Biathlon:Zittern und Jagen

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12.01.2022, Chiemgau Arena, Ruhpolding, GER, IBU Weltcup Biathlon, Sprint, Damen, im Bild Denise Herrmann (GER) // Deni

Denise Herrmann.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Anfangs in der Spitzengruppe, dann zurückgefallen und wieder zurückgekommen. Die Staffel birgt für die DSV-Frauen Licht und Schatten.

Von Volker Kreisl, Ruhpolding/München

Da waren sie wieder, die Zuckungen im Oberschenkel, das Zittern, das jeden Schuss zum Zufallstreffer macht, oder eben zu einem Loch im Lack, neben der Scheibe. Vanessa Hinz kämpfte, sie versuchte, ihre Beinmuskeln, ihren Gewehrlauf, ihre Hände zu beruhigen, aber es half nichts. Als zweite Läuferin in der Biathlon-Staffel von Ruhpolding hatte sie fast keine Chance mehr zu treffen. Muskeln und Gewehr ließen sich nicht beruhigen, am Ende konnte sie, wie sie später sagte, froh sein, dass sie nur eine statt fünf Strafrunden laufen musste, denn zurzeit sei das so: "Ich komme an den Schießstand und zittere nur mit den Beinen", sagte Hinz.

Das war der Tiefpunkt aus deutscher Sicht, in einem allerdings an starken Momenten der DSV-Läuferinnen reichen Rennen. Anfangs mit in der Spitzengruppe, dann zurückgefallen auf Platz 16 und am Ende als Vierte angekommen. Der Freitag hatte Vanessa Voigt, dann Hinz, Franziska Hildebrand und Schlussläuferin Denise Herrmann viel abverlangt. Schließlich hatten sie schon im Sprint am Anfang des Weltcups einen Rückschlag erlitten, als die Beste auf Platz 17 gelandet war, und die Staffel war die wohl beste, vielleicht vor den Olympischen Spielen sogar die letzte Möglichkeit, sich wieder das Selbstbewusstsein für Laufstärke und Präzision am Schießstand zu erarbeiten. Und letztlich gelang dies auch.

Denn die Leistungen abseits von Hinz' Muskelnähmaschine ließen nichts zu wünschen übrig. Voigt traf alle Scheiben, übergab als Vierte und bot sich abermals als Startläuferin an. Hinz gelang zumindest ein passabler erster Teil, Hildebrand lief ihr Tempo, schoss fehlerfrei und schickte Denise Herrmann als Neunte auf die abschließenden Runden. Auch sie war kaum wiederzuerkennen. Herrmann, zuletzt unsicher am Schießstand, nutzte die Chance, weiter aufzuholen und sich in einer Situation, in der nichts mehr zu verlieren war, weiteres Selbstvertrauen zu verschaffen. Liegend schickte sie alle Kugeln ins Schwarze, stehend benötigte sie einen Nachlader, und die letzte Runde nutzte sie zu einem klug eingeteilten Schlusssprint. Die Beste hinter dem Podium wurde sie noch, immerhin, ein Etappensieg.

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