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Bielefeld gewinnt:Arminius wäre stolz

Arminia Bielefeld - SC Freiburg

Bielefelds Torschütze Okugawa (l.) und Bielefelds Arne Maier feiern das Tor zum 1:0.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Mit einer disziplinierten und strategischen Leistung gewinnt Arminia Bielefeld 1:0 gegen den SC Freiburg. Der Klassenverbleib ist weiter möglich - Sportdirektor Samir Arabi fühlt sich in seinem Trainerwechsel bestätigt.

Von Ulrich Hartmann, Bielefeld/München

"Niemand erobert den Teutoburger Wald!", lautet in Bielefeld ein beliebter Schlachtruf. Er nimmt ironisch Bezug auf das Jahr 9 nach Christus, als germanische Truppen unter der Führung des Chefstrategen Arminius in Ostwestfalen die als favorisiert geltenden römischen Legionen besiegten.

"Niemand erobert den Teutoburger Wald", sagte im leeren Fußballstadion am Freitagabend auch der Stadionsprecher, bevor Arminia Bielefelds Spiel gegen den SC Freiburg begann. Man weiß nicht, wie zufrieden der alte Arminius grundsätzlich mit den Leistungen des nach ihm benannten Fußballvereins wäre, aber man kann davon ausgehen, dass Profifußball im 21. Jahrhundert taktisch auch anspruchsvoller ist als blutige Schlachten zu Beginn der Zeitrechnung. Mit einer ausgebufften 3-5-2-Strategie wie jener der Freiburger hätten auch römische Heere ihre Probleme gehabt.

Arminias Fußballer haben gut zweitausend Jahre nach dem Triumph von Arminius bei der berühmten Varusschlacht am Freitagabend trotzdem einen vergleichbar bedeutsamen Sieg errungen. Erstmals seit dem 20. Januar haben sie wieder ein Heimspiel gewonnen. Erstmals seit dem 23. Januar haben sie wieder ein Heimtor geschossen - wobei sie es genau genommen gar nicht selbst geschossen haben. Es wird ihnen aber trotzdem angerechnet. Und so bringt der mühsame 1:0 (0:0)-Sieg gegen Freiburg drei Punkte und neue Hoffnung im Kampf um den Klassenverbleib.

8:02 Stunden nach dem zuvor letzten Treffer auf der Alm beim 1:5 gegen Frankfurt am 23. Januar erzwang der Japaner Masaya Okugawa in der 68. Minute mit einer scharfen Hereingabe ein Kopfball-Eigentor des Freiburgers Baptiste Santamaria. Japaner und Franzosen haben bei der Varusschlacht eher keine relevanten Rollen gespielt, aber in der Auftaktpartie des 28. Spieltags übernahmen sie die Funktionen des Glückspilzes und des Pechvogels.

"Schon wieder so 'ne abgefälschte Murmel", klagte der Freiburger Christian Günter, nachdem Santamaria bereits im vorherigen Spiel beim 1:2 in Mönchengladbach eine Murmel zum 1:1 ins eigene Tor abgefälscht hatte. Doch während so etwas den Breisgauern im gesicherten Mittelfeld nichts mehr anhaben kann, feierten die Bielefelder die tatkräftige Hilfe ihres Gegners überschwänglich. Dadurch bleiben sie im engen Kampf um den Klassenverbleib im Rennen.

Sechs Spiele haben die Ostwestfalen mittlerweile absolviert, seit ihr vormaliger Trainer Uwe Neuhaus durch Frank Kramer ersetzt wurde. Zwei Siege und zwei Unentschieden hat die Mannschaft unter Kramer verbucht. Das sind acht durchaus respektable Punkte. Trotzdem bleibt die Frage, ob dieser Trainerwechsel wirklich nötig war.

Der Bielefelder Ballbesitz ist deutlich weniger geworden

Der Sportdirektor Samir Arabi, der maßgebliche Initiator dieses Trainerwechsels, findet: ja. "Die Flut von Gegentoren hatte uns weh getan", sagte er am Freitagabend im Halbzeit-Interview beim Sender Dazn über jene 17 Gegentore, die die Arminia in den letzten fünf Spielen unter dem Trainer Neuhaus zugelassen hatte. "So viele Gegentreffer können am Ende mitentscheidend sein, und das hat sich ja schon mal verbessert."

Tatsächlich: Unter Kramer hat die Mannschaft in ihren ersten sechs Spielen nur fünf Gegentore zugelassen. Das ergab sich aus einer deutlich abwartenderen Haltung. Der Bielefelder Ballbesitz ist im Vergleich zum Fußball unter Neuhaus deutlich weniger geworden. "Das ist die Basis", sagt Kramer über das Verhindern von Gegentoren - bei gleichzeitigem Bemühen um eigene Treffer. "In dieser Hinsicht hatten wir eine gewisse Balance", sagte er über die Partie gegen jene Freiburger, deren Offensivbemühungen aber auch überschaubar wirkten. Zugegeben: In den gelbgesperrten Ermedin Demirovic und Lucas Höler sowie dem Corona-gesperrten Vincenzo Grifo fehlte ihnen dazu auch qualifiziertes Personal.

Und so bleibt Bielefeld voller Hoffnung. Den Teutoburger Wald werden im Gegensatz zu den alten Römern auch weiterhin Klubs wie Bayern München, RB Leipzig oder Borussia Dortmund erobern - aber genau dazu wollen ihnen die Arminen mit dem Klassenverbleib ja auch in der kommenden Saison Gelegenheit geben.

© SZ/schm/bkl/and
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