Süddeutsche Zeitung

Bibiana Steinhaus:Abpfiff für die Pionierin

Die Schiedsrichterin beendet ihre Bundesliga-Karriere. Private Gründe sollen den Ausschlag gegeben haben - und eine veränderte Sicht auf die Prioritäten des Lebens.

Vor drei Jahren, im September 2017, trat Bibiana Steinhaus auf den Rasen des Berliners Olympiastadions "in dem Wissen, Geschichte zu schreiben". Das Debüt der ersten Schiedsrichterin in der Geschichte der Fußball-Bundesliga wurde damals weltweit beachtet. "Es war ein langer Weg", sagte die 41-Jährige zuletzt rückblickend im Interview mit der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes. Dieser lange Weg ist nun aber überraschend früh zu Ende. Der DFB bestätigte am Mittwoch, dass das deutsche Supercup-Finale am Abend zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) das letzte große Spiel in der Karriere der Schiedsrichterin Steinhaus sein sollte - und dass sie auch in der Bundesliga in Zukunft nicht mehr auflaufen werde.

"Wie viele Menschen in der Zeit der Corona-Situation habe ich manches reflektiert und neu bewertet", wurde Steinhaus zitiert. Nach einem Gespräch mit Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich habe sie "nach sorgfältiger Abwägung vieler Faktoren" entschieden, ihre Laufbahn zu beenden. "Der deutsche Fußball muss künftig nicht nur auf eine herausragende Schiedsrichterin verzichten, sondern verliert auch eine außergewöhnliche Persönlichkeit und Pionierin in einer Männerdomäne", sagte DFB-Präsident Fritz Keller.

Offenbar sind vor allem private Gründe der Grund für den Rückzug, Steinhaus will sich "zu gegebener Zeit noch etwas ausführlicher äußern". Die Altersgrenze für Bundesliga-Referees liegt bei 47 Jahren, da hätte Steinhaus noch viele aktive Jahre vor sich gehabt. Bis heute ist die Polizistin aus Hannover die einzige Frau in der Schiedsrichter-Riege der Bundesliga. Zehn Jahre zuvor hatte sie in der zweiten Bundesliga debütiert. Die Berufung für den Supercup gilt als Auszeichnung für ihre starken Leistungen - und wohl auch als eine Art Abschiedsgeschenk.

Sechsmal wurde Steinhaus "Schiedsrichterin des Jahres", je dreimal vertrat sie Deutschland bei einer WM oder EM der Frauen. Seit vier Jahren ist sie mit dem ehemaligen englischen Fifa-Referee Howard Webb liiert, der aktuell in New York lebt. Dass sich die beiden wegen der Corona-Krise monatelang nicht sehen konnten, soll neben einer möglichen Familienplanung einer der Ausstiegs-Gründe sein.

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SZ vom 01.10.2020 / sid, dpa
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