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Biathlon:Dahlmeier fragt den Berg

Biathlon - Winter Olympics Day 11

Laura Dahlmeier sucht noch nach der Form für die neue Saison.

(Foto: AFP)
  • Laura Dahlmeier verausgabt sich wie kaum eine Biathletin, war zuletzt erschöpft und zweifelte.
  • Bei einer Bergwanderung findet sie Motivation für die anstehende Saison und setzt sich ein neues Ziel.
  • Wann sie nach ihren Problemen in der Vorbereitung in die Wettkämpfe einsteigt, ist noch nicht sicher.

So ein bisschen verhält es sich mit Laura Dahlmeier gerade wie mit dem FC Bayern. Nicht, was den Krisenmodus der sportlichen Karriere angeht, sondern vielmehr, welchen Nachrichtenwert mittlerweile kleinste Fortschritte ihrer Genesung erreichen. "Dahlmeier wieder im Training", vermeldete etwa der Sportinformationsdienst am 14. November, sechs Tage später wartete die Deutsche Presse-Agentur mit der nächsten Botschaft auf: "Dahlmeier trainiert wieder auf Schnee." Hurra! Verpasst wurden später allerdings die Gelegenheiten für Meldungen zu: "Dahlmeier zurück im Mannschaftstraining", "Dahlmeier wieder an der Waffe" und "Dahlmeier bindet sich den Schuh zu".

Ja, die Olympiasiegerin beschäftigt die Wintersportgemüter, verstärkt mit abfallender Außentemperatur. Und auch wenn die Saison noch nicht läuft, ist garantiert ein Bergsteigerfilmlein mit der ARD drin - dieses Jahr ließ sich die Biathletin im Sommer nicht beim Besteigen des Piz Badile in der Schweiz begleiten, wie 2016, sondern bei einer Gratwanderung in den Alpen hinauf zur Zugspitze. Die Tour wurde erfolgreich abgeschlossen, viel interessanter war aber, was die 25-Jährige dabei über ihr Leben nach den Olympischen Spielen in Pyeongchang zu erzählen hatte, bei denen sie sich ihren Kindheitstraum erfüllen konnte: Gold zu gewinnen, im Sprint und in der Verfolgung, hinzu kam Bronze in Einzel. "Auf einmal hatte ich alle Ziele erreicht", sagte Dahlmeier also in dem Film, "da habe ich mir schon die Frage gestellt: Was kommt jetzt?"

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Die gute Nachricht vorneweg: Laura Dahlmeier macht weiter als Biathletin, beim Saisonstart am Wochenende in Pokljuka in Slowenien wird sie allerdings noch fehlen. Es ist die Folge mehrerer unschöner Wehwehchen, die sie durch den Sommer begleitet haben: Im Juli eine Schnittverletzung im Oberschenkel, die sie sich durchs Mountainbiken zugezogen hatte, gefolgt von einer Weisheitszahn-Operation, an die sich ein hartnäckiger Infekt anschloss. Nach Aussage von Mannschaftsarzt Klaus-Jürgen Marquardt war Dahlmeiers Immunsystem im Oktober dann "ziemlich geschwächt", sie musste sich ausruhen. Das ist ein Szenario, das sie freilich kennt: In den vergangenen fünf Jahren war sie nur einmal zum Saisonstart fit gewesen. Also kein Grund zur Panik. Oder?

Viel Trubel für eine, die eigentlich Ruhe liebt

Schon in ihren letzten Tagen in Pyeongchang hatte Dahlmeier versucht, für die überwältigenden Erlebnisse einen Abschluss zu finden, diese "gigantischen Spiele", wie sie sie selbst nannte: fünf Rennen in zwölf Tagen zu bestreiten, dies bei teils minus zehn Grad, dazwischen Interviews geben und Dopingkontrollen absolvieren und natürlich immer dabei die Freude über ihre Medaillen. Einen Fernsehauftritt nach dem Verfolgungsrennen musste sie absagen, sie war zu erschöpft. Auch ihre Eltern waren nach Südkorea gereist, gesehen haben sich die drei dann allerdings selten. Kurz nach ihrer Rückkehr hat sie ihr Heimatort Garmisch-Partenkirchen zur Ehrenbürgerin ernannt, eine Kutsche fuhr sie zur jubelnden Anhängerschaft auf den Marktplatz.

Viel Trubel ist das für eine, die eigentlich die Ruhe liebt. Auf die Frage, ob man sie bei Olympia 2022 in Peking sehen werde, sagte Dahlmeier damals in Pyeongchang: "Alles ist offen. Ich mache Biathlon, seit ich neun Jahre alt bin." Und natürlich kreiste dann diese Frage in ihrem Kopf: Geht es noch besser, geht da noch mehr als ein Olympiasieg?