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"Blood Rule" im Reitsport:"Da gibt es natürlich die Reiter, die wirklich mit dem Sporen ins Pferd hauen"

Weder Hello Forever noch Comme il faut waren schlimm verletzt. Die kleinen Pikser sind gleichwohl unangenehm, wie jeder testen kann, indem er sich mit einem spitzen Gegenstand in die Haut sticht. Davon stirbt man nicht, auch nicht als Pferd. Aber die innige Harmonie zwischen Mensch und Tier, derer sich der Pferdesport so gerne rühmt, stellt man sich doch anders vor.

Niemand hat Marcus Ehning oder Scott Brash unterstellt, ihr Pferd mutwillig verletzt zu haben. "Da gibt es natürlich die Reiter, die wirklich mit dem Sporen ins Pferd hauen. Und feine Reiter wie Marcus Ehning, bei denen eine Disqualifikation eben einfach nicht gerechtfertigt ist", sagt Bundestrainer Otto Becker: "Wenn einer sein Pferd richtig aufgestochen hat, muss er raus." Im übrigen stelle sich die Frage, ob ein Reiter nicht lediglich eliminiert werden soll anstatt gleich disqualifiziert. Der Unterschied: Im ersten Fall werden die bisherigen Ergebnisse gewertet, also etwa Ehnings erste fehlerlose Runde, im Zweiten verfallen die Resultate beider Umläufe.

Sporen sind ein uraltes Hilfsmittel in der Reiterei, um die Wirkung des Unterschenkels zu verstärken. Im Mittelalter wurden sie mit scharfen Rädchen versehen, bei denen Verletzungen fast unausweichlich waren. Die Zeiten haben sich geändert. Heute gibt es unzählige Sporenformen, mit sich drehenden Rädchen, mit glatten Kanten und mit so stumpfen, abgerundeten Enden, dass auch unbeabsichtigte Stichverletzungen nahezu ausgeschlossen sind. Vielleicht sollte man an dieser Stelle beginnen, die Regeln zu ändern. Bevor Blut fließt.

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