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Biathlon:Mäkäräinen überdauert sie alle

Biathlon Weltcup Hochfilzen

Glücklich und erschöpft: Kaisa Mäkäräinen holt sich bei der Verfolgung in Hochfilzen ihren 26. Weltcupsieg.

(Foto: Kerstin Joensson/dpa)
  • Kaisa Mäkäräinen dominiert neben Dorothea Wierer die Biathlon-Saison.
  • Noch im Sommer hatte die 35-Jährige überlegt, ihre Karriere zu beenden.
  • Mäkäräinen muss schauen, ob ihre Frühform die lange Saison übersteht: Die Weltmeisterschaft in Östersund ist erst im März.

Um die Kaisa Mäkäräinen von heute zu beschreiben, muss man noch einmal kurz in die Vergangenheit gehen. Ein bisschen nur, zurück zu der Kaisa Mäkkärainen von Olympia. Es war Ende Februar, der letzte Wettbewerb der Frauen in Pyeongchang, Staffel-Wettbewerb, Mäkäräinen startete als zweite ihres Teams ins Rennen und als sie ihre Runde beendet hatte, führten die Finninnen. Noch nie hat Mäkäräinen eine olympische Plakette um den Hals hängen gehabt, obwohl sie schon so lange im Weltcup läuft. Es war vielleicht ihre letzte Chance. Doch ein Staffelrennen ist eben vier Athletinnen lang und nicht zwei: Es folgten schließlich noch zwei Strafrunden und zehn Nachlader ihrer Kolleginnen. Die Hoffnungen verflogen, am Ende stand Rang 15. Und die Beobachter dachten sich: was für ein bitterer Abschied.

Kaisa Mäkärainen ist 35 Jahre alt, sie hat trotz ihrer verpassten Olympia-Medaille dann noch die Gesamtwertung im Weltcup im März für sich entschieden, zum dritten Mal in ihrer Karriere. Nicht der schlechteste Zeitpunkt für ein Karriereende. Doch Frau Mäkäräinen hört einfach nicht auf. Und gerade muss man sich die Frage stellen: Warum auch?

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Die aktuelle Saison ist noch ganz frisch, nach fünf Einzelrennen stand aber am häufigsten auf dem Podest ganz oben: Käisa Mäkäräinen. Drei Siege konnte sie einfahren, den neuesten in der Verfolgung in Hochfilzen am Samstagmittag. Läuferisch ist sie in der Regel die Schnellste im Feld, in diesem Rennen sicherte ihr allerdings das Schießen Platz eins: Dorothea Wierer aus Italien, die Sprintsiegerin vom Vortag schoss viermal vorbei, Mäkäräinen patzte dreimal.

Mit Wierer liefert sie sich derzeit einen Zweikampf um die Weltcup-Spitze. Wierer führt mit der Winzigkeit von sieben Punkten, weil sie konstant Weltklasse-Leistungen zeigt, während Mäkäräinen im ersten Rennen nur ein 30. Platz gelungen war. Aber dass man die Finnin überhaupt nochmal auf den Loipen dieser Welt sehen würde, war nach der Olympiasaison offen gewesen. Sie machte Urlaub in Thailand, "nach der ersten Woche war ich sehr entspannt und habe gedacht: Es ist so schön, hier zu sein und nicht über Biathlon nachzudenken. In der zweiten Woche habe ich überlegt, ob ich weitermachen soll mit dem Sport oder nicht." Und dann verkündete sie ihre Entscheidung in einem Video per Instagram, mit einer in den Sandstrand gemalten Botschaft: "CU next season".

Mäkkäräinen und Wierer schnappen sich gegenseitig die Siege weg

Was bei den Männern Martin Fourcade und Johannes Thingnes Bö sind, sind bei den Frauen derzeit Mäkkäräinen und Wierer, sie schnappen sich gegenseitig die Siege weg. Mit dem Unterschied, dass eine der Besten der vergangenen Jahre fehlt: Laura Dahlmeier, die Weltmeisterin und Olympiasiegerin, die wegen eines geschwächten Immunsystems noch pausiert. Ohne sie konnten die deutschen Frauen in diesem Winter noch keinen Podestplatz feiern, am Samstag wurde Franziska Hildebrand auf Rang neun beste Deutsche. Und auch Mäkäräinen muss gucken, ob ihre Frühform die lange Saison übersteht, die Weltmeisterschaft in Östersund ist erst im März. "Mein Körper scheint nicht mehr so zu funktionieren wie mit 25", sagt sie, "das muss ich akzeptieren". Das Staffelrennen am Sonntag in Hochfilzen lässt sie schon aus. "Ich merke, dass ich mehr Zeit zur Erholung brauche als früher."

Jeder Sport hat seine Größen und Namen, manche sind vergänglich, andere noch dann in den Köpfen der Menschen, wenn der Sport schon längst versucht, andere Namen und Größen hervorzubringen. Biathlon kennen viele Zuschauer gar nicht ohne Mäkäräinen, sie hat alle überdauert, die den Sport mit ihr geprägt haben: Tora Berger, Darja Domratschewa und auch Gabriela Koukalova, von der nicht bekannt ist, ob sie nochmal in den Weltcup zurückkehrt. 2005 hat Mäkäräinen ihr erstes Weltcup-Rennen bestritten, da war Uschi Disl sogar noch aktiv, Magdalena Neuner hingegen noch gar nicht. Doch ob sie nochmal einen ganzen Olympia-Zyklus mitmacht? "Ich hatte gute Jahre und hoffe, noch ein, zwei gute Jahre zu haben", sagt Mäkäräinen. Aber auch: "Man kann nie wissen."

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