Biathlon in Oberhof Zu viele Strapazen für die Besucher

Oberhof war einst ein Biathlon-Vorzeigeort, mit den modernsten Anlagen und der besten Stimmung rund um die Strecke. 1984 erstmals im Weltcup vertreten, ein Zentrum des Wintersports, in dem sich die Besten des Landes versammelten, Weltmeister und Olympiasieger aus Deutschland. Frank Ullrich, Katrin Apel, Frank Luck, Sven Fischer, Kati Wilhelm, Andrea Henkel - sie alle trainierten in Oberhof. Wegen ihnen kamen die Wintersport-Fans, nicht nur aus der Region. Doch nun wird die Begeisterung stärker auf die Probe gestellt. Wer Athleten live an der Strecke erleben will, muss bereit sein, Strapazen auf sich zu nehmen.

Biathlon ist kein Nachmittagsvergnügen, da muss Urlaub her, dieses Jahr lag der Weltcup auch nicht in den Ferien. Hotels buchen, in Bussen nach Oberhof gelangen, von dort aus mit dem Shuttlebus hoch zur Arena. Wer es einmal bis dorthin geschafft hat, bleibt oft acht Stunden, vertreibt sich die Zeit in den Gastronomie-Hütten. Mit Aussicht auf deutsche Spitzenleistungen macht das noch eher Spaß. Doch die gibt es im Moment nicht. Dass das deutsche Team derzeit einen Generationswechsel erlebt, ist deutlich spürbar. "Manch einer hat vielleicht nicht das richtige Verständnis dafür", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Tatsächlich war die deutsche Mannschaft ja gut in die Saison gestartet, drei Einzelpodestplätze gab es bei den Männern, die deutsche Frauenstaffel überraschte mit Platz eins in Hochfilzen - doch für den üppigen Zuschauerzuspruch aus den glorreichen Jahren, in denen stets jemand um den Sieg mitlief, reicht das eben nicht. "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", sagte auch DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger, das Potenzial sei noch größer. "Die WM muss kommen, damit kommen ja auch neue Fördergelder."

Wintersport Benedikt Doll schon wieder Achter
Biathlon-Weltcup

Benedikt Doll schon wieder Achter

Der junge Benedikt Doll überzeugt auch beim Massenstart in Oberhof. Martin Fourcade gewinnt das Rennen überlegen. In der Biathlon-Szene herrscht jedoch Unruhe: Der Weltverband will am Montag die Namen von Dopingsündern nennen.

Ein weiteres Stressthema ist das Wetter, seit Jahren erlebt der Ort Anfang Januar keinen vernünftigen Winter mehr. Zu wenig Schnee, Eisregen, zu viel Nebel, Wind, Tauwetter - irgendwas ist immer. Dass Wettkämpfe um Stunden verschoben werden, gehört längst zur Normalität. Dass die Bedingungen während eines Rennens kaum vergleichbar sind, ebenso. Kritik am Standort gibt es dann auch von den Athleten. Ob man den Ort aus dem Kalender streichen solle? "Das ist ein sehr ernstes Thema", meinte Darja Domratschewa, Massenstart-Siegerin vom Sonntag, "ich denke, man sollte darüber nachdenken."

Lob für die Organisatoren und Helfer gibt es zwar: "Die Leute hier schaffen es trotzdem immer wieder, dass der Weltcup stattfinden kann", sagte IBU-Chef Besseberg anerkennend. Über all die Frage- zeichen wird das kaum hinwegtrösten.