Biathlet Philipp HornExtrapower dank der Schubkarre

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Dritter im Sprint, Vierter der Verfolgung: Philipp Horn rettet die Bilanz der deutschen Biathleten in Hochfilzen.
Dritter im Sprint, Vierter der Verfolgung: Philipp Horn rettet die Bilanz der deutschen Biathleten in Hochfilzen. (Foto: Jasmin Walter/Getty Images)
  • Biathlet Philipp Horn erreicht in Hochfilzen mit Platz drei im Sprint und vier in der Verfolgung seine ersten Weltcup-Podestplätze.
  • Der 31-jährige Thüringer hatte nach schwierigen Jahren ohne WM- und Olympia-Teilnahmen durch den IBU-Cup seinen Weg zurück gefunden.
  • Horn verbesserte seine Schießtechnik mit Hilfe von Erik Lesser und einem Sportpsychologen und gilt nun als Olympia-Kandidat.
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Das deutsche Biathlonteam tut sich auch beim Weltcup in Hochfilzen schwer. Ausnahme ist der Thüringer Philipp Horn, der im vergangenen Sommer Extra-Einheiten der anderen Art einlegte.

Von Korbinian Eisenberger, Hochfilzen

Schubkarrenschieben zählte nie zu den klassischen Trainingsmethoden, aber wenn der Biathlet Philipp Horn im Sommertraining etwas anders gemacht hat, dann das: „Ich habe zu Hause auf der Baustelle einige Extraschichten eingelegt“, berichtet der 31-Jährige. Horn spielt auf sein privates Projekt in Oberhof an, wo er mit seiner Frau eine alte Villa zum Sporthotel umkonstruiert. „Ich bin sehr, sehr viel Schubkarre gefahren“, sagt Horn. „Das gibt jetzt vielleicht die Extrapower.“

Wenn man so will, ist das deutsche Biathlon derzeit eine größere Baustelle, als den Architekten lieb ist. Es knirscht im Skijägerteam, zu wenige Scheiben sind gefallen in den ersten Wochen dieses olympischen Winters. Und wäre da nicht dieser Philipp Horn, die Statistiker hätten mit Sicherheit irgendeine historische Negativbilanz festgestellt. Doch dann kam Horn, der Baumeister aus Thüringen.

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In Hochfilzen, wo die weltbesten Biathleten seit Freitag unterwegs sind, gelang Horn im fortgeschrittenen Profialter zum ersten Mal der persönliche Sprung auf das Treppchen der besten Drei. Für die deutschen Biathleten war es das erste Podium, ehe die Frauen am Samstag Rang drei in der Staffel folgen ließen. Die Männerstaffel mit Horn als Läufer Nummer drei belegte am Sonntag Rang fünf. Anna Weidel aus Kiefersfelden kam im abschließenden Verfolgungsrennen der Frauen (ohne die aussichtsreiche deutsche Kandidatin Franziska Preuß, die in Hochfilzen erkrankt fehlte) als Zehnte ins Ziel, 16 Sekunden am Podest vorbei.

Treppchenplätze sind mit die wichtigste Währung, je näher die Olympischen Winterspiele im Februar rücken. „Da war schon ein bisschen Druck aufs Team da“, sagte Horn. Entsprechend empfinde er diesen dritten Rang als „unfassbar geil“.

Im Sprintrennen am Freitag hatte Horn alle zehn Scheiben abgeräumt und musste sich in der Loipe lediglich dem Italiener Tommaso Giacomel und Eric Perrot aus Frankreich geschlagen geben. Im Verfolger machten die beiden abermals den Sieg unter sich aus, diesmal mit dem besseren Ende für den Franzosen, der alle 20 Schüsse ins Ziel setzte. Horn verfehlte eine Scheibe stehend und musste diesmal noch den Norweger Johan-Olav Botn vorbeiziehen lassen. Doch er fand, dass er die Herausforderungen im durchaus lautstarken Stadion am Schießstand abermals „gut gemeistert“ habe. „Ich bin bei mir selbst geblieben.“

Horn würzte seine Läufe oft noch mit einer Prise zu viel Risiko am Schießstand

Horn galt in jüngeren Jahren als großes Talent. 2020 bei der WM in Antholz holte der damals 26-Jährige Bronze mit der Staffel und wurde Sprint-Achter. Doch im Schatten der deutschen Biathlongrößen Erik Lesser, Benedikt Doll und Arnd Peiffer wurde es immer ruhiger um Horn. Er verpasste die Nominierung für die WM im Folgejahr, verlor seinen Platz bei Olympia und ward nicht mehr gesehen, weder bei den Olympischen Spielen 2022 noch bei der WM 2023 in Oberhof, seine Heim-WM fand ohne ihn statt. Und während Denise Herrmann-Wick in Oberhof glänzte, musste Horn sich durch den IBU-Cup kämpfen, wenn man so will die zweite Liga des Biathlons. Und das tat Horn – bis zu seinem Wiederaufstieg.

In den vergangenen beiden Wintern etablierte sich Horn unter den besten 30 im Weltcup. In der Loipe zählte er auch da schon mit zu den Schnellsten im internationalen Vergleich. Doch Horn würzte seine Läufe oft noch mit einer Prise zu viel Risiko am Schießstand, ehe er sich Schusstechnik-Tipps von Erik Lesser einholte und einen Sportpsychologen engagierte. „Ich habe das Gefühl, ich bin am Schießstand ruhiger geworden“, sagt Horn. Er sei „früher immer sehr schnell frustriert oder hektisch geworden, vielleicht ist es die Erfahrung und das Alter, dass ich da jetzt etwas entspannter bin“.

Horn reiht sich ein in eine Gruppe deutscher Sportler, die man als Spätzünder bezeichnen darf. Zu nennen sind etwa der Skispringer Pius Paschke, der im Alter von 33 seinen ersten Weltcup gewann. Die Skirennläuferin Lena Dürr musste auch die 30 überschreiten, ehe sie sich in der Weltspitze etablierte. Ähnlich wie Horn, über den sein Teamkollege Philipp Nawrath sagt: „Es war schon den ganzen Sommer über abzusehen, er hat auch auf den Rollern sehr stark performt.“ Horn habe immer damit gehadert, dass er seine Sommerform „nicht ganz in den Winter gebracht hat, aber dieses Jahr scheint es wirklich gut zu funktionieren“, sagt Nawrath. „Er ist in unserem Team derzeit das Maß aller Dinge in der Loipe.“

In Antholz, wo Philipp Horn einst seinen ersten großen Erfolg holte, finden sechs Jahre später die Olympischen Spiele statt. Viel spricht dafür, dass er dort für das deutsche Team auf Medaillenjagd gehen wird. Erst danach dürfte sich der Biathlet als Baumeister wieder vermehrt seiner eigenen Baustelle in Oberhof widmen.

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