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Biathlon-WM:Im Showdown verfliegt der Duft der Medaille

Biathlon Weltmeisterschaft

Liegend war noch alles paletti, im letzten Stehendschießen kamen die Probleme: Denise Herrmann im Verfolgungsrennen.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Denise Herrmann verliert in der Verfolgung beim letzten Besuch am Schießstand eine Medaille - doch die Kolleginnen versprühen gute Laune. Eine Österreicherin feiert ihren größten Erfolg.

Von Saskia Aleythe, Pokljuka

Den Kopf Richtung Sonne zu strecken, das kommt nicht nur in der Pflanzenwelt vor. Auch Denise Herrmann schien plötzlich ein paar Zentimeter größer zu sein, als sie neben der Strecke bei der Biathlon-WM in Slowenien in die Mikrofone sprach. Mit ihren 1,75 Metern gehört sie schon zu den größten Biathletinnen, aber dieser vierte Platz im Sprint am Samstag, er hatte sie zusätzlich aufgerichtet. Herrmann sprach von Leidenschaft, "wofür ich brenne, das ist Biathlon, schnell laufen, gut schießen", und im Vergleich zu den geknickten Aussagen der vergangenen Monate merkte man: Da sprach plötzlich wieder eine ganz neue Energie aus ihr.

Strecken und Schrumpfen, das liegt bei Herrmann allerdings gerade dicht beieinander und so wirkte die 32-Jährige nach dem Verfolgungsrennen am Sonntag wieder ein bisschen kleiner. Eigentlich ist das ja genau ihre Disziplin: 2019 klappte es mit Gold in Östersund, 2020 mit Silber in Antholz. Und nun? Stand sie am Ende nur auf Rang acht. Die Medaille entglitt ihr spät aus den Händen, mal wieder.

Acht Sekunden auf die Überraschungsdritte Hanna Sola aus Belarus hatten ihr am Samstag gefehlt oder ein paar Millimeter für den zehnten Treffer, je nachdem. Nun, in der Verfolgung auf der Pokljuka lag sie bis zum letzten Besuch am Schießstand gut im Rennen. Der Duft der Medaille kroch ihr nach der Hälfte der Strecke in die Nase: Nach einem Fehler im ersten Liegendanschlag und null Patzern beim zweiten Besuch meisterte Herrmann auch das erste Stehendschießen bravourös. Auf Position drei ging sie wieder auf die Strecke, knapp 21 Sekunden hinter Sprint-Siegerin Tiril Eckhoff und Anais Chevalier-Bouchet. Dann der Showdown beim vierten Schießen: Da flogen alle Medaillenchancen mit zwei Strafrunden an Herrmann vorbei. "Es ärgert mich extrem", sagte Herrmann am ARD-Mikrofon, geknickt, kleiner.

Nicht nur die Fehlschüsse machten ihr zu schaffen, sondern auch die Vorstellung auf der Loipe: 41,4 Sekunden trennten sie von der Besten, Rang 24 bedeutete das in der Laufstatistik. "Ich hatte gestern schon gemerkt, dass es muskulär zugemacht hat. Ich habe versucht zu ackern, habe nicht viel verloren, kam aber auch nicht richtig nach vorne", sagte sie und stellte fest: "Das muss laufen, damit ich das Selbstvertrauen habe und weiß, ich kann auch etwas gut machen auch der Strecke."

Für Herrmann ist nun wieder Aufbauarbeit angesagt, vor allem mental

Während Eckhoff (2 Fehler) mit energischen Schritten zu ihrer dritten Goldmedaille für Norwegen rutschte - nach Mixed-Staffel und Sprint -, konnte Lisa Theresa Hauser (1) aus Österreich ihren Lauf der erfolgreichen Januar-Wochen fortsetzen und mit Silber ihre erste Einzel-Medaille bei einer WM feiern. Frankreichs Chevalier-Bouchet (2) stand nach Sprint-Silber nun mit Bronze auch wieder auf dem Podium. Wie schlimm es einen erwischen kann, erlebte Sola: Die Belarussin vergab mit acht Fehlern alle Möglichkeiten, ihren Erfolg vom Samstag zu wiederholen.

Positiv-Erlebnisse sammelten hingegen Franziska Preuß (5./zwei Fehler) und Vanessa Hinz (6./0), was zu einem insgesamt doch starken deutschen Team-Ergebnis führte, Janina Hettich landete auf Rang 34 (3). Hinz zeigte den wohl ausgelassensten Jubel einer Sechstplatzierten bei einer WM, sie hüpfte über die Ziellinie und schlug sich energisch auf die Oberschenkel, 20 Schuss, 20 Treffer, das war nur noch zwei anderen Athletinnen im ganzen Feld gelungen. Hinz war nur schleppend in diesen Winter gekommen, umso besser gelang ihr nun der WM-Start. "So wie meine Saison bisher läuft, bin ich mehr als zufrieden mit dem Platz", sagte sie, im Vergleich zum Sprint am Samstag hatte sie sechs Plätze gut gemacht. Der Zeitpunkt für ihre Leistungssteigerung könnte besser kaum sein: Am Dienstag steht das Einzel an, vor einem Jahr in Antholz hatte sich die 28-Jährige in diesem Rennen mit Silber belohnt.

Für Herrmann ist nun wieder Aufbauarbeit angesagt, vor allem mental. Tragen könnte sie die Stimmung der Teamkolleginnen, am Sonntagnachmittag versprühte neben Hinz auch Franziska Preuß neue Energie. "Es macht echt Spaß auf der Runde", sagte die 26-Jährige nach der fünftschnellsten Zeit an diesem Tag, es gehe jetzt alles leicht, "irgendwie freue ich mich jetzt auch auf Dienstag". Im letzten Stehendschießen war sie fehlerfrei durchgekommen, nachdem ihr am Samstag im Sprint noch die Beine gewackelt und ein Fehler ein besseres Abschneiden verhindert hatte. "Ich war ein bisschen verunsichert", sagte Preuß, "aber das heute nehme ich sehr positiv mit." Den Kopf nach oben strecken, wann es nur geht, diese Disziplin gilt es auch zu beherrschen, bei einer WM.

© SZ/klef
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