde er sich daher nicht zu viel Druck machen.

Martin Kaymer war kurz vor Turnierstart noch bei Dr. Müller-Wohlfahrt, um sich Schulter und Ellbogen spritzen zu lassen

Kurz vor dem Turnier war er noch in München beim Arzt, erzählt Kaymer, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt habe ihm ein paar Spritzen verpasst: „Ich fühle mich gut, das ist ein Vorteil im Vergleich zu den vergangenen drei, vier Jahren.“ Wie er eine gute Turnierwoche definiere? „Wenn ich gewinne“, sagt Kaymer mit der Erfahrung zweier Profi-Jahrzehnte, letztlich zähle nur das Ergebnis: „Ob ich 16. werde, interessiert hinterher kein Schwein.“

Das sieht natürlich auch Schmid so, dessen Siegchancen von der  Fachwelt deutlich höher eingeschätzt werden. Von Ulrich Eckhardt etwa, dem Bundestrainer der deutschen Golfer, er kennt Schmid, seit der als Achtjähriger erstmals mit seinem großen Talent auffällig wurde: „Interessanterweise hat es für ihn als Profi noch nicht zum Sieg gereicht, aber wenn man seine gesamte Karriere sieht, war es immer so, dass er ein bisschen Zeit gebraucht hat, um sich an die neue Arena zu gewöhnen.“ Damit meint Eckhardt, dass sich Schmid stets erst einmal akklimatisieren muss: „Er war schon immer ein Spätblüher“, sagt Eckhardt in Erinnerung an seine Zeit als Jugendtrainer im deutschen Golf-Verband, „er ist nicht gleich mit fünf Jugendmeisterschaften gestartet. Aber er wurde immer besser und hat viele Turniere gewonnen“.

Wo fliegt der denn hin? Martin Kaymer, bislang einziger Sieger der BMW International Open, tat sich schwer auf dem Platz in Eichenried.
Wo fliegt der denn hin? Martin Kaymer, bislang einziger Sieger der BMW International Open, tat sich schwer auf dem Platz in Eichenried.
Luke Walker/Getty Images

Bei den BMW International Open, so glaubt Eckhardt, „wird er um den Sieg spielen. Hier fühlt er sich wohl, er spielt den Platz gerne und er kann zu Hause schlafen“. Letzteres sei kein zu unterschätzender Vorteil, glaubt der Bundestrainer. Schmid habe neben einer Wohnung in Florida mittlerweile auch eine in München. Zudem zeichne seinen früheren Schützling eine besondere Ruhe auf dem Platz und in seinem Spiel aus, sowie eine besondere Resilienz: „Ich kenne niemand, der sportlich so viele Nackenschläge hinnehmen musste, auch schon als Jugendlicher.“ Etwa als Eckhardt höchstselbst ihn sowohl in der Jugend als auch später bei den Männern nicht für die EM berücksichtigt habe: „Er war Ersatzmann“, erzählt Eckhardt, was Schmid aber nicht als Rückschlag, sondern als Motivation gesehen habe: „Matti wirft nie die Flinte ins Korn, ihn spornt so etwas an, das ist seine größte Qualität. Matti ist ein Stehaufmännchen vor dem Herrn, es gibt kein Aufgeben für ihn, das ist immer wieder toll zu sehen.“

Der Hochgelobte selbst stimmt dem zu: „Ich glaube, dass mein Spiel immer noch etwas davon abhängig ist, wie die Bedingungen sind und ob sie mir liegen.“ Bei der PGA Championship habe er „eine super Woche gehabt, die Grüns gut gesehen, gut geputtet und das Turnier mit einem sehr guten langen Spiel gematcht“. Wenn er seinen „Speed auf den Platz“ bringe, dann ist mit ihm zu rechnen, egal auf welchen Fairways dieser Welt. Dass er Zeit benötige, um sich an die Gegebenheiten zu gewöhnen, das, sagt er, „würde ich gerne deutlich konstanter halten und all around ein besserer Spieler werden.“ Für die BMW International Open indes hat er einen recht simplen Plan: „Rausgehen und spielen, das wird schon.“

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