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Single-Mixed-Staffel:Ein Rennen perfekt für Außenseiter

Biathlon WM Antholz

Ist ein schneller Schütze: Erik Lesser.

(Foto: dpa)

Jeder Wettbewerb findet Athleten, die zu ihm passen. Vielleicht muss man das so sehen, wenn am Donnerstag der Startschuss für die Single-Mixed-Staffel in Antholz fällt; denn mit ihr ist eine unübliche Geschichte verbunden, in der Erik Lesser die Hauptrolle spielt. Ohne die Single-Mixed-Staffel wäre der Verfolgungs-Weltmeister von 2015 womöglich ohne Start in Südtirol geblieben, nun bekommt er doch noch seine Chance.

Single-Mixed, das klingt in den Ohren Spontan-Biathlon-Interessierter noch immer ziemlich eigentümlich. 1958 gab es bei der WM ein einziges Rennen, nur 28 Männer nahmen teil - in Antholz werden nun zwölfmal Medaillen vergeben. Die Single-Mixed-Staffel feierte 2019 in Östersund WM-Premiere, bei den Athleten ist sie seit ihrer ersten Austragung im Weltcup von 2015 längst akzeptiert. Wer würde auch auf eine zusätzliche WM-Medaille verzichten?

"Eine gute Frau und einen guten Mann bringt fast jede Nation an den Start", sagte Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer mal, "deshalb kämpfen viele Teams um den Titel".

Das Spannungslevel freut das Fernsehen umso mehr, Beschwerden über den aufgeblähten Wettkampfkalander werden unter den Athleten nicht laut. Und weil jede der Runde nur 1,5 Kilometer lang ist, kommt nun auch Erik Lesser ins Spiel. Insgesamt muss er nur 7,5 Kilometer laufen.

Im vergangenen Sommer stürzte der 31-Jährige mit dem Mountainbike, das Schlüsselbein war gebrochen - und der Trainingsrückstand bald so groß, dass Lesser ihn in der Saisonvorbereitung und den gesamten Winter über nicht mehr richtig aufholen konnte. Die verbandseigene WM-Norm schaffte er nicht, wurde zwischenzeitlich sogar in den zweitklassigen IBU-Cup geschickt, um sich dort zu beweisen. Das Abdrücken mit den Skistöcken bereitet ihm auf den längeren Strecken noch immer Probleme, für die kurze Runde in der Single-Mixed-Staffel reicht es hingegen. "Meine Form ist völlig ausreichend und auch gut genug für die Single-Mixed-Staffel", sagt Lesser, "es darf nur nicht länger werden."

Lesser hat die passenden Fähigkeiten für die Single-Mixed-Staffel

Da sich die anderen deutschen Männer am Schießstand in Antholz zuletzt um alle Chancen brachten, profitiert auch der Deutsche Skiverband von Lesser: Wer Medaillen in der Single-Mixed-Staffel gewinnen will, muss möglichst sicher und vor allem auch schnell schießen können. Das hat der Mann aus Thüringen auch nach seinem Unfall nicht groß verlernt. "Er hat hart um seine Leistungen gerungen, um sich zu verbessern. Ich denke, dann hat er es auch verdient, dass man ihm die Möglichkeit gibt", sagt Bundestrainer Mark Kirchner. Deshalb wählte er ihn aus, um mit Franziska Preuß an den Start zu gehen. Erst am Sonntag ist Lesser zum Team gestoßen, lief vorher noch im 170 Kilometer entfernten Martell im IBU-Cup, als Emilien Jacquelin in Antholz Verfolgungs-Weltmeister wurde.

"Man hat schon gesehen, dass die ein oder andere Nation doch mehr auf die Single-Mixed setzt", sagte Kirchner am Mittwoch, manche Länder hätten deshalb auch Starter aus dem Einzel genommen, um Kräfte für die große Chance am Donnerstag zu bündeln. "Du kannst Erster werden, du kannst Zwölfter werden. Da liegt meistens nicht viel dazwischen", sagte Kirchner auch, was vor allem kleineren Nationen Hoffnungen auf Medaillen macht. In zwölf bisher ausgetragenen Rennen im Weltcup und bei Weltmeisterschaften beförderte die Single-Mixed-Staffel Sieger aus sechs verschiedenen Verbänden zu Tage, insgesamt zwölf Länder haben schon den Sprung aufs Podium geschafft, darunter Nationen wie Kanada, Kasachstan und Estland. Im Biathlon sonst eher eine Seltenheit.

Erwartungen kann man keine haben, weil ja alles passieren kann, sagt Lesser. Aber das wäre dann ja schon eine starke Nummer: Als Ersatzmann zum Team zu stoßen und tatsächlich eine Medaille zu gewinnen.

© SZ.de/tbr
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