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Biathletin Franziska Preuß:Endlich gesund

Biathlon - WM Pokljuka

Immer besser in Schuss: Franziska Preuß rechnet sich für den WM-Wettkampf am Dienstag auf der Pokljuka gute Chancen aus.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Franziska Preuß erlebt einen Winter wie noch nie: Auch durch die Corona-Hygienemaßnahmen blieb sie in dieser Saison von den üblichen Infekten verschont und zeigt sich besonders auf der Strecke in überzeugender Form.

Von Saskia Aleythe, Pokljuka

Nein, keine Sorge: Schwebend ist Franziska Preuß noch nicht unterwegs. Es ist schon noch regelkonform, wie sie die Hügel hinaufspurtet in der Biathlon-Arena in Slowenien, wie sie runtersaust und wieder hoch, Runde um Runde, immer volle Power. "Irgendwie geht es gerade leicht", sagt sie selber und klingt dann fast entschuldigend, "das hört sich jetzt blöd an", aber warum eigentlich? Klar, man könnte jetzt wieder hadern mit dem ein oder anderen Fehlschuss bei dieser WM, dass es noch nicht mit einer Medaille klappte - oder froh sein über das, was passt. "So gut war ich glaub ich noch nie beim Höhepunkt", sagt Preuß. Und das liegt auch an der Corona-Situation.

Preuß, 26, ist ja eine, die die Krankheiten in den vergangenen Jahren regelmäßig erwischt haben. Was an Viren und Bakterien herumschwirrte, hatte sie sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer schnell eingefangen. "Das ist mein erster Winter, in dem ich mal beschwerdefrei durchkomme", freut sie sich, vorsichtig, sie will nichts beschreien. Die Hygiene-Maßnahmen, die zur Eindämmung des Coronavirus gesellschaftskonform geworden sind, kommen ihrem Immunsystem zugute, der ganzen Mannschaft, logisch. Doch vor allem merkt Preuß gerade, was sie auf der Loipe wirklich leisten kann, wenn mal kein Infekt dazwischenfunkt.

Platz acht und fünf konnte Preuß beim WM-Start verbuchen, in den beiden Einzelrennen war sie zwei Mal mit der fünftschnellsten Laufzeit unterwegs, kaum mehr als 13 Sekunden trennten sie in der Verfolgung von der Besten. "Das macht mir auf der Strecke voll Spaß gerade. Wenn man merkt, man hat richtig Zug drauf", sagt sie. Früher musste sie viel mentale Energie "für eine Krankheit rauspulvern", es kostet ja Kraft, sich danach immer wieder aufzurichten, die Rückstände aufholen zu müssen. Diesen Winter kann sie sich alle Reserven für die Wettkämpfe aufsparen, eine "coole Situation", findet sie. Und eine, die ihren Fähigkeiten womöglich endlich gerecht wird.

Eine "große Karriere" hatte ihr der ehemalige Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig einst prognostiziert, ihr Name fiel oft nur wenige Atemzüge nach dem von Laura Dahlmeier: Schon bei der WM 2015 in Kontiolahti lief Preuß zu Silber im Massenstart, da war sie gerade erst 21 geworden. Gold mit der Frauen-Staffel kam damals noch dazu, Preuß schnappte sich sogar die Kristallkugel in der Massenstart-Wertung des Gesamtweltcups - und dann wurde es holprig. Hier eine durchtrennte Sehne im Daumen - zugezogen beim Avocado-Schneiden - dort ein Haarriss im Steißbein nach einem Sturz, und dann immer wieder die Probleme mit den Nasennebenhöhlen. Dahlmeier gewann 2017 fünf Mal Gold in Hochfilzen, Preuß lag mit Grippe im Bett. Eine stundenlange OP an den Nebenhöhlen folgte, danach war sie erst mal so geschwächt, dass schon eine halbe Stunde Joggen das Maximum war. Auch vor der WM in Antholz vor einem Jahr war wieder eine "Doktor-Rallye" angesagt, mit auskurierten Bronchien wurde sie noch gerade so fit. Und hat schließlich im Sommer noch eine andere Grundlage für die jetzigen Erfolge gelegt: Preuß wechselte zurück zu ihrem Jugendtrainer Tobias Reiter. "Bei ihm bin ich als Sportler groß geworden", sagt sie, vor allem eines war ihr wichtig: Dass sie beide dieselbe Philosophie teilen.

Preuß braucht auch im Training im Sommer die Nähe zum Biathlon, sie will viel Ski-Roller fahren und mit der Waffe im Stadion arbeiten, sich mit Anstiegen, Abfahrten und der richtigen Kurventechnik befassen. "Ich habe vorher schon gemerkt, wenn man da einen Schwerpunkt setzt, trägt das immer gleich Früchte", sagt sie. Auch auf den Ausbau der Kraftausdauer hat sie ihren Fokus gelegt und bei der Arbeit mit Reiter vor allem das Gefühl gehabt, "dass es einen roten Faden gab von Anfang bis zum Ende. Auf dem Niveau, wo wir uns bewegen, ist das sehr wichtig." Reiter war bis 2018 Co-Trainer an der Seite von Hönig, seit vergangenem Jahr betreut er am Stützpunkt in Ruhpolding den Perspektivkader der deutschen Frauen. Und eben Preuß.

Schon die ganze Saison über hat sie nun Fortschritt gespürt, wie es auf den Skiern manchmal wie von selbst ging. Neun Top-Ten-Plätze konnte Preuß vor dieser WM erreichen, sie stand zwei Mal auf dem Podium und hat Denise Herrmann als beste Deutsche abgelöst. "Selbstvertrauen kommt immer mit einer guten Leistung", sagt Preuß, und davon profitiert sie im Moment. Weil sie eigentlich schon immer gewieft mit der Waffe umgegangen ist, machen ihr auch die Fehler aus den bisherigen Rennen nicht allzu viel Sorgen. Nicht mal der Wackler beim Stehendschießen im Sprint, als sie für den letzten Schuss fast eine halbe Minute brauchte. Preuß versucht, das schnell aus dem Kopf zu bekommen, es gar nicht zum Thema werden zu lassen.

Vor einem Jahr war der Schießstand auf der Pokljuka der letzte Test vor der WM, Preuß traf im Einzel 20 von 20 Scheiben. "Die Ausgangsposition ist gut", sagte sie am Montag, selbstbewusst: "Ich freue mich jetzt richtig auf Dienstag."

© SZ/schm
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