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Biathlon-WM:Abschied von den Jubel-Jahren

Biathlon: Weltmeisterschaft

LIchtblick in der Düsternis: Arnd Peiffer holte die einzige WM-Medaille für die deutschen Männer.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Abseits von Arnd Peiffer erleben die deutschen Männer enttäuschende Titelkämpfe in Pokljuka. Der Blick in die Zukunft ist nicht von Verheißungen gezeichnet.

Von Saskia Aleythe

Es gibt Dinge im Leben, die man besser vermeidet. Nach einer durchzechten Nacht in den Spiegel zu gucken zum Beispiel; auch der Blick auf die Startliste des Massenstarts im Biathlon kann ähnliche Gefühle auslösen. Nur die Besten der Saison dürfen antreten, dazu kommen die, die bei der WM besonders erfolgreich waren. Und wenn man nun am Sonntag nur Arnd Peiffer und Benedikt Doll auf den Julischen Alpen skaten sah, dann lag man mit der Vermutung nicht falsch: Es gab schon bessere Zeiten im deutschen Biathlon.

Nur ein Mitbringsel kann der Deutsche Ski-Verband (DSV) nach zwei Wochen in Slowenien von der Männer-Sparte vorzeigen: Silber von Peiffer im Einzel. Nicht mal Holzmedaillen kamen dazu, nur ein weiterer Platz in den Top Ten. "Man trainiert so viel, und es kommt so wenig dabei rum", sagte Doll nach dem abschließenden Massenstart, er wurde mit sechs Fehlern 23.; Peiffer (12./drei Fehler) hatte schon vorab auf die ohnehin durchwachsene Saison verwiesen. "Man kann die Erwartungen nicht höher stecken als es die Ergebnisse im Weltcup vorher gezeigt haben", findet der 33-Jährige, und da waren in 15 Rennen nur vier Podiumsplätze zustandegekommen.

"Die Erwartungen sind natürlich hoch, wobei man häufig an den besten Jahren gemessen wird und nicht an den durchschnittlichen Jahren", sagte Peiffer noch, "ich glaube, mit so einer WM wie in Hochfilzen oder Olympia in Pyeongchang, wo wir wirklich viele Medaillen gewonnen haben, das ist auch nicht die Norm, das waren eher Ausreißer nach oben." Norwegen, Schweden und Frankreich sind enteilt, die Jubel-Jahre der deutschen Männer vorbei - diesen Zustand haben sie jetzt akzeptiert. Und der Blick in die Zukunft ist nicht von Verheißungen gezeichnet.

Das tiefergehende Problem im deutschen Team: Da ist niemand, der nach oben drängt

Am Samstag waren Athleten aus Japan und Moldau am Staffel-Startläufer Erik Lesser, 32, vorbeigezogen; als 20. übergab er an Roman Rees, der Rückstand betrug 1:23 Minuten auf die führenden Norweger. In den WM-Wochen hatten Rückenprobleme Lesser geplagt, er selber sprach nach dem Totalausfall nicht mehr und schickte den Mannschaftsarzt vor die Mikrofone. "Ihm geht's so weit ganz gut, zumindest körperlich", sagte Jan Wüstenfeld im ZDF; ob er eine Erklärung für den Einbruch habe? "Spontan nicht." Bundestrainer Mark Kirchner hätte bei der Nominierung einzig auf Johannes Kühn ausweichen können. Der 29-Jährige ist zwar mit schnellen Beinen gesegnet, kam aber in Slowenien nur auf eine Trefferleistung von 72 Prozent. Und das deckt das tiefergehende Problem im deutschen Team auf: Da ist niemand, der nach oben drängt.

Spätestens 2023 werde es einen Umbruch im Team geben, sagt Bernd Eisenbichler, seit 2019 sportlicher Leiter der Biathleten. Peiffer, Doll und Lesser sind schon über 30, wer soll ihnen folgen? "Philipp Horn und Philipp Nawrath" fallen Eisenbichler ein. Horn gewann 2020 in Antholz Staffel-Bronze, er ist 26 Jahre alt, Nawrath 28. Sie treten gerade im IBU-Cup an, der Wettkampfserie unterhalb des Weltcups.

Die Prophezeiung klingt nun in etwa so vielversprechend, als würde Oliver Bierhoff Fußballer aus der zweiten Bundesliga als Hoffnungsträger der Nationalelf vorstellen. Solche, die schon dem Talentstatus entwachsen sind. Und dann fallen auch Sätze, die noch mehr aufhorchen lassen: "Wir müssen allgemein noch mehr Systematik reinbringen, die Trainingsausrichtung besser anpassen und vernetzen. Wir müssen diesen Wissenstransfer schaffen." Es scheint ganz so, als wäre die Abstimmung zwischen Nachwuchs- und Profikadern, gelinde gesagt: ausbaufähig.

© SZ/and/moe
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