Biathlon-WM Rennpferde unter sich

Holt ihr zweites Gold bei der Biathlon-WM in Hochfilzen: Laura Dahlmeier.

(Foto: dpa)
Von Saskia Aleythe, Hochfilzen

Laura Dahlmeier hat seit wenigen Tagen einen neuen Spitznamen. Es ist keiner, über den sich jede Frau uneingeschränkt freuen würde. Am Freitagnachmittag nach dem Sprint bei der Biathlon-WM in Hochfilzen sagte die Siegerin Gabriela Koukalova über die zweitplatzierte Deutsche: "Sie kann rennen wie ein Pferd." Doch Dahlmeier war das ganz recht, uneitel kommentierte sie: "Ein schönes Kompliment. Besser, als als Schlange bezeichnet zu werden."

Laura Dahlmeier ist ja nicht irgendeine Frau, sondern Biathletin, und da geht das mit dem Rennpferd schon in Ordnung. Und sie ist gerade ein ziemlich glückliches: Beim Verfolgungsrennen am Sonntag schnappte sich Dahlmeier WM-Gold. "Das Rennpferd ist heute wieder galoppiert", sagte sie danach strahlend am ZDF-Mikrofon, "ein Traum geht in Erfüllung, spitze".

Diese Weltmeisterschaften scheinen genauso weiterzugehen, wie die WM vor einem Jahr in Oslo geendet hatte: Wann immer sie an den Start geht, holt die 23-Jährige eine Medaille. Am Donnerstag Gold mit der Mixed Staffel, am Freitag Silber im Sprint, nun also das erste Gold in einem Einzelrennen in Hochfilzen. Und das für eine, die von sich selber sagt: "An Medaillen orientiere ich mich nicht." Das perfekte Rennen zu laufen, fehlerfrei am Schießstand zu bleiben - das ist es, was Dahlmeier von sich erwartet, und was dann dabei herauskommt, ist Nebensache. Kann man natürlich so sehen als Rennpferd: Läuferisch ist sie kaum zu schlagen.

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Mit vier Sekunden Rückstand auf die Tschechin Koukalova startete sie in das Verfolgungsrennen am Sonntagvormittag, eine Winzigkeit in diesem Sport. Schon nach ein paar Minuten zog die Deutsche an Koukalova vorbei, führte das Feld dann souverän an: Beim ersten Schießen ließ sie eine Scheibe stehen, konnte aber trotzdem davon ziehen, weil Koukalova doppelt patzte. In der Folge blieb sie zwei Mal fehlerfrei, beim vierten und letzten Besuch am Schießstand sah die Situation dann so aus: Dahlmeier traf erneut alles, hatte Gold aber noch nicht sicher. Denn hinter ihr ging mit Daria Domratschewa ein anderes Rennpferd auf die Schlussrunde, mit 8,6 Sekunden Rückstand. Dass die Weißrussin so weit vorne lag - das war eine große Überraschung.

Erst vor einem Monat war Domratschewa in den Weltcup zurückgekehrt, erst vier Monate liegt die Geburt ihrer Tochter Xenia zurück - dass die ehemalige Gesamtweltcupsiegerin schon wieder an einer WM teilnimmt, ist eine enorme Leistung für sich. Auf der Schlussrunde verlor sie zwar noch ein paar Sekunden auf Dahlmeier, kam aber als Zweite ins Ziel - WM-Silber für die junge Mutter. So schnell wie Domratschewa war im gesamten Rennen nicht mal Dahlmeier unterwegs gewesen, für die Frau von Ole Einar Björndalen gab es die Lauf-Bestzeit. Sie waren Rennpferde unter sich auf dem Podium: Gabriela Koukalova schaffte es trotz drei Fehlern noch auf den Bronzerang.

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