Biathlon-WM Dahlmeier begibt sich auf einen schmalen Grat

Laura Dahlmeiers Körper verlangt häufiger nach Pausen.

(Foto: dpa)
  • Die Erfolgs-Biathletin Laura Dahlmeier hat die schwierigsten zwölf Monate ihrer Karriere hinter sich.
  • Noch Ende September habe sie für eine Woche im Krankenhaus gelegen und nicht aufstehen können, berichtet sie über die schwere Zeit.
  • Bei der WM in Östersund steht sie vor einer grundlegenden Frage: Wie viel kann sie ihrem Körper noch zumuten?
Von Saskia Aleythe, Östersund

Das Spiel mit den eigenen Grenzen - es hat eigentlich noch nie zu Laura Dahlmeier gepasst. Zu dieser Frau, die immer wieder vom Bergsteigen erzählte: Wie sie sich an Sechstausendern in Nepal neue Kraft holt, wie sie dadurch gelernt hat, auch am Schießstand im Biathlon die Nerven zu behalten. Weil jeder Fehler am Berg tödlich enden könnte, was so einen falsch platzierten Schuss in ihrem Sport schnell belanglos erscheinen lässt. Und vielleicht dachte Dahlmeier dann: Wer einen Berg bezwingen kann, der schafft das auch mit dem eigenen Körper.

Der Leistungssport ist eine verzwickte Sache: Verausgaben gehört zum Alltag, immer weiter, immer mehr, immer schneller. Ohne ihre Fähigkeit zum sich Quälen wäre Dahlmeier nicht zur Doppel-Olympiasiegerin geworden, nicht zur siebenmaligen Weltmeisterin. Doch was sie sich selbst dafür geraubt hat, ist nicht einfach durch ein bisschen Füße hochlegen zurückzuholen. "Ich muss die Pausen annehmen, die mir mein Körper vorgibt", sagt die 25-Jährige.

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Auch ohne Laura Dahlmeier gelingt den deutschen Biathleten ein starker Auftakt bei der WM 2019. Lediglich die Norweger sind in Östersund noch schneller.

Und der nimmt keine Rücksicht mehr auf Saisonhöhepunkte: Zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Östersund erkältete sich Dahlmeier, wurde am Donnerstag aus der Mixed-Staffel genommen, die dann Silber gewann. Es soll eine Vorsichtsmaßnahme vor dem bevorstehenden Sprint am Freitag sein und das, was in den kommenden zehn Tagen noch folgt: Der Name Dahlmeier bringt mit fünf Gold- und einer Silbermedaille von der WM 2017 eine riesige Erfolgsstory mit sich. Hinter der Sportlerin Dahlmeier liegen allerdings die schwierigsten zwölf Monate ihrer Karriere.

Hochfilzen, das waren die Dahlmeier-Festspiele

Was waren das für Bilder, damals, in Hochfilzen: Fast ikonisch, wie die 23 Jahre alte Version von Dahlmeier ihre Medaillen in die Kamera hielt, untereinander aufgereiht, daneben ihr breites Lächeln, dahinter die glitzernden Berge. Gold in der Verfolgung, im Massenstart, im Einzel, mit der Staffel und im Mixed-Ensemble. Nur im Sprint belegte sie Rang zwei, es ist die letzte Gold-Medaille, die ihr noch fehlt. Hochfilzen, das waren die Dahlmeier-Festspiele. Am Ruhetag ging sie zum Paragliding in die Tiroler Alpen. Eine Auszeit in den Lüften, fernab vom Rummel auf Erden. Doch schon damals kamen Sorgen auf, als sie nach zwei Rennen Schwächeanfälle ereilten. Ihr Opa sage immer, sie sei ein "zaches Luder", berichtete Dahlmeier dann, passt scho. Wer viel gewinnen will, muss viel geben. Und gewollt hat sie das immer. Wobei - an diesem Punkt begann das schwierige Jahr.

Es war der Punkt, als sie dann Olympiasiegerin war, in Pyeongchang in Südkorea Gold in Sprint und Verfolgung gewann, Bronze im Einzel. Als Gerald Hönig, im Februar 2018 noch Bundestrainer der Frauen, über Dahlmeier sagte: "Was Laura hier an Biathlon in Perfektion zeigt, habe ich in der Art und Weise noch nicht gesehen." Als ihr Kindheitstraum erfüllt war. Und Dahlmeier dann in ihre Heimat nach Garmisch-Partenkirchen zurückkam und feststellen musste: Da war erst mal nichts mehr, was sie noch wollte. Eine große Leere. "Auf einmal hatte ich alle Ziele erreicht. Da habe ich mir schon die Frage gestellt: Was kommt jetzt?", sagt Dahlmeier vor Saisonstart der ARD, ein Filmteam hatte sie wieder begleitet in die Berge: Dieses Mal bei einer Gratwanderung zur Zugspitze hinauf.