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Denise Herrmann in Oberhof:Hilflos wie ein Maikäfer

Biathlon: Weltcup

Erneut unter ihren Möglichkeiten: Denise Herrmann in Oberhof.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Ein Missgeschick mit der Waffe und wieder zu viele Fehler: Denise Herrmann verpasst eine Befreiung in Oberhof. Den Top-Ten-Platz liefert hingegen Franziska Preuß.

Von Saskia Aleythe

Trockentraining ist bei den Biathleten eine recht eintönige, aber auch notwendige Angelegenheit. Denise Herrmann hat damit schon viele Stunden verbracht: Wie sie die Waffe am schnellsten vom Rücken in den Anschlag bekommt und nach dem Schießen wieder zurück. Das Ab- und Aufsetzen kann wertvolle Sekunden kosten im Wettkampf, also üben die Biathleten das, manche im Keller, andere in der Küche, wo es eben geht. Als sich Herrmann am Donnerstag beim Sprint in Oberhof auf einmal in den Trägern ihrer Waffe verhakte, da wusste man: Das wird wohl eher nicht ihr Wettkampf.

"Ich habe mich gefühlt wie ein Maikäfer auf dem Rücken, der sich nicht drehen kann", sagte Herrmann später in der ARD; mit der Uhr war sie hängen geblieben, das Gewehr wollte einfach nicht zurück auf den Rücken. Die 32-Jährige hatte sich Zeit gelassen bei ihrem ersten Besuch am Schießstand: Sie wollte jeden Schuss mit Bedacht setzen, weil ihr Flüchtigkeitsfehler zuletzt die Ergebnisse verhagelt hatten. Die Sekunden verstrichen, ein Fehler unterlief ihr trotzdem. Und dann kamen auch noch das stockende Schultern der Waffe dazu und zwei Fehler im Stehendanschlag. Herrmann wurde 15. und stellte fest: "Man darf im Wettkampf nicht zaubern wollen, aber das will ich gerade und das geht halt oft schief."

Franziska Preuß wird Sechste - und freut sich über eine "ganz andere Körperspannung"

Seit Rang zwei zu Saisonstart konnte Herrmann keinen Podestplatz in einem Einzelrennen mehr verbuchen, aber aus Oberhof gab es zumindest das nun zu berichten: In den Beinen fand sie Energie wieder, die sie jüngst vermisst hatte, mit der zweitschnellsten Zeit des Tages rutschte Herrmann ins Ziel. Beste Deutsche im Komplettpaket Laufen und Schießen war Franziska Preuß, die mit einem Fehler auf Rang sechs landete. "Im Vergleich zu letzter Woche war es eine ganz andere Körperspannung", sagte sie, nur das fehlerfreie Schießen will auch der 26-Jährigen gerade nicht gelingen. "Ich muss schauen, dass ich den Druck ablege, den ich mir selber mache", sagte sie, "ich hoffe, dass ich dann konstanter werde, vor allem am Schießstand". Zweitbeste Deutsche wurde Janina Hettich (0 Fehler, Platz 13), Maren Hammerschmidt gelang Rang 17 (0). Vanessa Hinz landete auf Platz 31 (1), Anna Weidel wurde 80. (3).

Unheimlich dominant präsentierte sich erneut Tiril Eckhoff: Die Norwegerin siegte trotz einer nicht umgeklappten Scheibe vor der fehlerfreien Dorothea Wierer aus Italien und der Österreicherin Lisa Theresa Hauser. Es war Eckhoffs sechster Sieg in diesem Winter, womit sie einen Monat vor der WM in Pokljuka in Slowenien die große Gejagte ist.

Vier Rennen stehen in Oberhof noch an, und die Organisatoren werden nicht nur durch den Rennkalender auf Trab gehalten: Vier neue und damit insgesamt 22 positive Corona-Tests in Oberhof vermeldete der Weltverband am Donnerstag - das sind mehr als bei den ersten Weltcupstationen zusammen. Mehr als 2100 Tests wurden im Thüringer Wald durchgeführt, nach vier positiven Fällen zu Beginn der Wettkämpfe vor einer Woche kam es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einer weiteren Verbreitung. "Dieses nervtötende Virus stoppt leider nicht an Stadiontoren", sagte IBU-Sportdirektor Felix Bitterling der SZ. Unter der Woche wurde ein deutsches Teammitglied wegen wiederholter Missachtung der Schutzmaßnahmen mit einer Geldstrafe belegt, bei weiteren Verstößen droht der Verlust der Akkreditierung. Ein bulgarischer Trainer wurde bereits gesperrt.

© SZ/jkn/ska
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