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Weltmeisterschaft in Östersund:Was bei der Biathlon-WM wichtig wird

2019 IBU Biathlon World Championships Ostersund Previews

Geht in Östersund auf Medaillenjagd: Laura Dahlmeier.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Aufgrund von Krankheiten verpasste Laura Dahlmeier viele Rennen während der Saison. Ihre Form zum Höhepunkt der Saison - der WM - bleibt ungewiss.
  • Bei den Männern steht ein Machtwechsel an. Johannes Thingnes Bö macht Martin Fourcade die Titel streitig.
  • Das erste Rennen bei der Biathlon-WM im Liveticker.

Von Saskia Aleythe, Östersund

Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Östersund ist für die Biathleten bekanntes Terrain, jedes Jahr im Weltcup fest verankert. Die Athleten waren fast alle schon mal hier in dem Örtchen in Mittelschweden, doch wer Anfang dieser Woche für den WM-Start an diesem Donnerstag aus dem Flieger stieg, wurde von etwas ganz Neuem begrüßt: Licht. Sonnenstrahlen! "Das ist wirklich etwas Besonderes", stellte Laura Dahlmeier mit geschultem Auge fest, solche Verhältnisse kennen ja nur jene , die 2008 schon bei der WM dabei waren - also die wenigsten. Normalerweise macht der Weltcup-Zirkus Ende November in Östersund Station, und da leuchtet dann nur mal zwischendurch die Winterlandschaft auf, meist außerhalb der Rennen. Und nun: Ganze elf Stunden Tageslicht! Der Blick liegt also frei - auch auf diese Themen, die die WM prägen werden.

Die Rätselhafte

Biathlon - Laura Dahlmeier bei der WM in Östersund

Das war’s: Biathletin Laura Dahlmeier bei der WM in Östersund.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Blaskapelle spielte, die Kutsche stand bereit: Vor einem Jahr bereitete Garmisch-Partenkirchen Laura Dahlmeier den ultimativen Empfang, als sie mit zwei Gold- und einer Bronze-Medaille von den Olympischen Spielen heimkehrte. Das sind schöne Erinnerungen an eine erfolgreiche Zeit, doch in der bisherigen Saison musste man dann doch oft fragen: Wo ist Laura Dahlmeier? Von 19 Einzelrennen im Weltcup-Kalender hat sie nur acht absolviert, deshalb spricht die 25-Jährige auch von "einem schwierigen Jahr", das nun hinter ihr liege. In der Saisonvorbereitung reihten sich die Erkrankungen aneinander, die Wettkämpfe an den ersten beiden Standorten verpasste sie. Und auch sonst muss sie mit ihren Kräften haushalten, das weiß sie mittlerweile. Wenn Dahlmeier das tut, ist aber nach wie vor mit ihr zu rechnen: Drei Mal stand sie bei ihren wenigen Einsätzen auf dem Podium, Ende Januar siegte sie beim Massenstart in Antholz. Die Wahnsinns-WM in Hochfilzen 2017 mit fünf Goldmedaillen und einer silbernen wird aber wohl einmalig bleiben.

Umso schöner für den Rest der Truppe, der gerne auch mal aus Dahlmeiers Schatten heraustritt. Franziska Preuß und Denise Herrmann feierten in diesem Winter schon Siege, bei den Männern ist Arnd Peiffer, Sprint-Olympiasieger von Pyeongchang, mit drei Podestplätzen der konstanteste Deutsche. Insgesamt sind die Wettkämpfe im Nach-Olympia-Jahr ausgeglichener als je zuvor. Nur einer kann nicht um Medaillen mitkämpfen: Simon Schempp, Massenstart-Weltmeister von Hochfilzen, fuhr wegen Formschwäche nicht zur WM.

Der Fernsehstar

Wolfgang Pichler

Wolfgang Pichler.

(Foto: Petter Arvidson/dpa)

Neunzig Minuten lang spazierte Wolfgang Pichler am Mittwochvormittag von Kamera zu Kamera, von Mikrofon zu Mikrofon. Hier noch ein Plausch, da noch Fragen? Gerne! Der 64-Jährige erlebt gerade eine bemerkenswerte Zeit: Schweden ist verrückt nach ihm. Schon 1995 heuerte der Ruhpoldinger beim schwedischen Biathlon an, nach einer dreijährigen Auszeit bei den Russinnen kehrte er 2014 zurück und ist nun beliebter denn je. Die Olympischen Spiele lösten einen richtigen Hype aus. "Da werden Serien über mich gedreht, da musst du aufpassen, dass du nicht abhebst und denkst: Du bist wirklich ein Großer", sagte und lachte Pichler in Östersund. Hanna Öberg wurde in Südkorea Olympiasiegerin im Einzel, Sebastian Samuelsson gewann Silber in der Verfolgung, sie beide sind große Zukunftshoffnungen der Schweden.

Aber nicht nur die: Staffelgold der Männer und Silber der Frauen bewiesen, dass Pichler ein ganzes Team aus ernst zu nehmenden Biathleten geformt hatte. Was dem schwedischen Publikum bei der Heim-WM ganz gelegen kommt. "Die wollen jetzt natürlich Medaillen sehen", weiß Pichler. Und ist trotzdem ganz entspannt: "Ich habe nichts zu verlieren." Nach dieser Weltmeisterschaft soll Schluss sein als Nationaltrainer. 42 Medaillen haben alle Athleten, die er je betreut hat, bei Olympia und Weltmeisterschaften bisher gewonnen. Zum Abschluss dürfen es für ihn gerne noch zwei weitere sein, am liebsten mit den Staffeln. Und dann? Gibt's schon neue Ideen, "das sagen wir aber noch nicht". So richtig Abschied nehmen vom Biathlon wird Pichler freilich nicht.

Das Zitterthema

Loginow

Alexander Loginow.

(Foto: Jeff McIntosh/AP)

Dem Thema Doping ist Wolfgang Pichler in seinen Amtsjahren in der Regel nie aus dem Weg gegangen, und hier in Östersund wäre das auch schwierig: Nach der Doping-Razzia bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld befürchtet auch die Biathlon-Szene, dass ihre Sportparty von weiteren Verstößen gecrasht wird. Neue Fälle in Reihen der Sportler kann sich Pichler aber in Östersund, so kurz nach dem Auffliegen von Sportlern in Österreich, nicht vorstellen: "So dumm kann keiner sein." Olle Dahlin, der im Sommer neuer Präsident des Biathlon-Weltverbandes IBU geworden war, findet die Vorkommnisse in Seefeld "zutiefst besorgniserregend". Es sei aber "bislang keine Verbindung zum Biathlon bekannt".

Wobei man ja gar nicht auf die Auswertung der Erfurter Blutbeutel warten muss, um sagen zu können: Die Biathleten haben eh ihre eigenen Probleme mit Doping. Noch immer wird gegen Dahlins Vorgänger ermittelt: Anders Besseberg soll unter anderem russische Dopingfälle vertuscht haben. Und auch die WM vor zwei Jahren war zuletzt in den Fokus geraten, weil sie nichtso sauber verlaufen sein soll, wie mancher vortäuschen wollte: Gegen mehrere russische Athleten, die damals an den Start gegangen sind, laufen Untersuchungen, unter anderem gegen Alexander Loginow. Der beteuert seine Unschuld, war aber schon 2014 mit Epo-Doping aufgefallen. In der aktuellen Saison ist er so stark wie nie, liegt auf Rang zwei im Gesamtweltcup. Als Loginow Anfang Januar in Oberhof den Sprint gewann, sagte Martin Fourcade: "Für mich ist es eine Schande. Er hat gewonnen, aber meinen Respekt bekommt er nicht."

Die Machtübernahme

Biathlon - WM Östersund

Johannes Thingnes Bö.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Der größte Widersacher für Martin Fourcade auf der Strecke ist allerdings nicht Loginow, sondern Johannes Thingnes Bö: Die WM in Östersund könnte die WM der Machtübernahme werden, eine Zeitenwende im Biathlon. Jahrelang hat Fourcade alles dominiert, die Nach-Olympia-Saison gehört nun aber Bö: Zwölf von 18 Einzelrennen hat er gewonnen.

Fourcade ist nicht mehr so stabil wie zuvor, war zwischendurch auch krank - und muss nun um den Titel als bester Biathlet der Welt kämpfen. "Ich werde in der Lage sein, Medaillen zu gewinnen", kündigte der 30-Jährige trotzdem an. Mit dem Gedanken an seine 25 WM-Medaillen läuft es sich womöglich auch etwas leichter.

© SZ vom 07.03.2019/sgö
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