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Bielefeld - 1860 :Flüchtiger Augenblick

Arminia Bielefeld - TSV 1860 München

Erstes Spiel, erster Treffer: Der dänische 1860-Angreifer Christian Gytkjaer (links, gegen Bielefelds Julian Börner) konnte die Niederlage auf der Alm aber auch nicht verhindern.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Gytkjaers schönes Tor ist zu wenig: Mit vier Zugängen in der Startformation verliert der TSV 1860 München bei leidenschaftlichen Bielefeldern 1:2.

Es war in seiner Entstehung und der Ausführung ein herrlicher Treffer, wie es ihn in der zweiten Liga nicht oft zu sehen gibt. Amilton ließ bei seinem Sololauf von der Mittellinie bis zum Strafraum eine ganze Reihe Bielefelder stehen, spielte zu Romuald Lacazette, der den Ball sofort auf Christian Gytkaer weiterleitete, und der Stürmer traf trotz Rücklage ins entfernte Eck. Es war die 13. Spielminute, das 1:1. Es war ein flüchtiger Augenblick. In diesem Moment wusste man, wie das neue Sechzig aussehen soll. Über die restliche Spielzeit war hingegen nur zu betrachten, wie weit die Mannschaft noch davon entfernt ist. Am Ende verloren die Münchner 1:2 (1:2) bei leidenschaftlichen Bielefeldern, die in der Tabelle bis auf zwei Zähler an den TSV 1860 heranrückten - und ihn dadurch wieder tief in den Abstiegskampf zogen. Die Arminia schob sich auf Platz 16, die Löwen stehen auf Rang 14.

"Im Fußball kann man nicht immer gewinnen", erklärte der neue 1860-Trainer Vitor Pereira. "Dass ich in der zweiten Hälfte aber eine bessere Leistung meiner Mannschaft als beim Sieg gegen Fürth gesehen habe, hat mich gefreut." Pereira hat noch nie von Abstiegskampf gesprochen, stattdessen vom Aufbau einer Mannschaft, die in der kommenden Saison aufsteigen soll. Dementsprechend nominierte er alle vier Winterzugänge, die im Kader standen, für die Startformation: Abdoulaye Ba spielte im Zentrum der Abwehr-Dreierkette anstelle von Jan Mauersberger; Lumor im linken Mittelfeld, Maximilian Wittek rückte nach rechts; Amilton als rechter Außenangreifer und Christian Gytkjaer als Mittelstürmer für Ivica Olic, der auf den linken Flügel wechselte. Kapitän war Daniel Adlung, nachdem Stefan Aigner von dem Amt zurückgetreten und nicht in den Kader nominiert worden war. Die vom Abstieg bedrohten Bielefelder begannen mutig und druckvoll - und wurden schnell belohnt. Eine Kopfballabwehr von 1860-Verteidiger Felix Uduokhai in die Mitte landete bei Fabian Klos, der zum 1:0 traf (11.). Die Löwen antworteten umgehend durch Gytkaer (13.), und ihre Führung durch einen Flachschuss von Amilton verhinderte Bielefelds Torhüter Wolfgang Hesl (27.). Die mitgereisten Anhänger jubelten allerdings nicht den Winterzugängen und der Klubführung zu, sie sangen "Stefan Aigner" und "Wir sind der Verein". Und dann war die spielerische Herrlichkeit der Sechziger auch schon wieder vorbei. Durch einen slapstickhaften Treffer gerieten sie erneut in Rückstand. Im Strafraum herrschte ein heilloses Durcheinander, Schüsse von Christopher Nöthe und Reinhold Yabo wurden geblockt, der Ball sprang herum wie eine Flipperkugel, und der einzige, der den Überblick behielt, war Klos. Als ihm der Ball vor die Füße sprang, erzielte er seinen zweiten Treffer an diesem Abend (38.). Nach dem Seitenwechsel war die Partie nicht mehr so unterhaltsam wie zu Beginn. Bielefeld verlegte sich aufs Verteidigen und hatte sich taktisch sortiert, die Münchner kamen nicht mehr zu Torchancen. Nach einer knappen Stunde reagierte Pereira und brachte Michael Liendl für Adlung, kurz darauf noch Daylon Claasen für Olic. Doch Ideen, wie sie zu Möglichkeiten kommen sollten, hatten die Löwen auch weiterhin nicht. Für Bielefeld hätte Tom Schütz auf 3:1 erhöhen können, doch nach einem Konter verfehlte er das Tor in der 68. Minute knapp. Zehn Minuten später kam bei Sechzig in Ribamar ein weiterer Stürmer für den defensiven Mittelfeldspieler Lacazette - auch diese Maßnahme blieb ohne Erfolg.

"Wir spielen das erste Mal in der Konstellation. Da kann nicht alles klappen", sagte Adlung nach der Partie. "Wir müssen mutiger spielen." Die nächste Partie gegen den Tabellen-15., den Karlsruher SC, wird erneut eine richtungsweisende für die Löwen. Am Mittwoch (18.30 Uhr) müssen sie allerdings zunächst im Pokal-Achtelfinale beim Drittligisten Sportfreunde Lotte antreten. Man könnte es als Terminstress empfinden - oder als Möglichkeit für die völlig neu formierte Mannschaft, sich einzuspielen. Bei Gytkjaers Tor hatte es ausgesehen, als sei das nicht nötig. Aber der Moment täuschte.